Stefanie Gralewski, Autor bei Stefanie Gralewski

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Vom Mond und einem Jahres-Neustart

Am 20. März ist es wieder soweit. Wenn die Sonne in das Zeichen des Widders wechselt, beginnt nicht nur der Frühling. Bei den Kelten war die Tagundnachtgleiche der eigentliche Jahresbeginn. Die Tage sind ab heute wieder länger als die Nächte, das Licht hat das Dunkel also besiegt. Die Natur zeigt, was auch für unser tägliches Leben gilt: So schwierig es auch manchmal sein kann, alles wendet sich zum Guten. So können auch wir jetzt noch einmal die Energie des Neubeginns, des Aufbruchs nutzen. Mit dem Neustart wechselt auch der Jahresherrscher. Wir verlassen das Merkurjahr und das Mondjahr beginnt.

Das Jahr der Mondin

Der Mond oder – wie der Erdbegleiter besonders bei Hexen oft genannt wird – die Mondin steht nicht nur in der Astrologie für das weibliche Prinzip in all seinen Formen und Ausprägungen.
Die Vielzahl der Mondgöttinnen in den verschiedensten Mythologien ist völlig unüberschaubar. Dazu kommen die scheinbar unendlich vielen Namen der Göttinnen in ihrer Erscheinung als zunehmende Mondin, Vollmondin oder abnehmende Mondin und auch Neumondin. Man hat das Gefühl, dass jede Göttin, die etwas auf sich hält, irgendwie auch immer eine Mondgöttin ist.

Doch es gibt in allen Mythen, mögen sie noch so vielfältig sein, auch Gemeinsamkeiten: So steht der Neumond stets für den Übergang von einem Leben zum anderen, von Tod zur (Wieder-)Geburt und für den Neuanfang im Allgemeinen. Der zunehmende Mond repräsentiert die jungfräuliche Göttin, das kleine Mädchen, das unbefangen und neugierig die Welt entdeckt. Der Vollmond zeigt die erwachsene Frau in der Blüte ihrer Jahre: fruchtbar, mutig und behütend, aber auch bestimmt. Der abnehmende Mond symbolisiert schließlich die weise, alte Frau, die voller Erkenntnis und inneren Frieden immer Rat weiß, sich jedoch niemals aus der Ruhe bringen lässt.

Sonne und Mond werden fast überall als gegengeschlechtlich gesehen. Zum Beispiel gibt es die griechische Göttin Artemis (römisch gleichgesetzt mit Diana) mit ihrem Zwillingsbruder, dem Sonnengott Apollon. Als wilde, mutige und unabhängige Jungfrau steht sie für den zunehmenden Mond. Hera ist als Gemahlin des Gottes Zeus die Hüterin von Haus und Familie – der Vollmond. Hekate, die oft ziemlich gruselig dargestellte Göttin der Dunkelheit, nimmt als Mondin dann ab, um neue Kraft zu schöpfen.
Astrologisch gehört der Mond zu den wichtigsten Deutungsfaktoren. Das Prinzip des Werdens und Vergehens spiegelt sich hier, dessen schöpferischer Akt darin besteht, etwas aufzunehmen, es zu verwandeln und dadurch Neues entstehen zu lassen.

Ein Auf und Ab der Gefühle

Im Hundertjährigen Kalender wird von einem eher durchwachsenen Jahr gesprochen. Insgesamt sei das Jahr wettermäßig eher nass und kühl.
Auch das zeigt, was der Mond schon ankündigt: Es geht emotional zu. Das Wasser steht seit alters her für das Auf und Ab der Gefühle. Überlieferungen nach ist der Mond nicht nur für die Gezeiten, sondern auch für emotionale Schwankungen zuständig.

Das Jahr 2020 wird also ein höchst emotionales. Himmelhochjauchzend fallen wir in bodenlose Betrübnis, um im nächsten Moment wieder hoch oben auf der Glückswelle des Lebens zu tanzen. Unter der Herrschaft des Mondes kommt alles ans Licht, was wir normalerweise in den hintersten Ecke unserer Seele verstecken wollen. Dies gibt uns die wunderbare Gelegenheit, uns von alten emotionalen Verletzungen endlich zu befreien und dem inneren Frieden einen großen Schritt näher zu kommen.

„Menschliches Glück stammt nicht so sehr aus großen Glücksfällen, die sich selten ereignen, als vielmehr aus kleinen glücklichen Umständen, die jeden Tag vorkommen.“

Benjamin Franklin

Von schwarzer Magie, die keine ist und einem Ritual gegen Angst

Heute ist mein wöchentlicher Blogartikel ein Appell: Lass Dir keine Angst machen!

Leider sehe ich in der letzten Zeit wieder vermehrt Postings in den sozialen Medien, in denen „spirituelle“ Berater vor der „großen Gefahr“ der Magie warnen. Sie erzählen, dass schwarze Magie etwas Furchtbares wäre, vor dem man sich hüten müsse. Sie blasen damit ins christliche Horn: Nur die eigene Ansicht von Magie ist die Richtige und alles andere Unfug oder im Zweifel gefährlich. Die Unterteilung in schwarze und weiße Magie scheint mal wieder in aller Munde.

Die Einteilung in positiv=weiß und negativ=schwarz ist jedoch völlig unzutreffend. Um zu erkennen, ob Du jemandem mit Deinem Tun (egal ob mit Ritualen, Worten oder Taten) schadest oder hilfst, kannst Du einfach Dein Herz befragen.

Die Unterteilung in schwarzer und weißer Magie rührt daher, dass man früher (und heute) Magie, die bei zunehmendem Mond durchgeführt wird (also für das, was wachsen soll) weiß nannte und Magie, die bei abnehmendem Mond durchgeführt wird (also für alles was weniger werden soll) schwarz nannte – da das, was wir Neumond nennen, genau genommen ein Schwarzmond ist. Der Neumond ist nämlich erst der Moment, in dem man bereits eine schmale Sichel sieht. Und weil in unserem Kulturkreis die Farbe schwarz als Negativ wahrgenommen, wird schwarze Magie fälschlicherweise mit Schadenszaubern gleichgesetzt.

Magie ist jedoch völlig farblos. Derjenige, der mit Magie arbeitet, gibt dem Ganzen die Färbung je nach ethischer oder moralischer Auffassung.

Möchtest Du zum Beispiel jemandem helfen, seine Ängste los zu werden, dann zünde (am Besten mit ihm zusammen) eine schwarze und eine rote Kerze (möglichst) an einem Samstag bei abnehmendem Mond an. Zur Not tuts auch ein anderer Tag. Die schwarze Kerze löst die Ängste auf, die rote Kerze muss mit dem Namen der Person beschriftet werden und macht Mut. Ja, das ist schwarze Magie. Nein, das ist nun wirklich kein Schaden, sondern wird das Leben absolut positiv verändern.

Also: lass Dich nicht ängstigen von Leuten, die nicht wissen, wovon sie reden. Die Götter sind mit uns und es gibt keinen Grund, Angst zu haben. Die Götter (und die geistige Welt) haben der Menschheit noch nie geschadet – die Menschheit schadet der Menschheit! Und da helfen auch keine Gebete und Kristalle, sondern das Kehren vor der eigenen Haustür!

„Durch die Gasse der Vorurteile muss die Wahrheit ständig Spießruten laufen.“

Indira Gandhi

Von Kindern, Fasten und schmerzender Begeisterung

Das Jahresrad dreht sich unaufhaltsam weiter. Der Frühling naht und so befinden wir uns mitten im christlichen Fasten. Auch wenn ich keiner religiös vorgeschriebenen Fastenzeit folge (im Asatru gibt es so etwas nicht), so ist diese Zeit für mich dennoch eine wichtige Zeit der Erdung und des bewussten Verzichts. Das möchte ich auch meinen eigenen Kindern mitgeben und erklärte meinem damals ca. 8jährigen Sohn, dass man manchmal auf etwas verzichten sollte, damit man es später mehr zu schätzen weiß. So beschlossen wir für die Fastenzeit auf Süßigkeiten verzichten. Doch mein Junior hatte eine andere Idee: „Ich glaube, ich verzichte lieber mal auf Gemüse!“ Wir einigten uns auf einen Kompromiss. An einem Tag gab es keine Süßigkeiten, am anderen kein Gemüse. Tatsächlich freute er sich nach einem gemüsefreien Tag auf die Gurken-, Möhren- und Paprikastreifen. An den Süßigkeiten-Tagen wurde wenig, aber mit Bedacht genascht. Am Ende ein guter Kompromiss für alle.

Wenn Du mit Deinen Kindern fasten möchtest oder die Osterzeit aus christlicher Sicht näher bringen möchtest, empfehle ich einen Osterleuchter. Auf dieser Seite wird dieser wunderbar erklärt: Familien feiern Feste

Für viele ist die Zeit vor Ostern aber generell eine Zeit der religiösen Besinnung, ähnlich der Vorweihnachtszeit. Und so kann es sehr spannend sein, die verschiedenen Gotteshäuser zu besuchen. Ich möchte den Blick meiner Kinder für die ganze Bandbreite der religiösen Möglichkeiten aufzeigen und gehe mit ihnen in Synagogen und Kirchen, wir besuchen Tempel und Moscheen. Auch meine Freundinnen handhaben das so. Bei einem Besuch in einer koptischen Kirche wurde meine Freundin Zeuge eines aufschlussreichen Gesprächs: Zwei Jungs (ca. 6 Jahre alt) schauten sich mit einer Frau, die wohl ihre Mutter war, die Kirche an und blieben vor einem großen Kreuz stehen. Die Kinder wollten wissen, was es damit auf sich hatte und die Mutter setzte sich mit ihnen in eine Kirchenbank, nahm sich viel Zeit und erzählte geduldig die Jesus-Geschichte und den Zusammenhang mit Ostern. Nach dem „aufgefahren gen Himmel“ sprangen die Jungs vor Begeisterung auf und jubelten: „Boah, hatten die früher schon so’ne Raketen!?“

In meinem Blog hab ich ja schon öfter erzählt, dass ich nicht christlich-religiös erzogen wurde. Das Lernen und Verstehen spiritueller Zusammenhänge war stets im Alltag integriert und es war für meine Familie selbstverständlich, auch andere Religionen kennen zu lernen. So war ich einmal als kleines Mädchen bei einer befreundeten Familie des Pfarrers zum Ostergottesdienst und anschließendem Essen eingeladen. Damals war ich ca. 6 Jahre alt und beim gemeinsamen Essen mit dem Pfarrer schwer beeindruckt: „Da schau her! Jesus isst Kartoffelsalat!“ Ich weiß nicht genau wieso, aber irgendwie ging ich davon aus, dass der Pfarrer der Gottessohn selbst sei.

Später, als Erwachsene, setzte ich diese Familientradition fort und baute einen kulturell bunten Freundeskreis auf. Natürlich habe ich meine Freunde nicht nach ihrer Religion gewählt, aber es ergab sich einfach so. Wir besuchten uns gegenseitig, bewirteten die Gäste mit Kuchen, Kaffee und Tee und die Kinder spielten zusammen. Ich war mit meinem damals 2 jährigen Sohn mal wieder bei Freunden zu Besuch. Ich schaute mir mit ihm das wunderschön gestaltete Meditationszimmer mit bunten Wandbehängen und Teppichen an. Noch ganz gefangen mit diesen Eindrücken ging ich mit dem Kind auf dem Arm die Treppe hinunter, rutschte aus und kam erst nach einigen Stufen zum Stop. Junior reagierte vor Begeisterung jubelnd: „Nommaaaal!“ Ich lehnte mit Tränen in den Augen (mehr vor Lachen als vor Schmerz) dankend ab.

Ich kann solche Besuche übrigens absolut empfehlen! Besuche mit Deinen Kindern muslimische Familien. Lerne den Alltag buddhistischer Menschen kennen. Hör zu, was Heiden über ihre Religion zu erzählen haben – ohne, dass Du das mit Deinem Glauben vergleichst und möglicherweise bewertest. Unternimm doch mal einen Familienausflug in eine jüdische Synagoge oder wohne russisch-orthodoxen Gottesdiensten bei. Ich versprechen Dir, dass dies ungemein spannend und für den eigenen Alltag sehr bereichernd sein kann! Außerdem gibst Du Deinen Kindern, Enkeln und Dir selbst die Chance auf eine Welt der Verständigung, des Verständnisses und der Liebe.

Ich will Menschen bilden, die mit ihren Füßen in Gottes Erde, in die Natur eingewurzelt stehen;
deren Haupt bis in den Himmel ragt und in dem selben schauend liest; deren Herz beide, Erde und
Himmel, das gestaltenreiche Leben der Erde und Natur und die Klarheit und den Frieden des
Himmels, Gottes Erde und Gottes Himmel eint.“

Friedrich W. A. Fröbel, 1782-1852, deutscher Pädagoge

Von Schalttagen, Glück und Unglück

In diesem Jahr ist es wieder einmal soweit: Wir haben einen 29. Februar. Da das nur alle 4 Jahre vorkommt, ist es durchaus etwas besonderes. Und wie immer, wenn etwas außergewöhnliches passiert, überschlagen sich die Medien mit Schlagzeilen wie „Steht uns ein Katastrophenjahr bevor?“. Doch was da wirklich dran ist, hab ich Dir hier einmal zusammengefasst.

Schalttage oder -jahre sind so alt wie die Menschheit selbst. Sie werden immer dann eingeschoben, wenn der Kalender nicht mit dem Sonnenjahr übereinstimmt und eine Verschiebung der Jahreszeiten droht. In der Geschichte ist das manchmal recht willkürlich passiert, aber schon seit den alten Römern gab es einen Schalttag im 4-Jahres-Rhythmus.

Die Römer allerdings waren grundsätzlich auch recht großzügig darin, einen Tag als Unglückstag zu bezeichnen. So sind die berühmten Schwendtage (dies atri) oft nach einer verlorenen Schlacht der Römer als solche deklariert worden. Wenn die glorreichen Römer eine Schlacht verlieren, dann MUSS der Tag als solches (und die Götter natürlich) Schuld sein und selbstverständlich nicht die Römer selbst – so das Denken. Dass die Schwendtage dann tatsächlich bis in unsere Zeit eine gewisse Unglücksenergie aufweisen, zeigt die Schöpferkraft des Menschen. Wenn viele Menschen einen bestimmten Gedanken an einem bestimmten Tag haben, erschafft dies eine bestimmte Energie. Der Glaube versetzt Berge.

Mit der Unglücksenergie an Schalttagen ist das ähnlich. Dazu kommt eben noch, dass eine Abweichung per se schon als „komisch“ wahrgenommen wird. Der Religionswissenschaftler Horst Juninger erklärte in einem Interview mit dem mdr: „Wie man von der Kognitionsforschung weiß, ist es vor allem das Bizarre und Absonderliche, das überproportional memoriert wird und das sich dadurch intensiver als anderes im individuellen wie kulturellen Gedächtnis festsetzt“.

Es gibt also für den 29. Februar besonders viel Aberglauben. Zum Beispiel sagt man, dass alle, die am 29.2. geboren sind, Geister sehen können. Rituale, Orakel und andere magische Tätigkeiten sollten vermieden werden. Daran halte ich mich persönlich nicht. Zu sehr freue ich mich über einen Tag mehr im Jahr, an dem ich Dinge erledigen kann, für die sonst zu wenig Zeit bleiben.

Wie könntest Du diesen Extra-Tag nutzen? Schreib doch mal eine Liste mit all den Dingen, die Du schon lange mal machen wolltest. Dann streiche alles weg, was Du nicht voller Freude machen würdest. Das, was übrig bleibt, ist Deine Aufgabe für den 29. Februar. Uups – bei Dir ist nun gar nichts mehr übrig geblieben? Dann ist dieser Samstag für Dich ein Tag für Muße und Nichtstun.

„Müßiggang, du heiliges Kleinod, einziges Fragment der Gottähnlichkeit, das uns noch aus dem Paradiese blieb!“

Friedrich Schlegel

Von Ehre und anderen Tugenden

„Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was sich in Wahrheit hebt und hält,
Muß in dir selber leben.

Wenn’s deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen zu können.“

Theodor Fontane

In den heidnischen Gruppen (wie zum Beispiel Hexen, Neokelten, Asatru) gibt es keine Gebote im herkömmlichen (bzw. christlichen) Sinne. Jede Gruppe bekennt sich zu klaren, eigenen Werten. Diese werden jedoch nicht mit göttlichem Strafgericht oder Belohnungen vergolten, sondern sind eine Frage der persönlichen Ehre. Auch ich gehe davon aus, dass wir uns dem Leben nur durch ehrenvolles Handeln würdig erweisen können und fühle mich den 9 Tugenden aus dem Asatru verpflichtet:

* Mut
* Wahrheit
* Ehre
* Treue
* Disziplin
* Gastfreundschaft
* Fleiß
* Eigenverantwortung
* Ausdauer

Im Prinzip geht es in diesem ebenso wie in allen anderen Wertesystemen darum, eine gemeinsame Basis zu schaffen für alle, die sich diesem Wertesystem verpflichtet fühlen. Es gehört zur Glaubenspraxis in vielen Religionen, an sich zu arbeiten, um den jeweiligen Tugenden oder Werten so nahe wie möglich zu kommen. Da der Respekt allem Leben gegenüber ein unabdingbarer Grundsatz darstellt, den alle Heiden (und auch die Asatru) vertreten, versteht es sich von selbst, dass eben diese Ideale Extremismus und Fanatismus ausschließen.

Selbstverständlich hat sich das Tugendverständnis bzw. die Definition der einzelnen Punkte mit der Zeit verändert. Und selbstverständlich definiert jeder die Worte auch etwas anders. Das finde ich aber gar nicht schlimm, sondern im Gegenteil sehr fruchtbar. Der Austausch darüber bereichert mein Leben immer wieder neu. Edred Thorsson (ein US-amerikanischer Autor, der auch viel über Runen schreibt) bemüht sich um eine moderne Bedeutung und beschreibt die Tugenden so:

  • Mut ist die Tapferkeit stets das richtige zu tun.
  • Wahrheit ist die Bereitschaft, ehrlich zu sein und zu sagen, was man für wahr und richtig hält
  • Ehre ist das Gefühl eines inneren Wertes und das Bedürfnis Respekt zu zeigen, wenn man dieser Tugend in der Welt begegnet.
  • Treue ist der Wille, zu seiner Gruppe (Familie, Freunde oder wen auch immer man als seine Gruppe bezeichnen möchte), zu seinen Göttern und auch zu sich selbst zu halten und zu stehen.
  • Disziplin ist die Bereitschaft, zu allererst zu sich selbst streng zu sein und wenn überhaupt nötig erst dann zu anderen, damit größere Ziele erreicht werden können
  • Gastfreundschaft ist die Bereitschaft, sein Hab und Gut mit seinen Gefährten zu teilen, besonders dann, wenn sie weit weg von zu Hause sind.
  • Fleiß ist der Wille, hart und effizient zu arbeiten und daran Freude zu finden.
  • Eigenverantwortung ist der Geist der Unabhängigkeit.
  • Ausdauer ist die Fähigkeit zu akzeptieren, wenn man gescheitert ist und wenn das Ziel ehrlich und gut ist, weiterzumachen bis der Erfolg errungen wurde.

Diese Tugenden entsprechen auch meinen eigenen Vorstellungen und sind damit natürlich auch Gründe, warum ich mich von den nordischen Göttern und ihren Geschichten so angesprochen fühle. Und doch habe ich meine ganz eigene Interpretation der Tugenden.

Gastfreundschaft hört zum Beispiel für mich auch nicht mit meiner eigenen Sippe auf. Schon meine Kinder haben früh gelernt, für Gäste zu sorgen. Für mich ging es dabei auch immer um Fremde und darum, was ich tun kann, damit sie sich bei mir rundum wohl fühlen. So erkundige ich mich bei meinen Gästen nach speziellen Essensregeln und obwohl ich selbst bestimmten Speisevorschriften nicht folge, sorge ich dafür, dass meine Gäste das können. Für meine jüdischen Freunde habe ich Pappteller im Schrank, weil ich weiß, dass es aus religiösen Gründen unangenehm für sie ist, von einem Teller zu essen, auf dem irgendwann einmal Schweinefleisch lag. Für meine laktoseintoleranten Freunde steht Mandelmilch auf dem Tisch. Und zum gemeinsamen Frühstück kaufe ich für Freunde die vegan leben Gemüseaufstrich ein. Nicht, weil sie mich darum bitten oder ich müsste. Nein, weil ich es möchte.

Verantwortung für sich selbst und sein Tun (und Nichttun) zu übernehmen ist für mich auch wichtig. Ich kann mit Gejammer nur schlecht umgehen. Entweder ändere ich die Situation oder, wenn das eben nicht möglich ist, mache ich das beste daraus. Für mich ist alles andere Energie- und Zeitverschwendung.

Aber auch Ehre ist mir wichtig. Für mich bedeutet das eher so etwas wie mein guter Ruf oder auch meine Würde. Ehrlich gesagt ist es mir egal, wie Fremde von mir denken. Ich richte mein Handeln vielmehr danach aus, dass es meinen Ahnen Ehre bringt, dass ich vor meinen Kindern bestehen kann und vor allem: Dass ich vor mir selbst bestehen kann.

Wenn meine Kinder und Kindeskinder über mich sprechen, wenn ich schon längst nach Walhall gegangen bin, dann möchte ich, dass sie mich mit all dem in Erinnerung behalten, was mir wichtig war. Vielleicht können sie selbst einige dieser Tugenden für sich selbst als erstrebenswert sehen. Vielleicht finden sie eigene Werte. In der Edda, einem alten Buch voller nordischer Sagen und Göttergeschichten, steht:

Geschlecht stirbt.
Sippen sterben.
Du selbst stirbst wie sie.
Doch eins weiß ich, das ewig lebt:
Der Toten Tatenruhm.

Treue ist für mich auch Loyalität. Ich verlange von meinen Freunden, dass sie mir ehrlich sagen, wenn ich mich wie ein Esel verhalte. Ich verlange aber auch, dass sie bedingungslos hinter mir stehen und mir den Rücken stärken. Bei Bedarf erwarte ich, dass sie sich vor mich stellen und Partei ergreifen. Im Gegenzug handle ich selbst genau so. Ich finde, unseren Arbeitskollegen und Geschäftspartnern sollten wir uns ebenso loyal gegenüber verhalten. Wer sich ohne weiteres abwerben lässt oder schlecht über die eigene Firma spricht, zeigt sich in meinen Augen nicht sonderlich tugendhaft.

„Die Freundschaft gehörte in der Wikingergesellschaft überhaupt zu den wertvollsten Dingen im Leben. In den Hávamál der Lieder-Edda lesen wir ergreifende Verse über einen ’Mann, den niemand liebt; was nützt ihm schon ein langes Erdendasein?’ Ihr ganzes Leben lang betrachteten es diese Menschen als eine Art kategorischen Imperativ, nicht allein zu bleiben und sich mit Freunden, Schwurbrüdern und anderen Vertrauten zu umgeben.“

Régis Boyer

Letztlich geht es für mich darum, der Welt so nützlich wie irgend möglich zu sein und ein glückliches Leben zu führen. Welche (und wie viele) Werte (oder Tugenden) Du für hilfreich hältst, bleibt Dir überlassen. Meiner Meinung nach nützen die heiligsten Gebote aber alle nichts, wenn man sie nicht ab und an übertritt. Denn nur dann werden sie hinterfragt und neu bewertet.

„Die großen Tugenden machen einen Menschen bewunderswert, die kleinen Fehler machen ihn liebenswert.“

Pearl S. Buck

Von Valentin und der Liebe

Am 14. Februar ist es wieder soweit. Die Rosen beim Blumenhändler um die Ecke kosten plötzlich dreimal so viel, wie am Tag zuvor. Vom Bäcker bis zum Optiker – ein jeden führt Produkte für den Valentinstag. Und viele rümpfen verächtlich die Nase, während sie verstohlen doch eine Rose für die Liebste kaufen. Gerne wird ja behauptet, der Tag wäre eine Erfindung der (Blumen-)Industrie. Aber das stimmt nicht.

Der Heilige Valentin

Zur Zeit der Christenverfolgung im 3. Jahrhundert wurden Christen in Rom unter Kaiser Claudius II. zum Tode verurteilt. Religion war für ihn nicht so interessant, obwohl er den römischen Göttern opferte, war er nicht sonderlich spirituell. Sein Fokus galt vielmehr dem Militär. Er legte (wie viele Kaiser vor und nach ihm) großen Wert auf eine mächtige Armee, die seinen Herrschaftsanspruch und römische Expansionen sicherten. Claudius war der Meinung, dass Männer beim Militär unverheiratet sein müssten, weil Ehemänner im Kampf zu wenig nütze seien – hatten sie doch eine familiäre Bindung und waren daher weniger draufgängerisch als unverheiratete. Kurzerhand verbot der Kaiser jungen Soldaten zu heiraten.

Valentin, ein christlicher Priester, hielt sich nicht an dieses Gebot und verheiratete junge Soldaten mit ihrer Liebsten im Geheimen. Diese Ehen sollen unter einem ganz besonderen Segen gestanden haben und außerdem schenkte er den frisch Vermählten Blumen aus seinem Garten. Valentin wurde verraten und kam ins Gefängnis, wo er am 14. Februar 270 sein Leben ließ. So zumindest die Legende.

Schon zuvor gab es jedoch auch Rituale zur Ehren der Göttin Juno. Sie gilt als Hüterin von Ehe und Familie. In ihren Tempeln (laut Ovid gab es alleine in Rom hunderte) konnte man geweihte Blumen kaufen, die man dann den Frauen schenkte. Das sollte eine lange, glückliche Ehe sichern. Außerdem sagte man, dass ein Mann, der seiner Frau Blumen der Göttin schenke, unmöglich untreu gewesen sein könne. Nun ja…

Ritualtipps

Einem alten Brauch nach, sollen unverheiratete Frauen 5 Lorbeerblätter auf ihr Kopfkissen legen (eines in alle vier Ecken, das fünfte in die Mitte), damit sie nachts von ihrem Zukünftigen träumen.

Wenn Du einen Liebsten (oder eine Liebste) hast und sie aber nicht in Deiner Nähe ist, dann solltest Du vor Sonnenaufgang einen Lindenblütentee aufbrühen, einen Teelöffel Honig hineingeben und dreimal im Uhrzeigersinn umrühren. Zum ersten Schluck solltest Du Dich in die Himmelsrichtung wenden, in der der Herzensmensch sich befindet. Während Du den Tee trinkst, soll die Liebe einer alten Überlieferung nach gefestigt werden. Diese Liebe überwindet dann alle Hindernisse und Entfernungen.

Ein Geschenk

Dass sich gegenseitig kleine Geschenke gemacht werden, kommt aus England und wird dort schon seit dem 15. Jahrhundert zelebriert. Es ist also wirklich ein schöner Brauch, seinem Herzensmenschen eine Freude zu machen – und für ein Lächeln kann man auch an alten Traditionen festhalten, finde ich.

Du siehst, es gibt eigentlich keinen Grund, verächtlich über den Valentinstag zu denken. Es steht ja auch jedem frei, welches Geschenk er (oder sie) seiner (oder ihrem) Liebsten machen möchte. Aus England kommt übrigens der Brauch, kleine Liebesbotschaften heimlich an seinen Schwarm zu schicken. Wenn dieser errät, wer das Briefchen geschrieben hat, bekommt er zur Belohnung ein Osterei zu Ostern extra. Der Zusammenhang hat sich mir jedoch noch nie erschlossen. Es könnte möglicherweise mit alten Fruchtbarkeitsbräuchen zu tun haben.

Übrigens: Der Heilige Valentin wird nicht nur für glückliche Ehen angerufen, sondern auch bei Wahnsinn. Ob es hier nun einen Zusammenhang gibt, möge sich ein jeder selbst erschließen…

Von alten Traditionen und „windigen“ Ritualen

In dieser Woche war ich – wie nahezu jeden Dienstag seit fast 10 Jahren! – wieder bei AstroTV in der Nachmittagsshow „Leichter Leben“ zu Gast. Dort habe ich zwei eigene wöchentliche Rubriken. In der einen stelle ich seit drei Jahren Beraterkolleginnen und -kollegen vor. In der anderen erzähle ich nun fast eine ganze Dekade lang schon von Göttern, Religionen, Feiertagen und alten Traditionen. Manchmal erkläre ich den ein oder anderen Aberglauben, manchmal bringe ich Rituale mit. Meine „Hexenkalender“-Rubrik ist ebenso vielfältig, wie die Mythologien der Welt selbst.

Der Wind, der Wind – das himmlische Kind…

Am Dienstag ging es um den Wind. Der Wind ist magisch. Nicht nur mir, die einfach nur glücklich ist, an der Nordsee zu stehen und den Wind um die Nase wehen zu lassen. Nein, schon seit Anbeginn der Zeit hatte der Wind etwas mystisches für die Menschen. Er war (und ist) nutzbar für den, der ihn zu nutzen weiß – aber niemals beherrschbar. Und wer schon einmal in einer kleinen Hütte am Meer oder in den Bergen saß, während der Wind an Türen, Dach und Fenstern rüttelte, der weiß, dass der Wind auch manchmal zu einem ungehaltenen Dämon werden kann, der mit höllischem Lärm über das Land fegt. Dann hat er mit einem himmlischen Kind nur wenig zu tun. Aber es gibt eben auch die andere Seite: Der sanfte Windhauch, der über die Sommerwiesen weht und wie im kindlichen Spiel ein paar Blütenblätter abzupft. Da ist es für mich absolut verständlich, wenn der Wind als lebendiges Wesen, ja als Gott gesehen wird.

Biegga Olmaj

Biegga Olmaj (oder auch Bieggaolmaj) ist der Windgott der Samen. Die Samen sind ein indigenes, ostskandinavisches Volk in Finnland, die sich auch heute noch als Kinder von Sonne und Wind sehen. Bei ihnen ist der Wind heilig, aber nicht immer gütig. Die Tatsache, dass Biegga Olmaj etliche Pflanzen und insbesondere das Getreide befruchtet, erhebt ihn über einen Naturgeist. Sehr beeindruckende Geschichten und Fotos der Samen findest Du übrigens auf diesem Blog. Er ist auf finnisch geschrieben, teilweise aber auch auf englisch und erzählt mit tollen Fotos von dem Volk der Samen. Ich war sehr beeindruckt.

Brause, Wind, brause!

Es gibt sehr viele Dinge, die man laut altem Glauben beachten musste, wenn der Wind weht. Will man zum Beispiel sehen, ob der Wind gut oder böse ist und nicht etwa eine Hexe im Wirbel ihr Unwesen treibt, muss man durch die gespreizten Beine hindurch sehen. So sagt es eine Überlieferung aus dem Mittelalter. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war man überzeugt, man könnte ebendies in Erfahrung bringen, wenn man durch den linken Mantelärmel schaut. Dabei musste man aber vorsichtig sein, denn wenn die Hexe das mitbekam, würde sie den Beobachter mitreißen.

Und jetzt das windige Ritual…

Für viel Gelächter sorgte ich im AstroTV-Studio, als ich von einem alten Seemannsbrauch erzählte, von dem meine Urgroßtante felsenfest überzeugt war. Sie stammte von der Küste und war für allerlei Abwehrzauber zu begeistern, die sie noch von ihrer Großmutter gehört hatte. Wenn der Wind gar zu arg brauste, dann könne man ihrer Erzählung nach den Sturm aufhalten, indem man den nackten Hintern in den Wind halte. Solltest Du damit erfolgreich sein, lass es mich bitte unbedingt wissen… Weniger plakativ ist es sicher, einem alten sächsischem Brauch zu folgen, und etwas Mehl in den Wind zu werfen um ihn zu beruhigen.

Von Religion, Mythologie und Spiritualität

Immer wieder werde ich gefragt, ob die drei Begriffe Religion, Spiritualität und Mythologie nicht einfach synonym verwendet werden können. Ich meine dazu, dass die Bedeutungen zwar ineinander übergreifen, aber dennoch zu differenzieren sind:

So ist Religion meiner Meinung nach der Glaube an und / oder Verehrung eines Gottes oder mehrerer Götter.

Mythologie definiere ich eher als eine Sammlung traditioneller Geschichten, die von den Göttern erzählen.

Spiritualität ist für mich der individuelle Weg eines jeden Menschen hin zum Göttlichen – unabhängig von der Religion.

Es ist also durchaus möglich, ein spirituelles Leben zu führen, ohne einer bestimmten Religion anzugehören. Auch kenne ich Menschen, die zwar einer Religion angehören, aber ihrem spirituellen Weg (noch) nicht folgen. Mythologie kann Religion leichter verständlich und im Alltag greifbarer machen. Das Kunstwerk und die wahre Bereicherung im Leben besteht meiner Meinung nach darin, alle drei Themen zu kombinieren.

Ich beschäftige mich auch mit anderen Religionen, die nicht meiner entsprechen. Und ich erzähle auch von anderen Religionen, fremden Mythen und verschiedenen Auffassungen von Spiritualität. Der Islam hat ebenso schöne Geschichten zu erzählen, wie zum Beispiel auch das Judentum. Die beiden Religionen sind ja generell sehr nah beieinander, zusammen mit dem Christentum.

Wenn ich Göttergeschichten erzähle oder Gebetstexte teile, geht es mir in keinem Fall um Missionierung oder darum, jemanden von einer bestimmten Religion zu überzeugen. Mir geht es vielmehr darum, die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichsten Religionen aufzuzeigen. Ich möchten Sie neugierig machen auf anderen Glaubenssysteme, Kulturen und Menschen. Ein bestimmtes Ritual, ein besonderer Feiertag einer fremden Religion bereichert auch den eigenen Alltag. Sein Herz hier zu öffnen, bedeutet sich er nicht, den eigenen Glauben über Bord zu werfen. Ganz im Gegenteil: Oft erkennt man den Ursprung und die Liebe zum eigenen Götterhimmel ganz neu.

Das Wort Religion kommt vom lateinischen Wort relegere (=bedenken) und meint etwas, dass man mit Sorgfalt betrachten solle. Heute meint man eine spirituelle Weltanschauung, bei der ein höheres, wie auch immer geartetes Wesen maßgeblich Einfluss auf den Gläubigen hat.

Eine Definition versuchte der Theologe Gustav Mensching zu finden: „Religion ist erlebnishafte Begegnung mit dem Heiligen und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen.“ Und dieses Heilige ist – für manche Menschen überraschend – in den unterschiedlichen Mythologien und Religionen gar nicht so verschieden.

Vielleicht kennt ja keine Religion die ganze Wahrheit, sondern jede besitzt nur Bruchstücke davon, und es ist unsere Aufgabe, diese Bruchstücke zu erkennen und zusammenzusetzen. 

Christopher Paolini in Eragon

Von neuem Licht und beginnendem Wachstum

Eins der 8 großen Hexenfeste steht vor der Tür. So verschieden die Namen für Imbolc sind (Lichtmess, Brigid oder auch Oimelc), so verschieden sind auch die Zeitpunkte, an denen es gefeiert wird. Je nachdem welcher Tradition man folgt, feiert man in der Nacht auf den 1. Februar (so wie ich), in der Nacht zum 2. Februar oder aber zum 1. Vollmond des Jahres. Damit Du Dich gut vorbereiten kannst, gibt es schon heute einige Anregungen zu diesem Fest von mir.

Es geht um das neue Licht, das zur Wintersonnenwende geboren wurde und nun langsam in die Welt geht. Die Tage werden merklich länger, die Dunkelheit ist überwunden. Auch, wenn wir das noch gar nicht spüren, naht der Frühling. Meine Großmutter hat früher immer gesagt: „Immer dann, wenn die Nacht am Dunkelsten ist, ist das erste Licht des Morgens ganz nah.“ So viele Male in meinem Leben hat mich der Gedanke daran getröstet und zum Durchhalten motiviert. Genau dieser Satz entspricht dem Gedanken von Imbolc. Das Land mag verschneit liegen (oder einfach nur tot, ohne Schnee), doch unter der Erde keimen die Samen auf und wachsen langsam dem Licht entgegen.

Ein Ritual, um das Licht einzuladen

Um das Licht des neuen Jahres in das Haus einzuladen – und damit zu sich ins Leben zu holen – gibt es ein schönes Ritual, dass es sogar in christliches Brauchtum geschafft hat. Am 2.2. zum katholischen Fest Maria Lichtmess finden noch heute Kerzenweihen statt. Alle Kerzen für das neue Kirchenjahr werden an diesem Tag geweiht und man kann meist eine eigene Kerze an der frisch geweihten Altarkerze entzünden und diese Flamme mit nach Hause nehmen. Auch wenn Du nicht in die Kirche gehst, probiere doch einmal folgendes Ritual aus:

Lege Dir eine Kerze und Streichhölzer zurecht. Dann schalte alle Lichter in Deiner Wohnung aus. Konzentriere Dich auf die Dunkelheit. Spüre, was sie in Dir auslöst und was es bedeuten würde, in ewiger Dunkelheit leben zu müssen. Bleibe ein paar Minuten in dieser Energie. Dann entzünde die Kerze. Beobachte, wie das Licht dieser einzigen Kerze den Raum füllt. Mach Dir bewusst, dass ein einziges Licht genügt, um den Raum zu erhellen. Und auch, dass es in Deinen Händen liegt, die Kerze zu entzünden. Dann gehe von Raum zu Raum und lass das Licht Deiner Kerze in jeden Raum hineinscheinen. Wenn wir dieses Ritual machen, dann schalten wir ganz kurz alle Lampen im Raum ein, um Licht in jeden Winkel scheinen zu lassen. Die Kerze darf dann ganz in Ruhe abbrennen.

Der Segen der Göttin

In diesem neuen Licht erscheint die Göttin Brigitd als „die vom Strahlenkranz umgebene“ und löst damit die dunkle Göttin ab, die als Percht, Cerridwen oder auch Morrigane den Winter beherrschte.

Einer alten Überlieferung nach sagt man, dass die erwachte Göttin segnend über die Erde geht und mit ihrem Hauch die Natur vom Winterschlaf aufweckt. Um von diesem Segen ebenfalls etwas abzubekommen, soll man in der Nacht etwas Weißbrot von außen auf das Fensterbrett legen. Wenn die Göttin vorbeikommt, segnet sie es. Am nächsten Morgen müssen alle gemeinsam das Brot verspeisen. Bei uns ist das inzwischen ein liebgewonnener Brauch geworden und auch unsere Haustiere bekommen ein paar Krümel des gesegneten Brotes ab. Wir stellen übrigens auch immer eine weiße Kerze neben das Brot, damit die Göttin unser Haus auch findet.

In keltisch geprägten Gegenden ist es heute noch Brauch, einen Tropfen Milch als Dank an die Hausgeister auf die Türschwelle zu tropfen.

Zeit der Reinigung

Ein weiterer Aspekt von Imbolc ist das Thema Reinigung. In bäuerlichen Regionen ist es bis heute üblich, die Ställe in dieser Zeit auch rituell zu reinigen, damit das Vieh gesund bleibt und gut gedeiht.

Die Fastenzeit liegt in diesem Jahr recht spät, naht aber ebenfalls und gehört thematisch zur Reinigung und Vorbereitung auf das Frühjahr. Eine – wie auch immer gestaltete – Fastenzeit reinigt und entlastet Körper, Geist und Seele. Du könntest zum Beispiel Deine Wohnung mit Weihrauch und Salbei räuchern, um die Dunkelheit zu verabschieden und Altes und Belastendes hinter Dir zu lassen. Vielleicht startest Du auch jetzt schon in den Frühjahrsputz und befreist Dich von all dem, was Du eigentlich gar nicht mehr brauchst? Ein Bad in Meersalz reinigt Dich auch energetisch.

Du siehst, es gibt ganz verschiedene Ansätze, die aktuelle Zeitqualität zu nutzen. Was tust Du, um das Licht willkommen zu heißen?

Von Zuviel und Zuwenig

„Ein ganzes Wochenende habe ich in Juniors Zimmer ausgemistet, sortiert und geputzt. Es hat keine 2 Stunden gedauert, bis das Zimmer wieder aussah wie ein Schlachtfeld.“ seufze ich ins Telefon. Am anderen Ende der Leitung meine beste Freundin, an einem anderen Ort – aber mit haargenau demselben Thema. Das, was in den Zimmern unserer Kinder geschieht, geschieht millionenfach in den Kinderzimmern anderer Familien. Zugegeben – vor allem in Mittel- und Westeuropa und in den USA. Aber dass es bei anderen auch so ist, macht es irgendwie nicht besser. Und man fragt sich, wie kann das überhaupt passieren? Man nimmt sich doch so tapfer vor, dass die Kinder nur noch weniges, sinnvolles Spielzeug bekommen sollen. Warum gibt es dann Dutzende Kuscheltiere, obwohl das Kind doch nur ein einziges heiß und innig liebt?

Machen wir uns nichts vor: Kram zieht neuen Kram magisch an. Und nicht nur bei den Kindern.
Neulich las ich, dass ein durchschnittlicher Europäer etwa 10.000 Dinge besitzt – vom Eierlöffel bis hin zur Wintermütze. Allein bei den Frauen hängen im Durchschnitt 118 Kleidungsstücke, Unterwäsche und Socken kommen sogar noch dazu! Also bei aller Liebe: Das kann doch kein Mensch tragen! Ich ertappe mich sogar dabei, nur 5-6 Outfits zu tragen. In diesen fühle ich mich wohl, sie sind bequem und ich finde mich schön darin. Ist es bei Dir ähnlich?

Außerdem las ich, dass Kinder bereits im 3. Lebensjahr Kleidung, Spielzeug und eigene Möbel im Wert von ca. 1300 € besäßen. Und das hat mich wirklich nachdenklich gemacht. Das ist wirklich viel Geld für Dinge, wenn man bedenkt, dass die Kinder nach wenigen Monaten oder gar Wochen herausgewachsen sind. Ich will jetzt auch gar nicht mit der alten Leier ankommen nach dem Motto: „Unsere Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern hatten sowas ja nicht. Die hatten gar nichts und waren froh, wenn sie eine Puppe hatten!“ Ja, das mag sein. Aber die Zeiten sind anders und wir alle profitieren von Wohlstand und Fortschritt. Keiner möchte mehr in einem Umfeld der 1940er Jahre leben. Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass eine gewissen Vielfalt förderlich für die Kinderentwicklung ist. Aber es gibt genau so viele Studien, die belegen, dass ein Zuviel nicht nur nicht hilfreich, sondern sogar schädlich ist.

Und wieder frage ich mich, wo der ganze Kram herkommt? Klar – Ostern, Weihnachten, Geburtstage… Da kommt einiges zusammen, wenn Eltern, Großeltern und Tanten Geschenke machen wollen. Doch wollen Kinder wirklich so viel Besitz? Natürlich stellen schon die Kleinsten fest, dass materieller Reichtum vorteilhaft für Ansehen und Status ist. Wer im Kindergarten ein tolles Spielzeug hat, hat viele Freunde, die mit dem Spielzeug und dessen Besitzer spielen wollen. Wer in der Schule coole Klamotten trägt, ist beliebt. Aber diese „Haste was, biste was“-Mentalität ist nicht angeboren. Sie entsteht durch das elterliche Vorleben. Über Eltern, die sich über den Besitz definieren. Wer ein tolles Haus mit hochwertigen Möbeln bewohnt, genießt oft hohes Ansehen. Doch sagt diese Fassade genauso wenig über den Charakter der Bewohner aus, wie riesige Bücherregale, die suggerieren, dass das der Besitzer belesen und intelligent wäre. Manche glauben wohl, dass man sich mit materiellem Besitz eine Identität aufbauen könnte. Ohne Objekte, die um uns herum sind, könne ein Außenstehender ja nicht sehen, wer wir sind und was wir bereits erlebt und geschaffen hätten. Doch muss ich irgendjemandem etwas beweisen? Mal abgesehen von mir selbst?

Ich sehe die Erziehungsverantwortung meinen Kindern gegenüber nicht nur darin, dass die Kinder zur Schule gehen und höfliche, eigenständig denkende Persönlichkeiten werden. Vielmehr möchten wir unsere Kinder auch fit fürs Leben machen. Dazu gehört natürlich Bildung, Toleranz und gute Umgangsformen. Dazu gehört aber ebenfalls das Kennen des wahren Wertes von Dingen und die Wertschätzung von Charakter, Mut und Engagement. Und es gehört dazu, den Kindern den Mittelweg zu lehren: Jenseits von Askese und Geißel, sowie fernab von Gier und Kaufsucht gibt es einen Mittelweg, der von jedem persönlich gefunden werden muss. Und diesen gefunden zu haben, bedeutet wahres Glück.

„Wer nicht zufrieden ist mit dem, was er hat, der wäre auch nicht zufrieden mit dem, was er haben möchte.“

Berthold Auerbach
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