Allgemein Archive - Stefanie Gralewski

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Von Schalttagen, Glück und Unglück

In diesem Jahr ist es wieder einmal soweit: Wir haben einen 29. Februar. Da das nur alle 4 Jahre vorkommt, ist es durchaus etwas besonderes. Und wie immer, wenn etwas außergewöhnliches passiert, überschlagen sich die Medien mit Schlagzeilen wie „Steht uns ein Katastrophenjahr bevor?“. Doch was da wirklich dran ist, hab ich Dir hier einmal zusammengefasst.

Schalttage oder -jahre sind so alt wie die Menschheit selbst. Sie werden immer dann eingeschoben, wenn der Kalender nicht mit dem Sonnenjahr übereinstimmt und eine Verschiebung der Jahreszeiten droht. In der Geschichte ist das manchmal recht willkürlich passiert, aber schon seit den alten Römern gab es einen Schalttag im 4-Jahres-Rhythmus.

Die Römer allerdings waren grundsätzlich auch recht großzügig darin, einen Tag als Unglückstag zu bezeichnen. So sind die berühmten Schwendtage (dies atri) oft nach einer verlorenen Schlacht der Römer als solche deklariert worden. Wenn die glorreichen Römer eine Schlacht verlieren, dann MUSS der Tag als solches (und die Götter natürlich) Schuld sein und selbstverständlich nicht die Römer selbst – so das Denken. Dass die Schwendtage dann tatsächlich bis in unsere Zeit eine gewisse Unglücksenergie aufweisen, zeigt die Schöpferkraft des Menschen. Wenn viele Menschen einen bestimmten Gedanken an einem bestimmten Tag haben, erschafft dies eine bestimmte Energie. Der Glaube versetzt Berge.

Mit der Unglücksenergie an Schalttagen ist das ähnlich. Dazu kommt eben noch, dass eine Abweichung per se schon als „komisch“ wahrgenommen wird. Der Religionswissenschaftler Horst Juninger erklärte in einem Interview mit dem mdr: „Wie man von der Kognitionsforschung weiß, ist es vor allem das Bizarre und Absonderliche, das überproportional memoriert wird und das sich dadurch intensiver als anderes im individuellen wie kulturellen Gedächtnis festsetzt“.

Es gibt also für den 29. Februar besonders viel Aberglauben. Zum Beispiel sagt man, dass alle, die am 29.2. geboren sind, Geister sehen können. Rituale, Orakel und andere magische Tätigkeiten sollten vermieden werden. Daran halte ich mich persönlich nicht. Zu sehr freue ich mich über einen Tag mehr im Jahr, an dem ich Dinge erledigen kann, für die sonst zu wenig Zeit bleiben.

Wie könntest Du diesen Extra-Tag nutzen? Schreib doch mal eine Liste mit all den Dingen, die Du schon lange mal machen wolltest. Dann streiche alles weg, was Du nicht voller Freude machen würdest. Das, was übrig bleibt, ist Deine Aufgabe für den 29. Februar. Uups – bei Dir ist nun gar nichts mehr übrig geblieben? Dann ist dieser Samstag für Dich ein Tag für Muße und Nichtstun.

„Müßiggang, du heiliges Kleinod, einziges Fragment der Gottähnlichkeit, das uns noch aus dem Paradiese blieb!“

Friedrich Schlegel

Von Ehre und anderen Tugenden

„Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was sich in Wahrheit hebt und hält,
Muß in dir selber leben.

Wenn’s deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht’ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen zu können.“

Theodor Fontane

In den heidnischen Gruppen (wie zum Beispiel Hexen, Neokelten, Asatru) gibt es keine Gebote im herkömmlichen (bzw. christlichen) Sinne. Jede Gruppe bekennt sich zu klaren, eigenen Werten. Diese werden jedoch nicht mit göttlichem Strafgericht oder Belohnungen vergolten, sondern sind eine Frage der persönlichen Ehre. Auch ich gehe davon aus, dass wir uns dem Leben nur durch ehrenvolles Handeln würdig erweisen können und fühle mich den 9 Tugenden aus dem Asatru verpflichtet:

* Mut
* Wahrheit
* Ehre
* Treue
* Disziplin
* Gastfreundschaft
* Fleiß
* Eigenverantwortung
* Ausdauer

Im Prinzip geht es in diesem ebenso wie in allen anderen Wertesystemen darum, eine gemeinsame Basis zu schaffen für alle, die sich diesem Wertesystem verpflichtet fühlen. Es gehört zur Glaubenspraxis in vielen Religionen, an sich zu arbeiten, um den jeweiligen Tugenden oder Werten so nahe wie möglich zu kommen. Da der Respekt allem Leben gegenüber ein unabdingbarer Grundsatz darstellt, den alle Heiden (und auch die Asatru) vertreten, versteht es sich von selbst, dass eben diese Ideale Extremismus und Fanatismus ausschließen.

Selbstverständlich hat sich das Tugendverständnis bzw. die Definition der einzelnen Punkte mit der Zeit verändert. Und selbstverständlich definiert jeder die Worte auch etwas anders. Das finde ich aber gar nicht schlimm, sondern im Gegenteil sehr fruchtbar. Der Austausch darüber bereichert mein Leben immer wieder neu. Edred Thorsson (ein US-amerikanischer Autor, der auch viel über Runen schreibt) bemüht sich um eine moderne Bedeutung und beschreibt die Tugenden so:

  • Mut ist die Tapferkeit stets das richtige zu tun.
  • Wahrheit ist die Bereitschaft, ehrlich zu sein und zu sagen, was man für wahr und richtig hält
  • Ehre ist das Gefühl eines inneren Wertes und das Bedürfnis Respekt zu zeigen, wenn man dieser Tugend in der Welt begegnet.
  • Treue ist der Wille, zu seiner Gruppe (Familie, Freunde oder wen auch immer man als seine Gruppe bezeichnen möchte), zu seinen Göttern und auch zu sich selbst zu halten und zu stehen.
  • Disziplin ist die Bereitschaft, zu allererst zu sich selbst streng zu sein und wenn überhaupt nötig erst dann zu anderen, damit größere Ziele erreicht werden können
  • Gastfreundschaft ist die Bereitschaft, sein Hab und Gut mit seinen Gefährten zu teilen, besonders dann, wenn sie weit weg von zu Hause sind.
  • Fleiß ist der Wille, hart und effizient zu arbeiten und daran Freude zu finden.
  • Eigenverantwortung ist der Geist der Unabhängigkeit.
  • Ausdauer ist die Fähigkeit zu akzeptieren, wenn man gescheitert ist und wenn das Ziel ehrlich und gut ist, weiterzumachen bis der Erfolg errungen wurde.

Diese Tugenden entsprechen auch meinen eigenen Vorstellungen und sind damit natürlich auch Gründe, warum ich mich von den nordischen Göttern und ihren Geschichten so angesprochen fühle. Und doch habe ich meine ganz eigene Interpretation der Tugenden.

Gastfreundschaft hört zum Beispiel für mich auch nicht mit meiner eigenen Sippe auf. Schon meine Kinder haben früh gelernt, für Gäste zu sorgen. Für mich ging es dabei auch immer um Fremde und darum, was ich tun kann, damit sie sich bei mir rundum wohl fühlen. So erkundige ich mich bei meinen Gästen nach speziellen Essensregeln und obwohl ich selbst bestimmten Speisevorschriften nicht folge, sorge ich dafür, dass meine Gäste das können. Für meine jüdischen Freunde habe ich Pappteller im Schrank, weil ich weiß, dass es aus religiösen Gründen unangenehm für sie ist, von einem Teller zu essen, auf dem irgendwann einmal Schweinefleisch lag. Für meine laktoseintoleranten Freunde steht Mandelmilch auf dem Tisch. Und zum gemeinsamen Frühstück kaufe ich für Freunde die vegan leben Gemüseaufstrich ein. Nicht, weil sie mich darum bitten oder ich müsste. Nein, weil ich es möchte.

Verantwortung für sich selbst und sein Tun (und Nichttun) zu übernehmen ist für mich auch wichtig. Ich kann mit Gejammer nur schlecht umgehen. Entweder ändere ich die Situation oder, wenn das eben nicht möglich ist, mache ich das beste daraus. Für mich ist alles andere Energie- und Zeitverschwendung.

Aber auch Ehre ist mir wichtig. Für mich bedeutet das eher so etwas wie mein guter Ruf oder auch meine Würde. Ehrlich gesagt ist es mir egal, wie Fremde von mir denken. Ich richte mein Handeln vielmehr danach aus, dass es meinen Ahnen Ehre bringt, dass ich vor meinen Kindern bestehen kann und vor allem: Dass ich vor mir selbst bestehen kann.

Wenn meine Kinder und Kindeskinder über mich sprechen, wenn ich schon längst nach Walhall gegangen bin, dann möchte ich, dass sie mich mit all dem in Erinnerung behalten, was mir wichtig war. Vielleicht können sie selbst einige dieser Tugenden für sich selbst als erstrebenswert sehen. Vielleicht finden sie eigene Werte. In der Edda, einem alten Buch voller nordischer Sagen und Göttergeschichten, steht:

Geschlecht stirbt.
Sippen sterben.
Du selbst stirbst wie sie.
Doch eins weiß ich, das ewig lebt:
Der Toten Tatenruhm.

Treue ist für mich auch Loyalität. Ich verlange von meinen Freunden, dass sie mir ehrlich sagen, wenn ich mich wie ein Esel verhalte. Ich verlange aber auch, dass sie bedingungslos hinter mir stehen und mir den Rücken stärken. Bei Bedarf erwarte ich, dass sie sich vor mich stellen und Partei ergreifen. Im Gegenzug handle ich selbst genau so. Ich finde, unseren Arbeitskollegen und Geschäftspartnern sollten wir uns ebenso loyal gegenüber verhalten. Wer sich ohne weiteres abwerben lässt oder schlecht über die eigene Firma spricht, zeigt sich in meinen Augen nicht sonderlich tugendhaft.

„Die Freundschaft gehörte in der Wikingergesellschaft überhaupt zu den wertvollsten Dingen im Leben. In den Hávamál der Lieder-Edda lesen wir ergreifende Verse über einen ’Mann, den niemand liebt; was nützt ihm schon ein langes Erdendasein?’ Ihr ganzes Leben lang betrachteten es diese Menschen als eine Art kategorischen Imperativ, nicht allein zu bleiben und sich mit Freunden, Schwurbrüdern und anderen Vertrauten zu umgeben.“

Régis Boyer

Letztlich geht es für mich darum, der Welt so nützlich wie irgend möglich zu sein und ein glückliches Leben zu führen. Welche (und wie viele) Werte (oder Tugenden) Du für hilfreich hältst, bleibt Dir überlassen. Meiner Meinung nach nützen die heiligsten Gebote aber alle nichts, wenn man sie nicht ab und an übertritt. Denn nur dann werden sie hinterfragt und neu bewertet.

„Die großen Tugenden machen einen Menschen bewunderswert, die kleinen Fehler machen ihn liebenswert.“

Pearl S. Buck

Von Valentin und der Liebe

Am 14. Februar ist es wieder soweit. Die Rosen beim Blumenhändler um die Ecke kosten plötzlich dreimal so viel, wie am Tag zuvor. Vom Bäcker bis zum Optiker – ein jeden führt Produkte für den Valentinstag. Und viele rümpfen verächtlich die Nase, während sie verstohlen doch eine Rose für die Liebste kaufen. Gerne wird ja behauptet, der Tag wäre eine Erfindung der (Blumen-)Industrie. Aber das stimmt nicht.

Der Heilige Valentin

Zur Zeit der Christenverfolgung im 3. Jahrhundert wurden Christen in Rom unter Kaiser Claudius II. zum Tode verurteilt. Religion war für ihn nicht so interessant, obwohl er den römischen Göttern opferte, war er nicht sonderlich spirituell. Sein Fokus galt vielmehr dem Militär. Er legte (wie viele Kaiser vor und nach ihm) großen Wert auf eine mächtige Armee, die seinen Herrschaftsanspruch und römische Expansionen sicherten. Claudius war der Meinung, dass Männer beim Militär unverheiratet sein müssten, weil Ehemänner im Kampf zu wenig nütze seien – hatten sie doch eine familiäre Bindung und waren daher weniger draufgängerisch als unverheiratete. Kurzerhand verbot der Kaiser jungen Soldaten zu heiraten.

Valentin, ein christlicher Priester, hielt sich nicht an dieses Gebot und verheiratete junge Soldaten mit ihrer Liebsten im Geheimen. Diese Ehen sollen unter einem ganz besonderen Segen gestanden haben und außerdem schenkte er den frisch Vermählten Blumen aus seinem Garten. Valentin wurde verraten und kam ins Gefängnis, wo er am 14. Februar 270 sein Leben ließ. So zumindest die Legende.

Schon zuvor gab es jedoch auch Rituale zur Ehren der Göttin Juno. Sie gilt als Hüterin von Ehe und Familie. In ihren Tempeln (laut Ovid gab es alleine in Rom hunderte) konnte man geweihte Blumen kaufen, die man dann den Frauen schenkte. Das sollte eine lange, glückliche Ehe sichern. Außerdem sagte man, dass ein Mann, der seiner Frau Blumen der Göttin schenke, unmöglich untreu gewesen sein könne. Nun ja…

Ritualtipps

Einem alten Brauch nach, sollen unverheiratete Frauen 5 Lorbeerblätter auf ihr Kopfkissen legen (eines in alle vier Ecken, das fünfte in die Mitte), damit sie nachts von ihrem Zukünftigen träumen.

Wenn Du einen Liebsten (oder eine Liebste) hast und sie aber nicht in Deiner Nähe ist, dann solltest Du vor Sonnenaufgang einen Lindenblütentee aufbrühen, einen Teelöffel Honig hineingeben und dreimal im Uhrzeigersinn umrühren. Zum ersten Schluck solltest Du Dich in die Himmelsrichtung wenden, in der der Herzensmensch sich befindet. Während Du den Tee trinkst, soll die Liebe einer alten Überlieferung nach gefestigt werden. Diese Liebe überwindet dann alle Hindernisse und Entfernungen.

Ein Geschenk

Dass sich gegenseitig kleine Geschenke gemacht werden, kommt aus England und wird dort schon seit dem 15. Jahrhundert zelebriert. Es ist also wirklich ein schöner Brauch, seinem Herzensmenschen eine Freude zu machen – und für ein Lächeln kann man auch an alten Traditionen festhalten, finde ich.

Du siehst, es gibt eigentlich keinen Grund, verächtlich über den Valentinstag zu denken. Es steht ja auch jedem frei, welches Geschenk er (oder sie) seiner (oder ihrem) Liebsten machen möchte. Aus England kommt übrigens der Brauch, kleine Liebesbotschaften heimlich an seinen Schwarm zu schicken. Wenn dieser errät, wer das Briefchen geschrieben hat, bekommt er zur Belohnung ein Osterei zu Ostern extra. Der Zusammenhang hat sich mir jedoch noch nie erschlossen. Es könnte möglicherweise mit alten Fruchtbarkeitsbräuchen zu tun haben.

Übrigens: Der Heilige Valentin wird nicht nur für glückliche Ehen angerufen, sondern auch bei Wahnsinn. Ob es hier nun einen Zusammenhang gibt, möge sich ein jeder selbst erschließen…

Von alten Traditionen und „windigen“ Ritualen

In dieser Woche war ich – wie nahezu jeden Dienstag seit fast 10 Jahren! – wieder bei AstroTV in der Nachmittagsshow „Leichter Leben“ zu Gast. Dort habe ich zwei eigene wöchentliche Rubriken. In der einen stelle ich seit drei Jahren Beraterkolleginnen und -kollegen vor. In der anderen erzähle ich nun fast eine ganze Dekade lang schon von Göttern, Religionen, Feiertagen und alten Traditionen. Manchmal erkläre ich den ein oder anderen Aberglauben, manchmal bringe ich Rituale mit. Meine „Hexenkalender“-Rubrik ist ebenso vielfältig, wie die Mythologien der Welt selbst.

Der Wind, der Wind – das himmlische Kind…

Am Dienstag ging es um den Wind. Der Wind ist magisch. Nicht nur mir, die einfach nur glücklich ist, an der Nordsee zu stehen und den Wind um die Nase wehen zu lassen. Nein, schon seit Anbeginn der Zeit hatte der Wind etwas mystisches für die Menschen. Er war (und ist) nutzbar für den, der ihn zu nutzen weiß – aber niemals beherrschbar. Und wer schon einmal in einer kleinen Hütte am Meer oder in den Bergen saß, während der Wind an Türen, Dach und Fenstern rüttelte, der weiß, dass der Wind auch manchmal zu einem ungehaltenen Dämon werden kann, der mit höllischem Lärm über das Land fegt. Dann hat er mit einem himmlischen Kind nur wenig zu tun. Aber es gibt eben auch die andere Seite: Der sanfte Windhauch, der über die Sommerwiesen weht und wie im kindlichen Spiel ein paar Blütenblätter abzupft. Da ist es für mich absolut verständlich, wenn der Wind als lebendiges Wesen, ja als Gott gesehen wird.

Biegga Olmaj

Biegga Olmaj (oder auch Bieggaolmaj) ist der Windgott der Samen. Die Samen sind ein indigenes, ostskandinavisches Volk in Finnland, die sich auch heute noch als Kinder von Sonne und Wind sehen. Bei ihnen ist der Wind heilig, aber nicht immer gütig. Die Tatsache, dass Biegga Olmaj etliche Pflanzen und insbesondere das Getreide befruchtet, erhebt ihn über einen Naturgeist. Sehr beeindruckende Geschichten und Fotos der Samen findest Du übrigens auf diesem Blog. Er ist auf finnisch geschrieben, teilweise aber auch auf englisch und erzählt mit tollen Fotos von dem Volk der Samen. Ich war sehr beeindruckt.

Brause, Wind, brause!

Es gibt sehr viele Dinge, die man laut altem Glauben beachten musste, wenn der Wind weht. Will man zum Beispiel sehen, ob der Wind gut oder böse ist und nicht etwa eine Hexe im Wirbel ihr Unwesen treibt, muss man durch die gespreizten Beine hindurch sehen. So sagt es eine Überlieferung aus dem Mittelalter. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war man überzeugt, man könnte ebendies in Erfahrung bringen, wenn man durch den linken Mantelärmel schaut. Dabei musste man aber vorsichtig sein, denn wenn die Hexe das mitbekam, würde sie den Beobachter mitreißen.

Und jetzt das windige Ritual…

Für viel Gelächter sorgte ich im AstroTV-Studio, als ich von einem alten Seemannsbrauch erzählte, von dem meine Urgroßtante felsenfest überzeugt war. Sie stammte von der Küste und war für allerlei Abwehrzauber zu begeistern, die sie noch von ihrer Großmutter gehört hatte. Wenn der Wind gar zu arg brauste, dann könne man ihrer Erzählung nach den Sturm aufhalten, indem man den nackten Hintern in den Wind halte. Solltest Du damit erfolgreich sein, lass es mich bitte unbedingt wissen… Weniger plakativ ist es sicher, einem alten sächsischem Brauch zu folgen, und etwas Mehl in den Wind zu werfen um ihn zu beruhigen.

Von Zuviel und Zuwenig

„Ein ganzes Wochenende habe ich in Juniors Zimmer ausgemistet, sortiert und geputzt. Es hat keine 2 Stunden gedauert, bis das Zimmer wieder aussah wie ein Schlachtfeld.“ seufze ich ins Telefon. Am anderen Ende der Leitung meine beste Freundin, an einem anderen Ort – aber mit haargenau demselben Thema. Das, was in den Zimmern unserer Kinder geschieht, geschieht millionenfach in den Kinderzimmern anderer Familien. Zugegeben – vor allem in Mittel- und Westeuropa und in den USA. Aber dass es bei anderen auch so ist, macht es irgendwie nicht besser. Und man fragt sich, wie kann das überhaupt passieren? Man nimmt sich doch so tapfer vor, dass die Kinder nur noch weniges, sinnvolles Spielzeug bekommen sollen. Warum gibt es dann Dutzende Kuscheltiere, obwohl das Kind doch nur ein einziges heiß und innig liebt?

Machen wir uns nichts vor: Kram zieht neuen Kram magisch an. Und nicht nur bei den Kindern.
Neulich las ich, dass ein durchschnittlicher Europäer etwa 10.000 Dinge besitzt – vom Eierlöffel bis hin zur Wintermütze. Allein bei den Frauen hängen im Durchschnitt 118 Kleidungsstücke, Unterwäsche und Socken kommen sogar noch dazu! Also bei aller Liebe: Das kann doch kein Mensch tragen! Ich ertappe mich sogar dabei, nur 5-6 Outfits zu tragen. In diesen fühle ich mich wohl, sie sind bequem und ich finde mich schön darin. Ist es bei Dir ähnlich?

Außerdem las ich, dass Kinder bereits im 3. Lebensjahr Kleidung, Spielzeug und eigene Möbel im Wert von ca. 1300 € besäßen. Und das hat mich wirklich nachdenklich gemacht. Das ist wirklich viel Geld für Dinge, wenn man bedenkt, dass die Kinder nach wenigen Monaten oder gar Wochen herausgewachsen sind. Ich will jetzt auch gar nicht mit der alten Leier ankommen nach dem Motto: „Unsere Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern hatten sowas ja nicht. Die hatten gar nichts und waren froh, wenn sie eine Puppe hatten!“ Ja, das mag sein. Aber die Zeiten sind anders und wir alle profitieren von Wohlstand und Fortschritt. Keiner möchte mehr in einem Umfeld der 1940er Jahre leben. Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass eine gewissen Vielfalt förderlich für die Kinderentwicklung ist. Aber es gibt genau so viele Studien, die belegen, dass ein Zuviel nicht nur nicht hilfreich, sondern sogar schädlich ist.

Und wieder frage ich mich, wo der ganze Kram herkommt? Klar – Ostern, Weihnachten, Geburtstage… Da kommt einiges zusammen, wenn Eltern, Großeltern und Tanten Geschenke machen wollen. Doch wollen Kinder wirklich so viel Besitz? Natürlich stellen schon die Kleinsten fest, dass materieller Reichtum vorteilhaft für Ansehen und Status ist. Wer im Kindergarten ein tolles Spielzeug hat, hat viele Freunde, die mit dem Spielzeug und dessen Besitzer spielen wollen. Wer in der Schule coole Klamotten trägt, ist beliebt. Aber diese „Haste was, biste was“-Mentalität ist nicht angeboren. Sie entsteht durch das elterliche Vorleben. Über Eltern, die sich über den Besitz definieren. Wer ein tolles Haus mit hochwertigen Möbeln bewohnt, genießt oft hohes Ansehen. Doch sagt diese Fassade genauso wenig über den Charakter der Bewohner aus, wie riesige Bücherregale, die suggerieren, dass das der Besitzer belesen und intelligent wäre. Manche glauben wohl, dass man sich mit materiellem Besitz eine Identität aufbauen könnte. Ohne Objekte, die um uns herum sind, könne ein Außenstehender ja nicht sehen, wer wir sind und was wir bereits erlebt und geschaffen hätten. Doch muss ich irgendjemandem etwas beweisen? Mal abgesehen von mir selbst?

Ich sehe die Erziehungsverantwortung meinen Kindern gegenüber nicht nur darin, dass die Kinder zur Schule gehen und höfliche, eigenständig denkende Persönlichkeiten werden. Vielmehr möchten wir unsere Kinder auch fit fürs Leben machen. Dazu gehört natürlich Bildung, Toleranz und gute Umgangsformen. Dazu gehört aber ebenfalls das Kennen des wahren Wertes von Dingen und die Wertschätzung von Charakter, Mut und Engagement. Und es gehört dazu, den Kindern den Mittelweg zu lehren: Jenseits von Askese und Geißel, sowie fernab von Gier und Kaufsucht gibt es einen Mittelweg, der von jedem persönlich gefunden werden muss. Und diesen gefunden zu haben, bedeutet wahres Glück.

„Wer nicht zufrieden ist mit dem, was er hat, der wäre auch nicht zufrieden mit dem, was er haben möchte.“

Berthold Auerbach

Von guten Vorsätzen, hohen Erwartungen und gesunden Kompromissen

Nun ist das neue Jahr schon eine Woche alt. Hand aufs Herz: Wie viele Deiner Vorsätze hast Du schon über Bord geworfen? Woran lag es, dass Du nicht durchgehalten hast? War Dein Vorsatz zu groß? Oder zu allgemein? Einfach nur gesünder leben zu wollen ist zwar ein schöner Ansatz, aber das Scheitern allzu wahrscheinlich. Was würde bei diesem Vorsatz denn überhaupt bedeuten zu scheitern? Zählt da eine Pizza schon als scheitern oder als Ausnahme? Du ahnst es sicher: Du kannst ein Ziel nur erreichen, wenn es konkret formuliert ist. Also: Starten wir neu!

Ein Janus-Ritual

Schon im antiken Rom wurde der Gott Janus (nach welchem auch der Januar benannt ist) zur Unterstützung bei neuen Projekten angerufen. Er hat zwei Gesichter: Mit dem einen schaut er in die Vergangenheit, mit dem anderen in die Zukunft. Um einen besonders wichtigen Vorsatz einzuhalten, kannst Du Deinen Vorsatz auf einen kleinen Zettel schreiben und Antworten auf die Fragen: Wie hilft es mir? Wie hilft es meinen Liebsten? Wie hilft es der Welt? Was ändert sich, wenn ich den Vorsatz umsetze? Der Zettel wird dann in eine kleine Phiole geschoben, mit passenden Symbolen verziert und gut sichtbar über die Eingangstür aufgehängt. Und denke daran: Formuliere Deinen Vorsatz konkret und positiv! Was möchtest Du wann warum und wie tun?

Vorsätze sind nicht nur zu Jahresbeginn schwierig

Ehrlich gesagt: Bevor ich Mutter wurde, hatte ich edle Absichten. Ich wollte meine Kinder konsequent erziehen, sie gesund und biologisch einwandfrei ernähren und vom Fernseher fern halten. Auch in der ersten Schwangerschaft hatte ich noch den festen Willen, alles perfekt zu machen und vor allem auch auf mich selbst zu achten. Aus zunächst gepflegtem Outfit und Steckfrisur wurde dann doch recht schnell ein Jogginganzug und zotteliger Zopf. Aus der supergesunden Ernährung für die Kinder wurde dann doch irgendwann ein Besuch in einem FastFood-“Restaurant“. Und ehrlich gesagt, hatte der Vorsatz der konsequenten Erziehung auch so seine Tücken. Wir hatten beschlossen, dass unser Erstgeborener von Beginn an im eigenen Bett schlafen sollte. Doch irgendwie wurde daraus nichts – alle genossen die kuschelige Nähe viel zu sehr, um das verbieten zu wollen. Als der dann Vierjährige gefragt wurde, warum er eigentlich so gern im elterlichen Bett schläft, wusste er das sehr genau: „Ach bei Mama habe ich einfach bessere Alpträume!“

Auch meine beste Freundin hatte sich viel für die Erziehung der Kinder vorgenommen. Zum Beispiel absolute Ehrlichkeit. Das auch dieser Vorsatz gar nicht so leicht umzusetzen war, zeigte sich am Beispiel des Lieblingskuscheltiers. Schon früher hatte Jule bei befreundeten Familien mitbekommen, welche Dramen der Verlust des heißgeliebten Kinderbegleiters auslösen konnte. Das wollte sie bei ihren eigenen Kindern hundertprozentig verhindern! Jules Sohn hatte das blaue Krümelmonster als absolut lebensnotwendiges Accessoire auserkohren. Erinnerst Du Dich? Der mit den großen Kulleraugen, der uns in kurzen Sequenzen durch jede Folge der Sesamstraße begeleitete und aus dessen Mund immer die Kekskrümel in sein Fell staubten, während er lauthals „Kekseeee!“ brüllte. Um irgendwelche innerfamiliären Katastrophen durch Verlust des blauen Kuscheltiers zu vermeiden, wollte Jule auf Nummer sicher gehen und machte sich auf die Suche nach einem Doppelgänger. Natürlich – wie sollte es anders sein – war genau dieses Exemplar aus der Produktion genommen. Doch zum Glück wurde sie in einem Internet-Auktionshaus fündig. Fortan war also immer Ersatz griffbereit, wenn eins der Monster verlegt oder im Auto vergessen wurde. Die ersten Male war Jule natürlich noch nervös, denn leichte Unterschiede waren zu sehen. Die Augen waren nicht identisch und das neuere Tier war noch farbintensiver als das ältere. Kinder bemerken viele Details, die den Erwachsenen mit „verzogenen“ Sinnen verborgen bleiben. Aber alles ging gut. Es ging sogar sehr lange gut – bis zu einem Abend, an dem mit dem Zubettgehen dann doch etwas später geworden war. Natürlich war ein Einschlafen ohne das geliebte Monster unmöglich und so begaben sich Mama und Sohn auf die Suche. Angefeuert wurden sie von den fröhlichen Zurufen des kleinen Bruders, der vergnügt im Babybettchen herumhopste. Und da! Endlich fand Jule das Monster in einer Rotte von anderen Kuscheltieren. Sie drehte sich um, hielt es hoch und was sah sie in den Händen von ihrem geliebten Knirps? Natürlich… das zweite Monster! So standen sie nun, das Kind schaute erstaunt und Mama wagte es kaum zu atmen. Der „Schwindel“ war aufgeflogen. Sekunden vergingen. Doch dann … lachte der Sohn: „Mama, guck mal! Zwei Monster!“ Welch eine Freude, nun hatte er sein geliebtes Monsterchen doppelt und
konnte in jedem Arm eins halten.

Mütter haben es schwer

Fest steht: Mütter haben es schwer. Die Vorstellungen der Außenwelt sind größtenteils antiquiert und wir selbst haben hohe Erwartungen. Reicht es doch schon lange nicht mehr, einfach eine liebevolle Mutter und vielleicht Partnerin zu sein. Nein, beruflicher Erfolg und finanzielle Unabhängigkeit sind mindestens genauso erstrebenswert. Dazu kommt der eigene Wunsch nach spiritueller Entwicklung und innerer Balance.

Ein Weg dies alles in Einklang zu bringen und inneren Frieden zu finden, kann der Buddhismus sein. Buddha sagt, dass das Leben kein Problem ist, dass es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt. Nicht mehr und nicht weniger.

Dass das Wunderbare im Kompromiss liegt, zeigt sich auch in der Schöpfungsgeschichte der Germanen. Im Kompromiss aus eisiger Kälte und glühender Hitze entsteht ein perfektes Lebensumfeld. Aus Konsequenz und Laissez-faire, aus Gemüse und Fast Food, aus Offenheit und Zurückhaltung – aus allem zusammen entsteht ebenfalls ein perfektes Lebensumfeld für glückliche Kinder. Glückliche Kinder sind doch unser aller Ziel – aus ihnen werden glückliche Erwachsene. Und davon braucht die Welt viel mehr.

Von Sternschnuppen und anderen Wünschen

In den ersten Tagen des neuen Jahres (bis 12. Januar genau genommen) lohnt es sich, früh aufzustehen. Gegen 6 Uhr morgens kann man südwestlich vom Sternbild „Großer Bär“ je nach Wetter bis zu 100 Sternschnuppen beobachten und sich etwas wünschen. Einem alten Brauch nach, muss man – sobald man sich etwas von einer Sternschnuppe gewünscht hat – an Ort und Stelle eine Münze vergraben, als Dank, dass der Wunsch in Erfüllung gehen wird.

Schön ist auch der Brauch, eine Sternschnuppe zu „fangen“ und für später aufzubewahren. Dazu benötigst Du einen klappbaren Taschenspiegel. Die Sternschnuppe die Du im Spiegel siehst, ist darin „gefangen“, sobald Du den Spiegel zuklappst. Du darfst ihn erst wieder öffnen, wenn Du den Sternschnuppenwunsch nutzen möchtest.

Sollte ein bewölkter Himmel den Blick auf die Sternschnuppen verhindern, kann man die Wunschenergie natürlich trotzdem nutzen. Entzünde ein kleines Teelicht. Wenn das Wachs oberflächlich zur Gänze geschmolzen ist, darfst Du Deinen Wunsch formulieren und die Kerze löschen (nicht pusten!). Sobald sich Dein Wunsch erfüllt hat, wird die Kerze wieder entzündet und brennt dann aus.

Blicke oft zu den Sternen empor – als wandelst du mit ihnen. Solche Gedanken reinigen die Seele von dem Schmutz des Erdenlebens.

Marc Aurel

Von großer Dankbarkeit und allerlei Orakeln

Nun ist dieses Jahr auch fast Geschichte. In kaum einem Jahr sind meine Emotionen so sehr Achterbahn gefahren wie in diesem. Hochs und Tiefs haben sich so schnell abgewechselt, dass mir manchmal ein wenig die Puste ausging. Und doch bin ich unendlich dankbar. Dankbar für all die Unterstützung, die ich erfahren durfte. Dankbar für Lektionen, die ich lernen durfte – und hey, ich bin immer noch da!

Das Merkurjahr (in welchem wir uns ja noch bis Mitte März befinden) versprach ja schon zu Beginn im März, ein spannendes Jahr zu werden. Im Sonnenjahr 2017 ging es noch um das „Ich“ als Basis allen Tuns, während es 2018 im Venusjahr schon um das „Wir“ ging. Aus eins und eins wird zwei. Im Merkurjahr wurde und wird das Geflecht aus „Wirs“ sichtbar. Gemeinsame Ideen werden entwickelt und in die Welt gebracht. Auch bei mir haben sich Zusammenarbeiten weiter entwickelt, manchmal wieder aufgelöst und oft vertieft. Auch das gehört zu Merkur dazu: Mit wem will ich handeln, mit wem lieber nicht?

Jetzt zum Jahresende werde ich immer etwas sentimental und sehr sehr dankbar (mehr noch, als ich es sowieso täglich bin). Das Jahr ist für mich eine Art Projekt, das ich erfolgreich abschließen darf. Wie ist das für Dich?

Das Ende des Jahres ist für mich aber zugleich auch der Höhepunkt. Silvester ist mir das wichtigste aller Feste – noch vor Geburts- oder anderen Feiertagen. Deshalb gibt es bei uns auch so viele Rituale. Natürlich schauen wir in das neue Jahr hinein – teilweise mit Karten, teilweise mit Wachsgießen.

Schuhwerfen als Alternative zum Bleigießen

Gerade in größerer Gruppe oder mit älteren Kindern ist aber das Schuhwerfen besonders lustig. Man stellt sich auf Socken mit der Nase zur Wand auf – ein großer Raum oder der Hausflur sind ideal. Auf Kommando werfen nun alle ihre Schuhe über die Schulter in den Raum. Danach drehen sich alle um und deuten, wie die Schuhe gefallen sind. Zeigt zum Beispiel die Schuhspitze zur Tür, bedeutet das, dass der Werfer oft reisen wird. Stehen zwei Schuhe übereinander, deutet das wahlweise auf drohende Konflikte oder eine Liebesbeziehung zwischen beiden Besitzern hin. Eine zum Fenster zeigende Schuhspitze zeigt einen neugierigen Werfer an; während ein Schuh, der unter einem größeren Haufen Schuhe liegt, auf einen sehr müden Besitzer hinweisen soll. Schuhe die mit der Sohle nach oben liegen, zeigen gute Nachrichten an. Wird jemand von einem geworfenen Schuh getroffen, so soll das ganz besonders Glück bringen.

Besonders schön ist es, in der Silvesternacht ein großes, sauberes Konservenglas zu dekorieren und darin im Laufe des Jahres kleine Zettel zu sammeln, auf denen die großen und kleinen Glücksmomente des Jahres notiert werden. Zum nächsten Silvester kann man sich darüber freuen, wie viele tolle Dinge einem widerfahren sind.

Silvester-Motivationskerze

Und noch ein kleines Ritual möchte ich mit Dir teilen. Wenn es Dir schwer fällt, Dich an Deine Vorsätze zu halten, dann lade Dir eine Motivationskerze auf. In der Silvesternacht soll diese möglichst große Stumpenkerze mit der Jahreszahl beschriftet werden und von außen auf dem Fensterbrett stehen. Dort lädt sie sich mit der wunderbaren Energie des Neuanfangs auf. Wenn Du nun im Laufe des Jahres merkst, dass Du Dich von Deinen Vorsätzen entfernst, zünde die Kerze für eine Stunde an und erinnere Dich daran, warum Du den Vorsatz gefasst hast und weshalb es Dein Leben verbessern würde, Dich daran zu halten.

Nun wünsche ich Dir mit meinem absoluten Lieblingsgedicht von ganzem Herzen einen tollen Start in ein neues Jahr voller großer und kleiner Wunder!

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Herrmann Hesse

Von großen Erwartungen und schiefen Lichterketten

Oh was hatte ich früher, ebenso wie die meisten Frauen, große Erwartungen an Weihnachten: Das Fest der Feste, die Familie kommt zusammen, alles ist friedvoll und wunderwunderWUNDERschön! Die Häuser sind tiptop aufgeräumt, traumhaft dekoriert und die Kinder sind brav. Und über allem schwebte die besinnliche Atmosphäre der Heiligen Nacht.

Doch wenn wir ehrlich sind, sieht die Realität meist anders aus: Das Weihnachtsfest besteht aus streitenden Kindern und einer völlig erschöpften Mutter, die (nach mehrwöchigem Planungs- und Putzmarathon) in einer verwüsteten Küche versucht, den angebrannten Weihnachtsbraten zu retten, damit die Schwiegermutter nicht noch mehr zu kritisieren findet.

Nach einigen solcher Erfahrungen mit einem Strudel aus Erwartungen, jährlich mehr Aufwand und anschließendem Frust und Erschöpfung haben wir ein „Stop“ gesetzt. Wir sind der Überzeugung, dass es an Weihnachten um mehr geht als um den schönen Schein. Es geht nicht darum, wer jetzt welches religiöse Fest mit welchen Traditionen feiert oder ob Weihnachten nun Sonnenwende heißt. Und es geht auch nicht darum, welches Großelternpaar den Kindern die teureren Geschenke macht und ob wirklich alle Wünsche vom Wunschzettel erfüllt werden. Auch muss man nicht immer Dinge tun, die „man aber schon immer so“ gemacht hat. Dieser Negativstrudel macht auf Dauer nicht nur unglücklich und die Familien kaputt, sondern führt dazu, dass wir uns gänzlich von der ursprünglichen Weihnachtsbotschaft entfernen.

Schon der berühmte Erfinder und Politiker Benjamin Franklin sagte: „Tradition heißt nicht, Asche zu bewachen, sondern die Glut anzufachen.“ Es geht also darum, unseren Kindern die wahre Bedeutung von Weihnachten mit auf den Lebensweg zu geben. Nämlich die, dass in der größten Dunkelheit das Licht der Hoffnung geboren wird. Dabei ist es gänzlich unerheblich, ob wir das Jesusbaby „Licht der Welt“ nennen wollen oder die Rückkehr der Sonne nach vorchristlicher Ansicht feiern. Es geht darum, dass in Zeiten, in denen die Natur tot zu sein scheint, ein grüner Nadelbaum das Versprechen trägt, dass es bald wieder überall grünt und blüht. Und es geht darum, dass wir und unsere Kinder immer darauf vertrauen können. In Zeiten der Krisen und Veränderungen sollten Familien der Anker der Geborgenheit sein. Hier darf man sein, wie man ist. Hier darf man auch anderer Meinung sein, diese auch sagen und dennoch wissen, dass man geliebt wird. In der Familie darf jeder nach seinem persönlichen Glück und seiner individuellen Erfüllung streben – und auf Unterstützung vertrauen.

Wie wäre es also, wenn man mit den Großeltern vereinbart, statt eines großen Spielzeuges lieber einen Ausflug oder einen Wochenendtrip mit der ganzen Familie zu schenken? Gemeinsame Erlebnisse sind so unendlich viel mehr wert, als die Anhäufung von Besitz. Wie wäre es, wenn die
Kinder die Dekoration der Wohnung übernehmen, während Mama einen Kakao kocht? Der Schein einer schief aufgehängten Lichterkette ist nicht weniger gemütlich, wenn alle beisammen sitzen und sich gegenseitig Geschichten erzählen. Wie wäre es, wenn man auf den Weihnachtsbraten verzichtet, der so mühevoll vorbereitet werden muss und stattdessen jeder Gast etwas zum Essen beiträgt? Das erleichtert nicht nur die Arbeit der Gastgeber, sondern bringt eine wunderbare Vielfalt auf den Tisch. Wie wäre es, wenn nicht alle gezwungenermaßen in die Kirche zur Weihnachtsmesse gehen, sondern nur die, die wirklich Lust darauf haben? Die anderen könnten es sich währenddessen bei Kerzenschein gemütlich machen und alte Weihnachtserinnerungen aufleben lassen.

Ich möchte Dich einladen, es in diesem Jahr einfach zu versuchen. Lass Dich auf ein Familienweihnachtsfest ein, dass alle Familienmitglieder einschließt. Schieb für einen Nachmittag (oder Abend) alle Meinungsverschiedenheiten und Konfliktthemen zur Seite. Geht aufeinander zu – egal, welchen Kummer es in der Vergangenheit gab. Denn:

„Das erste, das der Mensch im Leben vorfindet, das letzte, wonach er die Hand ausstreckt, das kostbarste, was er im Leben besitzt, ist die Familie.“

Adolph Kolping

Mein Leben als Berliner Hexe

Ich wurde in den letzten Jahren oft gefragt, wie mein Leben als Hexe denn so aussehen würde. Darauf wusste ich keine andere Antwort als „Na normal, wie bei anderen auch.“ Denn ich empfinde mein Leben als normal, fast schon langweilig und spießig – und ehrlich gesagt, mag ich es genau so! Aber weil ich doch immer wieder gefragt werde, nehme ich Euch heute einmal mit in meinen Alltag. Begleitet mich von morgens bis abends und vielleicht stellt Ihr fest, dass ich ein wirklich spießiges Leben führe (vielleicht aber auch nicht 😉 )

Morgens

Mein Wecker klingelt heute um 6 Uhr. Wenn ich so gegen 6.30 Uhr aus dem Bad komme, bin ich bereit für meine Morgenroutine. Ich halte mich seit einigen Jahren an die S.A.V.E.R.S. von Hal Elrod, die er in seinem Buch „Miracle Morning“ beschreibt.

S – Stille. Ich genieße ein paar Minuten der Stille am Morgen. Ohne Handy, ohne Radio. Einfach nur Stille.
A – Affirmation. Ich spreche ein Gebet, in dem Affirmationen enthalten sind. Diese positiven Glaubenssätze schenken mir innere Ruhe.
V – Visualisierung. Hier visualisiere ich nicht nur das Leben, dass ich gerne führen möchte, sondern auch den Tag. Was erwartet mich? Wie kann ich Herausforderungen begegnen? Worauf freue ich mich?
E – Exercise – Bewegung. Jetzt starte ich mit meinem Hund zu einer morgendlichen Spazier-Runde.
R – Reading – Lesen. Bei einer Tasse Kaffee gönne ich mir zwanzig Minuten Lesezeit. Hier lese ich weniger Romane, sondern vielmehr Bücher, die mich persönlich weiterbringen oder meine Beratung bereichern – Ratgeber, Sachbücher etc. Aktuell lese ich „Archetypen“ von C. G. Jung.
S – Schreiben. In den folgenden 30 Minuten Schreibzeit schreibe ich – heute an einem neuen Blogartikel.

Es ist 8 Uhr – die Kinder sind aus dem Haus. Jetzt ist Zeit für ein gemeinsames Frühstück mit meinem Mann. Er hat den Tisch gedeckt und wir plaudern beim Essen über dieses und jenes und planen den Tag. Ich trinke zum Frühstück übrigens meist Kaffee.

Um 8.30 Uhr setze ich mich an den Schreibtisch und werfe einen Blick auf meine Tagesübersicht. Mein Tag läuft sehr strukturiert. Vieles zu dieser Struktur habe ich von Claudia Kauscheder gelernt. Jeden Freitag plane ich die kommende Woche grob vor, jeden Abend plane ich den folgenden Tag konkret. Ich weiß also jetzt schon, was heute ansteht. Ich stelle meinen Timer auf 25 Minuten (ich arbeite nach dem Pomodoro-Prinzip), öffne mein Emailprogramm und bearbeite die Emails, die in weniger als 2 Minuten beantwortet werden können sofort. Wenn ich noch Zeit habe (also mein Timer noch nicht abgelaufen ist) beantworte ich solange die anderen Emails.

Nach einer 5minütigen Pause geht es in die nächste 25minütige Pomodoro-Runde. Ich suche mir eine Aufgabe aus meiner To-Do-Liste (Versand, Webseite aktualisieren, an neuen Produkten arbeiten) aus und lege los. Diesen Rhythmus behalte ich bis 10 Uhr bei. Dann logge ich mich bei Questico ein, um für Ratsuchende telefonisch erreichbar zu sein.

Mittags

Um 13 Uhr lege ich eine kurze Mittagspause ein. Mein Mann hat inzwischen eingekauft und sich um den Haushalt gekümmert und Essen vorbereitet. Es gibt Couscous-Salat mit Thunfisch aus dem Wochenplan von Susanne Lindenthal. Ich bin sehr dankbar, dass mein Ehemann sich um alles so toll und liebevoll kümmert.

Um 13.30 Uhr arbeite ich für 25 Pomodoro-Minuten meine private To-Do-Liste ab (Termin beim Zahnarzt vereinbaren, Schulzettel der Kinder unterschreiben, für eine Freundin etwas recherchieren etc.)

Um 14 Uhr habe ich den ersten von drei Kundenterminen hier im Büro. Als ich den letzten Kunden verabschiede, ist es 17.30 Uhr.
Ich werfe noch einmal einen Blick in die Emails.

Abends

Um 18 Uhr logge ich mich noch einmal für eine Stunde bei Questico ein, bis es um 19 Uhr Abendessen gibt. Mein Mann hat einen wunderbaren Gemüseauflauf vorbereitet – ebenfalls aus dem Rezeptabo von Susanne.

Um 19.30 Uhr bin ich noch einmal am Schreibtisch und plane ich meine Folgetag konkret. Welche Termine stehen an? Welche Aufgaben will ich erledigen? Ich beantworte noch einmal Emails und weil ich morgen zu AstroTV fahre, packe ich heute schon meine Tasche und lege mir sogar die Kleidung raus. Vorbereitung ist für mich der Garant für einen erfolgreichen Tag.

Den heutigen Tag schließe ich mit einem kleinen Ritual für mich ab. Ich bin sehr dankbar, weil ich heute sehr viel geschafft habe und mir der Himmel nicht auf den Kopf gefallen ist… Mir ist es sehr wichtig, auch das meinen Göttern zu erzählen und nicht nur dann zu beten, wenn das Leben aus Katastrophen besteht.

Um 22 Uhr schaue ich mit meinem Mann noch eine Folge unserer aktuellen Lieblingsserie an und dann geht unser Tag auch schon wieder zu Ende.

Natürlich ist jeder Tag anders und nicht immer läuft es so glatt. Manchmal sind meine Tage viel länger, weil ich im Kundenauftrag nachts in einem Ritual sitze oder frühmorgens auf Sendung bei AstroTV bin oder aber eine Nachtschicht am Schreibtisch einschiebe um ein Projekt zu Ende zu bringen. Aber nur mit Struktur und Planung kann ich so viele Dinge tun, die mein Herz höher schlagen lassen: Beratungen, Bücher und Kalender schreiben, Ritualsets zum Verkauf herstellen und immer wieder neue Produkte für meine Kunden entwickeln.

Und ja auch bei mir gibt es manchmal weinende, maulige und kranke Kinder. Auch meine Pläne funktionieren nicht immer. Ich bin nicht perfekt und will es auch gar nicht sein. Wie Du vermutlich auch, versuche ich einfach jeden Tag mein Bestes zu geben und die Welt vielleicht ein Stückchen schöner zu machen.

Ob das jetzt langweilig ist oder nicht, weiß ich nicht. Aber ehrlich: ich liebe mein Leben genau so, wie es jetzt ist!

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