Allgemein Archive - Stefanie Gralewski

Category Archives for Allgemein

Von Warzen, Buckeln und anderen Vorurteilen

Hexen gibt’s doch gar nicht! Oder doch?

Der Blick meines Gegenübers wird starr.
Misstrauisch beäugt die Dame mich, nachdem ich mich vorgestellt habe. Ihre Gesichtszüge sagen irgendetwas zwischen „gibt’s doch gar nicht!“ und „Tu mir nichts!“

Ich bin Stefanie Gralewski – eine Hexe. Die Berliner Hexe.

Auch wenn ich mich normalerweise nicht so offensiv darstelle, kommt es manchmal vor, dass andere mich so ankündigen oder vorstellen. So wie die Dame, der ich hier vorgestellt wurde, reagieren viele auf mich. Zunächst reichen Sie mir noch freundlich lächelnd die Hand, zucken dann aber kurz zurück. Befürchten sie, sie würden in blitzenden Rauchwolken zu einem Frosch verhext, sobald sie etwas Falsches sagen? Möglicherweise sind die Leute auch irritiert, weil ich weder eine Hakennase, keine Warzen und aktuell auch noch keinen Buckel habe.

Und wovor erschrecken die Leute überhaupt? Was ist eine Hexe eigentlich genau? Ist eine Hexe gar mit dem Teufel im Bunde? Hat das irgendwas mit Satanismus zu tun? Treffe ich mich nachts etwa mit Freundinnen auf dem Friedhof? Geh ich in Flammen auf, wenn ich eine Kirche betrete? Diese Fragen und noch viel mehr möchte ich hier gern beantworten.

Obwohl – so leicht ist das mit einer Antwort nicht. Denn es gibt weder eine allgemeingültige Erklärung (und jedes zu diesem Thema veröffentlichte Buch hat wohl eine andere Definition), noch gibt es eine geregelte Ausbildung oder gar Zertifikate. Seit mehr als 18 Jahren suche ich in den verschiedensten Quellen nach den historischen Ursprüngen der Hexerei und der Vorurteile darüber. Dabei versuche ich meine Ergebnisse und Erkenntnisse mit meinen eigenen Fähigkeiten, Ansichten und Talenten in Einklang zu bringen. Hexe zu sein ist meiner Meinung nach einfach ein Lebensgefühl, dass sich kaum in Worte fassen lässt. Ich möchte hier dennoch erklären, was ich darunter verstehe.

Fehlübersetzungen und viel Politik

Werfen wir zunächst einmal einen Blick auf das Wort „Hexe“: Dieses stammt vom mittelhochdeutschen „hecse“ bzw. vom althochdeutschen „hagzisse“ ab. Hier kommt uns vielleicht der Wortstamm „hag“ von Worten wie „Hagebutte“ bekannt vor. „Hag“ bedeutet soviel wie Zaun oder Hecke.
Mit Hexe ist also jemand gemeint, der auf einer Hecke oder einem Zaun sitzt, scheinbar „reitet“. Und ehrlich gesagt, mag ich dieses Bild sehr gern. Wenn ich mir vorstelle, das ich auf einem Zaun sitze, der die Welten trennt, dann passt das ganz gut zu meinem Leben. Mit dem einen Bein schaukle ich in der bodenständigen, diesseitigen Welt und mit dem anderen Bein in der jenseitigen, spirituellen Welt. Ich beschäftige mich nicht nur mit Religionen, Ritualen und Magie. Politik, Neurologie und Wirtschaftspsychologie finde ich genau so interessant. Mit meinen Freunden kann ich mich über Jahreskreisfeste ebenso austauschen, wie über den neuesten Promiklatsch. Probleme gehe ich nicht nur mit Weihrauch und Gebet an, sondern auch mit handfesten Lösungen.

Hexen sind Zaunreiterinnen

Dass allein schon das Wort „Hexe“ einen so schlechten Ruf bekommen hat, liegt in einer (von vielen) Fehlübersetzung der christlichen Bibel. Die ganze Hexenverfolgung früher (und auch heute noch), geht auf eine einzige Bibelstelle zurück. Im Alten Testament, 2. Buch Mose (Exodus), Kapitel 22, Vers 17 steht: „Die Zauberinnen sollst Du nicht am Leben lassen.“ (Lutherbibel, Ausgabe von 1984). Im hebräischen Originaltext ist jedoch anstelle des Wortes „Zauberinnen“ (in manchen Übersetzungen „Hexe“) das Wort „kasepha“ zu finden. Dieses Wort bedeutet eigentlich „Priesterin“.
Und langsam erkennt man das politische Geschehen hinter der Hetzjagd: Weibliche Priesterinnen hatten in vorchristlichen Zeiten einen hohen gesellschaftlichen Stand und waren durchaus auch vermögend. In die patriarchalen (männerdominierenden) Strukturen der ersten (und auch späteren) Christen passte das freilich nicht.

Auch wenn nicht nur Priesterinnen verfolgt wurden und eine Verfolgung praktisch jeden treffen konnte (arm, reich, gläubig oder nicht, mitten in der Gesellschaft oder eher abseits, hübsch, hässlich, männlich, weiblich), waren die meisten Opfer Frauen. Das Leben war manchmal hart, Kriege und Wetterkapriolen überzogen das Land und sorgten für Hunger und Not. Da wir Menschen offenbar immer einen Sündenbock brauchen und alle Andersgläubige irgendwann vertrieben waren, sollten nun die Frauen als Schuldige für das Elend der Welt herhalten. Praktischerweise hatte eine Frau ja schon am Anbeginn der Zeit für die Vertreibung aus dem Paradies gesorgt. Rechtfertigung schien es also genug zu geben.

Später waren es dann vor allem politische Gründe, alles was Frauen stark und eigenständig erscheinen ließ, zu unterdrücken. Dass die Einführung des Frauenwahlrechtes weniger damit zu tun hatte, Frauen gleichberechtigt zu behandeln, ist inzwischen vielleicht bekannt, führt aber hier zu weit. Als in den 1950er Jahren die letzten Gesetze gegen Hexerei gekippt wurden, fiel das mit der Stärkung der Frauenrechte zusammen und ergänzte sich auch zur religiösen Selbstbestimmung der Frau. Daher wird weibliche Spiritualität auch heute fälschlicherweise noch oft mit Feminismus gleichgesetzt.
Doch viel geändert hat sich seit den 1950er Jahren nicht.

Klar, gibt es inzwischen (wenige) Frauen in Führungspositionen. Frauen dürfen Hosen tragen und müssen Ihren Mann auch nicht mehr um Erlaubnis bitten, wenn sie arbeiten wollen. Starke, selbstbewusste Frauen werden aber immer noch argwöhnisch beäugt. Einigen wird dann sogar die Weiblichkeit abgesprochen. Von der viel gepriesenen, aber dennoch nicht umgesetzten, Gleichbehandlung mal ganz abgesehen.

Eine Hexe kann man äußerlich nicht erkennen

Auch das scheint einigen Menschen Kopfzerbrechen zu bereiten. Man erkennt Hexen nicht an ihrer Kleidung, an ihrem Schmuck oder an ihrem Lebensstil. Eine Hexe kann sich schwarz kleiden. Muss sie aber nicht. Es könnte auf eine Hexe hinweisen, wenn sie ein Pentagramm an einer Kette trägt. Muss es aber nicht. Man kann eine Hexe gar nicht erkennen. Sie erkennt sich nur selbst als solche.

Und das ist wichtig, denn eine Hexe kann man nicht werden. Du kannst zwar verschiedene Handwerke lernen, die dem Klischee nach zu Hexen passen könnten (Karten legen, Rituale ausführen, Kräuter sammeln) oder auch eine Ausbildung zur Priesterin abschließen – aber eine Hexe macht das noch nicht aus Dir.

Entweder man ist es oder man ist es nicht. Das hat nichts mit elitärem Denken oder Arroganz zu tun. Es bedeutet auch nicht, dass eine Hexe besser wäre, als andere Menschen – aber eben auch nicht schlechter. Viele entdecken leider erst spät, dass in ihnen das Hexen-Gefühl steckt. Den meisten wurde noch in der Kindheit Feinfühligkeit, spirituelles Talent und der Wunsch nach Selbstbestimmung aberzogen.

Die meisten Hexen haben zudem einen äußerst starken Freiheitsdrang und fühlen sich nicht wohl, wenn sie unter Druck gesetzt werden. Egal, ob es sich hier um Zeitdruck, eine enge Wohnung oder traditionelle bzw. religiöse Einschränkungen handelt. So manch einen zieht es in die Einsamkeit der Natur. Andere fühlen sich in einer Gruppe Gleichgesinnter geborgen.

Eine Hexe sucht nach Erfüllung und Selbstverwirklichung auf eigenen Wegen, in eigenem Tempo und in Selbstbestimmung.

Viele Hexen haben einen ungeheuren Wissensdurst, der dafür sorgt, dass sie gute und aufmerksame Zuhörer sind und oft Unmengen an Büchern verschiedenster Themenbereiche besitzen. Daher werden Hexen manchmal missverstanden und neugierig genannt. Doch es ist viel mehr!
Wir Hexen versuchen die Zusammenhänge in der Welt und im Kosmos zu ergründen – wissenschaftlich, historisch, spirituell. Auch darum sind wir gute Ratgeber in schwierigen Lebenssituationen.

Es gibt viele Varianten

Um eine Hexe zu sein ist es nicht nötig, einer bestimmten Religion anzugehören. Es gibt heidnische bzw. pagane Hexen, die sich ganz allgemein vorchristlichen Göttern und Göttinnen nahe fühlen.
In den USA und in Großbritannien (zeitweise auch in Deutschland) wurde das sogenannte Hexentum gleichgesetzt mit den Wicca. Wicca ist eine Mysterientradition, die sich in den 1950er Jahren von England aus gen USA ausbreitete. Einige Hexen sind Wicca, die meisten jedoch nicht. Es gibt ebenso christliche, buddhistische und sogar muslimische Hexen. Daher können Hexen natürlich auch ganz normal in eine Kirche gehen, wenn sie das möchten. Ich selbst finde verschiedene Religionen sehr spannend und war auch schon in verschiedenen Gotteshäusern zu Andachten und Gebeten. Und natürlich gibt es auch atheistische Hexen, also solche, die an keine Götter glauben. Satanismus (genauer die Church of Satan) hat so gar nichts mit Hexen zu tun, also sind Hexen auch keine Satanisten (und treiben sich gewöhnlich auch nicht nachts auf Friedhöfen herum).

Hexen können sich mit Magie, Kräutern, Weissagungen, Meditationen, Göttern und Ritualen befassen – aber sie müssen es nicht. Es ist nicht Bedingung, all das zu tun um eine Hexe zu sein.
Die Bezeichnung sagt außerdem weder etwas darüber aus, ob die Person männlich oder weiblich ist, noch ob sie ein böser oder ein guter Mensch ist. Die Bezeichnung sagt nur, dass diese Person weiß, dass es noch eine andere Welt gibt als die diesseitige, sichtbare.

Erkennst Du Dich hier vielleicht sogar wieder? Dann bist Du vielleicht eine Hexe. Dann bist Du vielleicht eine sehr alte Seele, die sich nach Spiritualität und Wissen sehnt. Du darfst natürlich eine Bezeichnung finden, die zu Dir passt. Eine Bezeichnung, die Du als passend empfindest. Ob Du Dich nun Hexe, PriesterIn, SchamanIn, Medium oder WeiseR nennst, ist letztlich völlig egal. Ob Du Dich in einer Religion zu Hause fühlen oder eine wilde Mischung bevorzugen, liegt ebenso in Deinen Händen.

Vielleicht findest Du, dass nichts so richtig passt. Dann bleib doch einfach bei der Bezeichnung Mensch. Oder Du erfindest ein Wort. Wie auch immer Du Dich entscheidest:

„Lass Dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“

Astrid Lindgren

Von Monaten, Monden und dem richtigen Zeitpunkt

Der Jahreskreis

„Jegliches hat seine Zeit,
Steine sammeln, Steine zerstreu’n,
Bäume pflanzen, Bäume abhau’n,
Leben und sterben und Frieden und Streit.“

Puhdys „Wenn ein Mensch lebt“

Auch energetisch gesehen, ist es wie in diesen Liedzeilen, die einige von Euch vielleicht kennen. Alles hat seine Zeit. Die Jahreszeiten, Monate, Monde, Wochen, Tage bis hin zu den einzelnen Stunden haben ganz unterschiedlich gelagerte Energien und Qualitäten, die wir für uns nutzen können.

Schon der Psychologe Carl Gustav Jung, der Pionier der psychologischen Astrologie, vertrat die Ansicht, dass es bestimmte Zeitqualitäten gibt, die man anhand astrologischer Berechnung ablesen könne. Er betonte dabei, dass die Planeten diese Zeitqualität nicht beeinflussen oder gar schaffen würden, sondern lediglich anzeigen würden – wie eine Uhr die Zeit nicht schafft, sondern nur anzeigt.

Wenn man nun davon ausgeht, dass jeder Moment eine spezielle Energie hat, dann bedeutet das auch, dass es für bestimmte Vorhaben passende und weniger passende Zeiten gibt. In der Magie wird genau das angenommen.
Die verschiedenen Götterfeste, Mondstände, Planetenläufe zeigen uns die richtigen Momente für weltliche Themen wie Umzüge, Gehaltsverhandlungen, Bewerbungsgespräche und Dates. Aber sie zeigen auch die passende Zeit für Liebeszauber, Geldkerzen und Meditationen.

So ist es zum Beispiel sinnvoll, sich den richtigen Moment für ein Gespräch mit dem Chef über die lange ersehnte Gehaltserhöhung herauszusuchen und nicht etwa einen Moment, der energetisch eher einer erhöhten Sparsamkeit entspricht.

Dabei gilt: Je genauer der Moment passt, umso stärker die jeweilige Energie. Natürlich genügt in Ausnahmefällen der passende Tagesregent, allerdings sollte doch zumindest auch der Mondstand berücksichtigt werden. Am Anfang mag Dir das vielleicht umständlich oder gar kompliziert erscheinen aber wenn Du Dich darauf einlässt, verspreche ich Dir eine Bereicherung Deines Alltags!

Die Monate

Die Monatsenergien ergeben einen Lauf durch den Jahreskreis und beziehen sich immer auf die Mondphasen. So wirkt die jeweilige Energie immer von Neumond zu Neumond mit der Kraft des jeweils eingeschlossenen Vollmondes.

Januar – Wolfsmond
Mit dem ersten Vollmond im Jahr werden die Tage zwar schon wieder spürbar länger, aber noch herrscht – meist eisige – Kälte. Immer noch regeneriert sich die Natur im Verborgenen, doch wissen wir, dass unter der Erde schon neues Leben beginnt. Jetzt ist die richtige Zeit für Planungen, Visionen und Vorbereitungen.

Februar – Sturmmond
Und endlich sind sie da: Die ersten Vorboten des nahenden Frühlings zeigen sich. Haselnuss, Weidenkätzchen und vereinzelte Schneeglöckchen lassen die nahende Fülle erahnen. Die neue, frische Kraft wird langsam sichtbar und energetisch fühlbar.

März – Saatmond
Die Natur erwacht nun endgültig, was man auch deutlich sehen und mit allen Sinnen erleben kann. Es ist dennoch eine Zeit des Kampfes, denn der Winter will seine Herrschaft scheinbar nicht hergeben. Trotzdem siegt das Licht über die Dunkelheit, denn die Tage werden nun wieder länger.

April – Frühlingsmond
Die Natur zeigt sich von ihrer schönsten Seite: Überall blüht und grünt es, es ist die Zeit der größten Fruchtbarkeit. Trotzdem wollen Pflanzen gehegt, Felder beackert werden und auch unsere Pläne und Vorhaben brauchen Pflege, damit sie nicht „ins Kraut schießen“.

Mai – Liebesmond
Blüten an Sträuchern und Bäumen verblühen, der Grundstein für die Erneuerung des Lebens ist damit gelegt. Es beginnt die Zeit der Liebe und Harmonie. Die Natur ist scheinbar in absoluter Balance: Die Kälte des Winters ist vorbei (auch nachts) und die Hitze des Sommers ist noch nicht angekommen.

Juni – Honigmond
Die Natur geht ihrem Höhepunkt entgegen, die Bienenstöcke sind mit süßem Honig gefüllt. Die Tage sind nun am längsten im Jahr. Wir Menschen streben nach Freiheit und Zeit unter freiem Himmel. Energetisch geht es um Expansion, Ausdehnung und Fülle.

Juli – Kräutermond
Der Höhepunkt des Jahres ist zwar bereits vergangen, doch erleben wir jetzt die größte Fülle. Überall finden wir Früchte, Getreide und Gemüse, gleichbedeutend mit Zufriedenheit und Wohlstand. Auch energetisch können wir noch aus dem Vollen schöpfen.

August – Getreidemond
Es ist Erntezeit. Das Alte ist verbraucht und es wird Zeit für die neue Ernte. Die Lager füllen sich. Es ist der Monat des Sammelns und Erntens. Aber auch der Planung: Denn im geernteten Korn und der toten Pflanze lebt bereits das Versprechen auf die Fülle im nächsten Jahr.

September – Erntemond
Was im August begann, wird fortgesetzt. Vorräte werden angelegt. Auch energetisch können wir uns jetzt einen Vorrat für die kommende „dunkle Zeit“ zulegen, aus dem wir dann später schöpfen können.

Oktober – Jagdmond
Es beginnt die Vorbereitung für die dunkle Jahreszeit. Es wird gejagt, die Vorräte werden geprüft und gegebenenfalls ergänzt. Es ist die Zeit der Übergänge und mit den Herbststürmen beginnt auch die Herrschaft des Winters.

November – Schneemond Die Ruhephase der Natur beginnt, alles zieht sich in den Schoß der Erde zurück, wo es sich regenerieren und Kraft für das nächste Jahr schöpfen kann. Es ist außerdem die Zeit der Bilanz: Was ist gewachsen? Was ist verloren gegangen? Was ist für eine bessere Ernte im nächsten Jahr nötig?

Dezember – Eichenmond
Es ist die dunkelste Zeit des Jahres, gleichzeitig aber nimmt das Licht wieder zu, die Tage werden kaum merklich länger. Es ist die Zeit der Hoffnung und Wiedergeburt.

Der Mond

Der Mond und seine Veränderungen dürfte zu den ältesten Wissenschaften der Welt gehören. Zwar weiß niemand so genau, wann die ersten Menschen bewusst in den Himmel geschaut und sich Gedanken über die Mondwanderungen gemacht haben, allerdings ist bekannt, dass es schon vor ca. 100.000 Jahren die ersten Astronomen gab, denen die wechselhaften Phasen des Mondes aufgefallen sind. Den Steinzeit-Menschen blieb dann wohl auch nicht lange verborgen, dass die Zeitspanne von Vollmond zu Vollmond – also ca. 29 Tage – erstaunlich gut mit der Dauer des weiblichen Zyklus übereinstimmt. Auf mehr als 30.000 Jahre alten Höhlenzeichnungen sind Frauen als Fruchtbarkeitsgöttinnen gemeinsam mit dem Mond erkennbar. Man ging ebenso davon aus, dass der zu- bzw. abnehmende Mond die Energien auf der Erde verändert.

Vollmond
Der volle Mond eignet sich für alle Arten von Ritualen. Er hat besonders viel Energie. Der Vollmond ist der Höhepunkt der möglichen Energie. Mehr geht nicht. Die Vollmondenergie beginnt ca. 24 Stunden vor dem eigentlichen Vollmondzeitpunkt und endet ca. 24 Stunden danach.

Abnehmender Mond
Bei abnehmendem Mond nimmt auch die Energie ab – es sollten also Rituale gewirkt werden, bei denen etwas weniger werden soll.

Neumond
Es war lange Zeit verpönt, den Neumond für Rituale zu verwenden, weil man glaubte dass auch der Mensch pausieren sollte, wenn der Mond sich eine Pause gönnt. Allerdings eignet sich diese Zeit sehr gut für Neuanfänge aller Art und die innere Einkehr.

Zunehmender Mond
Der zunehmende Mond eignet sich für Rituale, bei denen etwas mehr werden oder wachsen soll.

Die Tagesregenten

Jedem Tag ist ein Planetenherrscher zugeordnet, der die Tagesqualität definiert. Dieser sollte mindestens berücksichtigt werden, wenn man ein Ritual oder ähnliches durchführen möchte. Zudem kann es hilfreich sein, auch für wichtige Projekte und Termine den richtigen Start- oder Zeitpunkt zu suchen, um eben die jeweiligen Energien und deren Potenziale auszuschöpfen.

Zwar gibt es verschiedene Theorien, dass ein “Hexentag” mit dem Sonnenuntergang des vorangegangenen Tages beginnen würde, doch geht diese Sichtweise eher auf die jüdischen (und später christlichen) Traditionen der Sabbate zurück, die bereits ab Sonnenuntergang des Vortages gefeiert werden – z. B. das Weihnachtsfest mit dem Heiligen Abend zuvor.

Montag – Der Mond
Der Planetenherrscher am Montag ist – wie man am Namen schon hören kann – der Mond. Der Mond steht für Weiblichkeit, Intuition und Spiritualität. Daher ist der Mondtag ganz besonders für Termine geeignet, in denen Dein Bauchgefühl eine wichtige Rolle spielt. Dies birgt natürlich auch die Gefahr, sehr sensibel und weich zu wirken und zu agieren. Daher ist der Montag für Verhandlungen und Konflikte aller Art nicht gut geeignet.

Dienstag – Der Mars
Im französischen Wort für Dienstag “mardi” hört man die Herkunft noch: Dienstag ist Mars-Tag. Der Mars steht für energische Energien, Mut und Tatkraft. Er ist der perfekte Tag für Gespräche, bei denen man mal auf den sprichwörtlichen Tisch hauen muss. Auch Termine, für die man Mut aufbringen muss, sind am Dienstag perfekt gelegt. Verhandlungstermine bei denen Geschick gefragt ist oder Projekte bei denen Du Dich etwas zurücknehmen solltest, sind an einem anderen Tag besser aufgehoben.

Mittwoch – Der Merkur
Merkur steht für Kommunikation und Verhandlungen. All das, wo es um Kompromisse geht, darf gern auf den Mittwoch gelegt werden. Der negative Aspekt besteht darin, dass man eventuell zu schnell nachgibt oder sich zu leicht auf Zugeständnisse und Vergleiche einlässt.

Donnerstag – Der Jupiter
Im deutschen Wort Donnerstag wird dem nordischen Gott Donar (Thor) gedacht, der Herrscher des Tages ist jedoch Jupiter – wie man im französischen “jeudi” noch hören kann. Jupiter ist der Glücksplanet, er stärkt finanzielle und berufliche Situationen, ist aber generell der “Erfüller”. Die Schwäche dieses Tages liegt in der unreflektierten Freigiebigkeit und der Gefahr, an diesem Tag etwas ausgenutzt zu werden.

Freitag – Die Venus
Venus, die Göttin und der Planet der Liebe! Alles, was mit Liebe, Zuneigung und Harmonie zu tun hat, sollte an einem Freitag geschehen – so z. B. erste Dates, Hochzeiten, Verlobungen etc. Der Freitag ist der romantischste aller Tage. Allerdings läuft man Gefahr, vieles durch die sprichwörtliche rosarote Brille zu sehen.

Samstag – Der Saturn
Zwar ist die Angst vor dem Saturn als Spielverderber-Planet unbegründet, doch ist die Energie des ständigen Hinterfragens nicht zu unterschätzen. Dinge, die zu Ende gehen sollen, sollten an einem Samstag erledigt oder zumindest begonnen werden. Daher sollten Ehen möglichst nicht an diesem Tag geschlossen werden.

Sonntag – Die Sonne Der letzte Tag der Woche steht dann unter der Herrschaft der Sonne. Diese steht zum einen für männliche und kraftvolle Energien, zum anderen aber auch für Vitalität und Strahlkraft. Allerdings kann ein zu helles Licht leicht auch andere Dinge überstrahlen – zum Vor- aber auch zum Nachteil.

Nun gibt es zusätzlich noch die Stundenregenten, die je nach Wochentag und Uhrzeit verschieden sind. Jedoch führt das hier zu weit und erschwert denen, die gerade erste Schritte im Bereich der Rituale gehen, zusätzlich den Einstieg. Bei Bedarf sind entsprechende Tabellen auf Anfrage kostenfrei bei mir via Email zu bekommen.

Ich selbst beachte die oben genannten Energien für meine Jahres-, Monats- und Wochenplanung. Probiert das doch mal aus und verratet mir, wie Ihr das umsetzen könntet.

Von göttlichen Begegnungen und Glauben im Alltag

Glaube (im religiösen oder spirituellen Sinne) ist für mich tief im Alltag verwurzelt und nicht auf einen Kirchgang in der Woche und zu Weihnachten beschränkt. Früher war ein vor dem Essen gesprochenes Gebet eher eine allgemeine Pflicht, heute zeugt es meist von wahrer Dankbarkeit – sich Zeit zu nehmen für ein kurzes Innehalten. Für mich bedeutet Spiritualität, die Göttlichkeit in jedem Augenblick wahrzunehmen und an diese Wahrnehmung auch meine Entscheidungen, ja meinen Alltag auszurichten.

Nun geht es für mich nicht darum, ob ich nun einen riesigen Thorshammer um den Hals trage oder mich in der hiesigen Heidengemeinschaft wirkungsvoll und öffentlich zeige. Für mich geht es darum, die Götter an meinem Leben teilhaben zu lassen. Gebet, Rituale und verbindliche Werte gehören für mich ebenso dazu, wie achtsam mit der Umwelt umzugehen und nett zu meinem Nachbarn zu sein.

Vor einiger Zeit las ich eine tolle Geschichte, die ich gern mit Euch teilen möchte:

Hättet Ihr ihn erkannt?

An einem warmen Tag in einer kleinen Stadt saßen zwei Männer an einer Bushaltestelle. Ein zufälliger Passant hätte sie nicht weiter beachtet. Einer trug eine nicht mehr ganz saubere Khaki-Hose und schicke schwarze Turnschuhe. Seine obersten Hemdknöpfe waren offen und gaben den Blick frei auf ein schwarzes T-Shirt, von dem sich ein kleiner silberner Anhänger in Hammerform abhob. 
Er blickte sich wiederholt verstohlen nach dem Bus um; zwar wusste er, dass es dafür noch etwas zu früh war, doch etwas machte ihn unruhig.

Sein Gefährte sah alles andere als unruhig aus. Er lehnte sich gemütlich auf der Bank zurück; die Säume seiner abgewetzten Jeans flatterten etwas in der Brise. Er trug ein altes Sweatshirt der Minnesota Vikings, und sein großer Hut überschattete den grauen Bart bis zu den Spitzen des Hörnerhelms auf dem Sweatshirt. Die Schuhe – eine Kreuzung aus Sneakern und Stiefeln – überkrustete eine dünne Lehmschicht. Fast schien er die offensichtliche Unruhe seines Gegenübers zu genießen, während er mit seinem Gehstock spielte.

„So“, sagte der Mann in dem Vikings Sweatshirt, „Schöner Tag heute, nicht?“
„Äh, ja“, sagte der andere, zusammenzuckend, als hätte ihn jemand plötzlich aus dem Tiefschlaf geweckt.
„Und, wie heißt Du ?“, fragte der graubärtige Mann.
„Knott…“ sagte der andere, in der Hoffnung, das Gespräch mit dem komischen Alten an dieser Stelle beenden zu können, „Dieter Knott.“
„Interessanter Name“, sagte der ältere Mann. „Mir ist eben dein Anhänger aufgefallen. Bedeutet er etwas besonderes, oder trägst du ihn nur wegen der Optik?“
Dieter stotterte, er hasste diese Frage, auch wenn es nicht das erste Mal war.
„Nun… es ist etwas, äh, Spirituelles.“
„Ah“, sagte der andere „so wie… New Age, oder so?“
„Ja“, sagte Dieter und bemerkte zum ersten Mal, dass eins der Augen des andern nicht ganz richtig blickte, vielleicht ein Glasauge, „so was in der Art, es.. es hat was mit der alten skandinavischen Religion zu tun.“
„Soso. Du meinst, mit Thor und Frey und all diesen Göttern?“
„Ja“, sagte Dieter, erleichtert, dass er zur Abwechslung nicht alles komplett von vorn erklären musste, während ihn jemand mit großen Augen und offenem Mund anstarrte, als wüchse ihm ein Fisch aus dem Kopf. „Haben Sie davon gehört?“
„Ich glaube, ich hatte vor langer Zeit mal einen Kurs darüber an der Uni.“ Der Alte zwinkerte ihm mit seinem normalen Auge zu, das andere starrte Dieter reglos und durchbohrend an. „Ich wette, du weißt alles über ihre Geschichte und so weiter ?“
„Oh ja!“ Dieter wurde rot vor Aufregung. Diese Art Unterhaltung gefiel ihm. Er hatte monatelang die Eddas und Sagas studiert, hatte sich im Internet die Nächte um die Ohren geschlagen, um jedes bisschen Information aufzuschnappen. Er war bis zum Bersten angefüllt mit Wissenschaft, Zitaten und Meinungen. „Ich weiß da schon einiges über die Mythologie und Geschichte.“
Der alte Mann schien überlegen. „Nun“, sagte er, während er von irgendwoher eine braune Papiertüte her nahm, „also kennst du den Namen von Frey´s Boot?“ Er öffnete die Tüte und fing an, Körner auf dem Boden zu verstreuen.
„Na klar“, sagte Dieter. Zwei große schwarze Vögel ließen sich nieder und begannen, die Körner aufzupicken. „Freys Boot heißt Skidbladnir.“
Der andere runzelte die Stirn, als hätte er eine etwas weitschweifigere Antwort erwartet, grunzte kurz und fuhr fort: „Und du weißt wohl auch, wie Thors Hammer heißt?“
„Mjöllnir“, sagte Dieter exakt.
„Und wer hat ihn gemacht?“
„Die Zwergenschmiede Brokk und Eitri.“
„Und ich nehme an, Du kennst den Namen der Welt, die wie Feuer brennt?“, fragte der glasäugige Mann nachdenklich.
„Das ist Muspellheim“, sagte Dieter. Die Unterhaltung fing an, ihm richtig Spaß zu machen. Es war klasse, sich mal mit jemand zu unterhalten, der auch etwas von den Quellen verstand.
„Und die Welt aus gefrierendem Nebel?“, fragte der andere, den die Kürze und das schnelle Tempo der Antworten irgendwie zu stören schien. Einer der schwarzen Vögel krächzte.
„Niflheim.“
„Wo wird die letzte Schlacht stattfinden?“
„Auf der Vigrid-Ebene.“
„Wie ist der Name von Njörd´s Frau?“
„Skadi.“
„Und Du weißt, was ich mit den Reden des Hohen meine?“
Dieter dachte kurz nach, „Das Havamal.“
„Nun, Du beherrscht deinen Stoff wirklich“, sagte der graubärtige, „Du hättest damals meinen alten Prof in die Tasche stecken können, wenn Du im Kurs gewesen wärst. Und, bedeuten Dir die Götter auch was, abgesehen von der Mythologie?“
„Ja“, sagte Dieter, unangenehm berührt von dieser Wendung des Gesprächs, von der einfachen Wissenswiedergabe wieder hin zu seinen Glaubensvorstellungen. „Es ist eine Religion namens Asatru, die sich auf die alten Götter und so bezieht.“

„Das hört sich schon cool an, Junge“, sagte der Graubärtige, „und jetzt habe ich eine letzte Frage an Dich.“ Dieter sah den Alten an; die beiden Raben hoben erwartungsvoll die Köpfe. Dieters Sicht verschwamm etwas, und er sah, wie das Glasauge schwarz wie Nacht wurde, bis es gar nicht mehr da zu sein schien. Des alten Mannes Gehstock schimmerte an der Spitze wie Metall, und in dem hellen Schein schien das Sweatshirt nicht viel anders auszusehen als ein bläulicher Reisemantel. „Wer bin ich?“
Dieter schüttelte seinen Kopf und blinzelte ein paar Mal. „´Tschuldigung“, sagte er, „war irgendwie kurz abwesend. Ah… ich kenne Sie nicht, wir haben uns doch gerade erst getroffen.“
Der graubärtige Mann in dem Vikings Sweatshirt runzelte die Stirn und sah enttäuscht aus. „Tja, dann wohl nicht, Junge.“ Er stand auf und nahm seinen Gehstock. „Nun, ich muss weiter. Pass auf wegen all diesen Büchern und Artikeln, Junge, wenn Du zulange diesen gelehrten Kram liest, wirst Du noch blind.“
„Ja, vielleicht“, sagte Dieter und lachte ein bisschen gezwungen, während der einäugige Mann davon schritt. Er merkte es nicht einmal, als die zwei Raben aufflogen und ihm folgten.
© Original „Odin and the Asatruar“: Matthias Wilson

Was, wenn Gott einer von uns wäre?

Diese Geschichte hat mich sehr berührt. Ich hab mich oft gefragt, ob ich ihn erkannt hätte. Ihn – den obersten meiner Götter, den Göttervater Odin. Und was wäre überhaupt, wenn die Götter mitten unter uns wären?

„Was wäre, wenn Gott einer von uns wäre?
Nur so ein Lümmel, wie wir welche sind?
Nur so ein Fremder im Bus,
Der irgendwie nach Hause kommen will? „

Joan Osborne „One of us“

Ich sauge Wissen um Mythologie und Religionsgeschichte auf wie ein Schwamm und teile dieses Wissen gern auch wieder. Stundenlang könnte ich mich über Religionen unterhalten und sicher auch viele Fragen dazu beantworten. Und doch, so kam ich zum Schluss, bin ich mir im innersten sicher, dass ich ihn erkannt hätte. Eben weil sich meine Spiritualität nicht auf die Theorie bezieht. Schon ein paar Mal habe ich in Ritualen, aber auch im alltäglichen Trubel diese besondere göttliche Präsenz gespürt. In diesen Situationen spürte ich deutlich, dass es die Götter gibt und sie sowohl fühlbar, als auch ansprechbar sind – vielleicht sogar manchmal mitten unter uns.

Du hast selbst sicher solche Momente auch schon erlebt. Wenn Du jemandem Fremden kurz in die Augen schaust und vielleicht sogar kurz irritiert bist. Du kennst bestimmt dieses Kribbeln auf der Haut, diese besondere Energie, dieses Bauchgefühl. Dieser Moment, wenn Spannung in der Luft liegt und sich ein ganz besonderer Friede auf Deine Seele legt. Ob Du dieses besondere „etwas“ mit dem Göttlichen in Verbindung gebracht hast, weiß ich nicht. Ich sehe da aber schon einen Zusammenhang.

Mehr als nur Theorie

Für mich sind auch die Göttergeschichten keine Theorie, sondern ein Beispiel, aus dem ich lerne. Zum Beispiel habe ich aus der Geschichte um Balders Tod gelernt, was ich seitdem immer im Hinterkopf habe – und sogar im Film „Kung Fu Panda“ wunderschön formuliert hörte:

“ Oftmals begegnet man seinem Schicksal auf eben jenem Weg, den man einschlägt um es zu vermeiden.“

Master Oogway

Oder auch, dass eben nicht alles so ist wie es scheint und jeder (ganz egal ob Mensch oder Gott) seine Geschichte hat und dieser Geschichte entsprechend handelt. Die alten Mythen sind sozusagen Hilfestellungen, damit ich ein besserer Mensch werden kann – zum Wohle der Gemeinschaft. So definiere ich übrigens auch die Geschichten anderer Religionen wie die Bibel, die Thora und den Koran. Meiner Meinung nach sind das alles Hilfestellungen, um seinen Platz im Leben zu finden – keine Bedienungsanleitung für das Leben, die man 1:1 übernehmen kann. Dafür muss man selbst Verantwortung übernehmen, Irrwege erkennen und voller Vertrauen und Neugier seinen Weg gehen. Und genau das macht das Leben doch so lebenswert, oder?

Von großen Löffeln und kleinen Veränderungen

„Einst kam ein Mann zum Propheten Elias. Ihn bewegte die Frage nach dem Himmel und Hölle, wollte er doch seinen Lebensweg bewusst gestalten.
Da nahm ihn der Prophet bei der Hand und führte ihn durch dunkle Gassen in einen großen Saal, wo sich viele ausgemergelte Gestalten um die Feuerstelle drängten. Dort brodelte in einem großen Kessel eine köstlich duftende Suppe. Jeder der Leute besaß einen gusseisernen Löffel, der so lang war wie er selbst. Der Löffel war aufgrund seiner Größe zu schwer, um allein damit die Suppe zu schöpfen, und zu lang, um damit Nahrung zum Mund führen zu können. So waren die Menschen halb wahnsinnig vor Hunger und schlugen aufeinander ein vor Wut. Da fasste Elias seinen Begleiter am Arm und sagte: ‚Siehst du, das ist die Hölle!‘
Sie verließen den Saal und traten bald in einen anderen. Auch hier waren viele Menschen. Auch hier wieder ein Kessel Suppe. Auch hier die riesigen Löffel. Aber die Menschen waren wohlgenährt, und man hörte in dem Saal nur das zufriedene Summen angeregter Unterhaltung. Männer und Frauen hatten sich zusammengetan. Einige tauchten gemeinsam die schweren Löffel ein und fütterten die Gegenübersitzenden. Umgekehrt geschah es ebenso. Auf diese Weise wurden alle satt. Und der Prophet Elias sagte zu seinem Begleiter: ‚Siehst du, das ist der Himmel!'“
Nossrat Pesechkian, pers. Arzt u. Psychotherapeut

Was für eine Geschichte!

Diese Geschichte habe ich vor einigen Jahren zum ersten Mal gelesen und sie hat mich bis heute nicht losgelassen. Ich habe viel darüber nachgedacht und tue das auch noch heute. Immer dann, wenn ich sehe, wie Menschen auf Kleinigkeiten beharren oder wenn es um Futterneid geht, habe ich das Bild mit den großen Löffeln im Kopf.

Auf den ersten Blick ist das alles ja völlig logisch und man könnte schnell versucht sein, die Leute im ersten Raum dumm zu finden und zu verurteilen. Aber im Alltag benehmen sich viele Menschen genau so.

Wenn ich zum Beispiel von Zuhause aus ins AstroTV-Studio möchte, muss ich einmal komplett durch Berlin fahren. Ich wohne nämlich am östlichen Stadtrand, der Sender befindet sich fast am westlichen. Ich habe schon oft beobachtet, wie sich zwei Autofahrer am Beginn einer Baustelle minutenlang streiten, wer denn jetzt Vorfahrt hätte. Es hätte ein paar Sekunden gedauert, jemanden, der vielleicht aus meiner Sicht im Unrecht ist, einfach vorzulassen. Doch irgendwie geht es ja auch ums Prinzip, wird mir dann gesagt. Man könne ja nicht immer die anderen vorlassen, sonst würde man selbst ja nie ans Ziel kommen.

So geht es in vielen Situationen: Man lässt den jungen Mann, der in der Schlange an der Kasse ständig auf die Uhr schaut, nicht einfach vor gehen – man hat ja selbst die Zeit nicht gestohlen. Man lässt den Fahrstuhl, in dem man steht, die Türen schließen und davonfahren, obwohl man gesehen hat, dass noch jemand angelaufen kam. Man legt sich das größte Stück Fleisch auf den Teller, obwohl man schon vermutet es nicht zu schaffen, nur damit kein anderer das Stück bekommen kann. Ich könnte sicherlich endlos Beispiele aufzählen, aber ich bin sicher, Du weißt, worauf ich hinaus will. Immer geht es darum, der erste zu sein oder am meisten zu haben.

Evolution oder Erziehung?

Ich verstehe schon den evolutionären Sinn hinter solchem Verhalten: Früher war es dem Überleben nicht zuträglich, zuerst alle anderen auf der Flucht vor dem Säbelzahntiger in die Höhle zu helfen und dann am Ende selbst gefressen zu werden. Und es ist auch noch gar nicht so viele Generationen her, da hat das Essen nicht für alle gereicht, da musste man schnell sein. Aber fühlen wir uns in der westlichen Welt nicht alle so erhaben? Glauben wir nicht, wir wären moderne Menschen, die alles im Griff hätten? Müssten wir dann nicht längst auch steinzeitliche Verhaltensweisen abgelegt haben? Zumal sich nun wahrlich nicht jedes Verhalten evolutionär-neurologisch erklären lässt, wie eine Studie herausgefunden hat. Hier wurde nämlich ganz deutlich herausgestellt, dass Großzügigkeit antrainiert und nicht angeboren ist. (Link)

Das bedeutet, dass man Großzügigkeit und Freigiebigkeit lernen kann. Doch wie? Meiner Meinung nach, in dem Du es Dir in Deinem Alltag bewusst machst, dass Du keinen Schaden nimmst. Ich bin überzeugt davon, dass sogar das Gegenteil der Fall ist. Ich glaube an ein gewisses Karma, an eine schicksalshafte ausgleichende Gerechtigkeit. Tue ich jemandem etwas Gutes, wird irgendwer anderes auch mal etwas Gutes für mich tun. Aber auch das ist kein Kuhhandel! Hier geht es nicht darum, eins zu eins etwas zurück zubekommen.

Kleine Geste, große Wirkung.

Wir sind uns manchmal gar nicht bewusst, welch große Auswirkungen unser Tun auf das Leben anderer hat. Mit einer kleinen Geste können wir vielleicht sogar das Leben eines anderen Menschen verbessern! Eine liebe Freundin von mir, Tanja, postete vor einiger Zeit folgendes auf Ihrem Facebook-Profil:

„Mir ist heute etwas ganz wichtiges und unglaubliches passiert. Für einige von euch vielleicht keine große Sache, für mich persönlich aber wie ein kleines Wunder. Weil man das sonst nur in Videos im Internet sieht. Aber nicht wirklich glaubt das einem so etwas mal selbst passiert. 
Deswegen würde ich diese kleine Begebenheit heute gerne mit euch teilen. Ich habe mich heute relativ spontan, mit einer lieben Freundin und ihrer Mama am Alexanderplatz getroffen.
Ich war relativ übernächtigt, wollte mir diese seltene Gelegenheit aber denn noch nicht entgehen lassen. Also führte der erste Weg zu einem großen, namhaften Coffeeshop in einer Mall. 
Die Schlange war sehr lang, also unterhielt ich mich mit besagter Freundin über Ihren Urlaub ohne weiter über die Menschen um mich herum nachzudenken. Vor uns in der Schlange stand ein groß gewachsener, junger Mann. Ich hörte beiläufig Wortfetzen.“ Sehr großzügig“ , war was ich unter anderem auf schnappte. Mein beiläufiger Gedanke war dass er ihr vermutlich ein großzügiges Trinkgeld gegeben hatte. Und ich dachte noch wer diesen Job bei dieser Gluthitze den ganzen Tag macht, verdient wohl auch ein großzügiges Trinkgeld. Dann war ich an der Reihe. Ich wollte mir endlich meinen Caramel Latte bestellen, um meine Motor zum Laufen zu bringen und den Tag genießen zu können. Als ich mich ans Bezahlen machen wollte, wies mich die Barista darauf hin, dass der Kaffee bereits von dem jungen Mann vor mir bezahlt worden wäre. Ich war völlig geschockt. Ich will ganz ehrlich sein mein erster komischer Gedanke war, ist das eine seltsame Anmache?(Da sieht man mal wie grundsätzlich misstrauisch man selbst mittlerweile gegenüber vielem ist.) Ich fing etwas verwirrt an zu stammeln.“Wie der Kaffee ist bezahlt?“ Die Dame lächelt mich freundlich an. Versicherte mir dann noch mal, dass der Mann vor mir die Rechnung beglichen hätte. Um mir eine Freude zu machen. 
Ich bin dem Herrn dann nach gegangen und musste mich einfach bedanken. Natürlich habe ich gefragt, warum er das getan hat.
Er antwortete mir, er hätte in letzter Zeit selbst eine sehr schwere Zeit durch gemacht. Auf genaueres ging er nicht ein. Und deshalb wollte er jemanden eine Freude machen. Einfach so.
Wer mich näher kennt, weiß wie gerührt ich jetzt war. Und ich muss sagen ich hatte Mühe nicht die Fassung zu verlieren.
Ich gab ihm die Hand, bedankte mich erneut von Herzen und wünschte ihm, ebenso von Herzen, das seine schwere Zeit bald vorüber sein möge.
Er bedankte sich und jeder ging seiner Wege. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum mich das heute getroffen hat. Aber es hat mich unglaublich berührt.“

Was glaubst Du, wie es meiner Freundin Tanja an diesem Tag ging und bis heute geht, wenn sie an diese Geschichte denkt? Sie fühlte sich ganz fröhlich, leicht und – im wahrsten Sinne – beschenkt. Eine kleine Geste hat zwei Menschen sehr glücklich gemacht: Einen Menschen der etwas herschenkte und einen Menschen, der beschenkt wurde. Einfach so. Ganz leicht. Wenn nun jeder einem Menschen eine kleine Freude machen würde, würde eine riesige Welle des Glücks über die Welt schwappen. Stell Dir vor, das würde jeden Tag passieren. Wäre es nicht wunderbar, wenn dadurch die Welt ein kleines (oder auch ein großes) Stückchen besser würde?

Natürlich geht es nicht darum, jeden Tag wildfremden Menschen einen Kaffee auszugeben. Und bitte verwechsle Großzügigkeit auch nicht mit Selbstaufgabe. Aber nimm Dir doch einfach einmal vor, heute drei Menschen eine Freude zu machen: Lass die gestresste Mama mit dem schreienden Kind an der Kasse einfach vor, halte jemandem die Fahrstuhltür auf, bring Deiner Kollegin eine schöne Blume mit zur Arbeit… Die Möglichkeiten sind endlos. Vielleicht schenkst Du auch einfach nur ein nettes Wort. Ich verspreche Dir: Du verschönerst nicht nur den Tag zweier Menschen, sondern ein Stück weit auch beider Leben.

Von Regenbögen, Gebeten und Gottes Telefonnummer

In meinem Hexenkalender oder auch in meinen TV-Sendungen spreche ich sehr oft davon, dass bestimmte Götter oder Naturgeister „angerufen“ werden können. Offenbar führt dies regelmäßig zu Verwirrungen. Viele fragen sich, was das genau bedeutet. Außerdem bekam und bekomme ich noch immer viele Anfragen dazu, wie man die Götter denn nun genau ansprechen müsse und ob man etwas falsch machen könne. Manchmal werde ich auch gefragt, ob man denn beten muss. Ich möchte diesen Blogartikel nutzen, um meine Sicht der Dinge mit Dir zu teilen.

Anrufung ist gleich Gebet. Oder doch nicht?

Zunächst ist eine Anrufung nicht anderes als ein Gebet. Man kann beide Worte synonym verwenden. Laut dem Internet-Lexikon Wikipedia bezeichnet das Wort Gebet „eine zentrale Glaubenspraxis vieler Religionen. Es ist eine verbale oder nonverbale rituelle Zuwendung an ein transzendentes Wesen.“ Das bedeutet: sobald wir uns an einen Gott oder eine Göttin wenden, ist es ein Gebet. Dabei ist es unerheblich, ob wir sprechen, singen, tanzen, eine Kerze entzünden oder uns in Gedanken an das Göttliche wenden.

Wenn ich von einem Gebet spreche, denken die meisten allerdings nur an einen vorgegebenen, vorformulierten Gebetstext wie z. B. das Vaterunser aus den christlichen Kirchen.
Daher nutze ich manchmal das Wort Anrufung um eben zu verdeutlichen, dass ein Unterschied besteht zwischen einem fertigen Gebetstext, den man „herunterbetet“, weil es eben zu einer bestimmten Routine gehört; und eben einer Anrufung, die mehr oder weniger frei formuliert wird, um seine Gedanken, Wünsche und Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Selbstverständlich kann man auch ganz intensiv einen vorformulierten Text beten und mit vollem Herzblut dabei sein – keine Frage.

Man muss richtig beten, sonst wird man nicht gehört, oder?

Doch was ist richtig und was ist falsch? Ich hörte in den letzten Jahren immer wieder davon, dass man „richtig“ zu den Engeln beten müsse, sonst würden sie die Gebete nicht „akzeptieren“. Das stimmt jedoch nicht. Niemals gibt es eine Einschränkung in der Art des Gebets, sofern das Gebet aus dem Herzen kommt (das halte ich übrigens für elementar und als einzige Bedingung an ein Gebet). Denn ganz ehrlich: Wenn die Götter uns kennen (und davon gehe ich aus), sie uns die Sprache gebracht und uns eventuell sogar geschaffen haben – warum sollten sie dann nicht verstehen, dass sich all unsere Emotionen in unseren Gebeten widerspiegeln? In einem Gebet darf man weinen, lachen, jammern, flehen, schimpfen, bitten und auch verhandeln.

„Beten ist das Atemholen der Seele“

John Henry Newman

Nein, natürlich muss man nicht beten. Aber man kann. Und zwar immer dann, wenn man möchte. In jeder Situation des Lebens. Ich hörte auch von Menschen, die unter der Dusche oder sogar auf der Toilette beten. Wenn Dir das zu sagt, warum nicht? Für mich passt das nicht, aber hier darfst Du Dich frei fühlen. Natürlich darfst Du auch auf vorgefertigte, vielleicht schon seit vielen Jahrhunderten überlieferte Gebete zurückgreifen. Auch das hat eine ganz besondere Energie. Gerade dann, wenn sie Dich im Alltag immer wieder an das Göttliche erinnern.

Wenn zum Beispiel jüdische Menschen einen Regenbogen sehen, dann sprechen sie: „Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott; Du regierst die Welt. Du erinnerst Dich an Deinen Bund und bleibst ihm treu. Du stehst zu Deinem Wort.“

Viele Christen finden Trost in Psalm 23 der Bibel und das Rezitieren gibt ihnen Kraft: “ Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Im Islam ist das Witr-Gebet eines der wichtigsten und wird üblicherweise als letztes Gebet des Tages gesprochen: „O Allah, leite mich mit denen, die Du geleitet hast und heile mich mit denen, die Du geheilt hast, und beschütze mich wie die die Du beschützt hast, und segne das, was Du mir gegeben hast, und bewahre mich vor dem Schlechten, das Du beschlossen hast, denn nur Du bestimmst und niemand bestimmt über Dich. Wahrlich, niemand kann gedemütigt werden, wenn Du ihn beschützt. Und niemand kann die Oberhand gewinnen, dessen Feind Du bist. Gesegnet bist Du, unser Herr, und erhaben. Und Allah segne den Propheten Muhammad.“

Übrigens: Einige Christen kennen sogar die Telefonnummer von Gott: 5015 lautet sie. Das habe ich irgendwo mal in einem Kindergottesdienst gehört und finde das ganz schön. Diese „Telefonnummer“ bezieht sich auf Psalm 50 Vers 15: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“

Manchmal geht es nicht ohne.

Für Rituale sind Anrufungen ein grundlegender Baustein. Wenn nicht sogar der wichtigste Bestandteil überhaupt. Alles andere wie Kerzen, Räucherwerk, Deko etc. kann man austauschen oder teilweise sogar ganz weglassen – aber das Gebet nicht. Zu leicht vergessen wir, dass Worte eine ganz eigene und mächtige Energie in sich tragen. Nicht nur die Bedeutung selbst, sondern auch die Betonung, Stimme, Tempo, Lautstärke – das alles ist Energie, die in unsere Bitte oder unseren Wunsch fließt und damit zur Erfüllung beiträgt.

Vielleicht fällt es Dir zu Anfang schwer, die richtigen Worte zu finden. Ich fand früher fertige Gebetstexte oft hilfreich, weil ich nicht wusste wie ich mich nun respektvoll einer göttlichen Energie nähern kann. Aus Großbritannien kommt der (meiner Meinung nach schreckliche) Trend, Anrufungen und Gebete im Reim zu formulieren. Angeblich wäre dann die Energie stärker. Der Hinweis dazu findet sich sogar in der doch recht bekannten Wiccan Rede. Diese Meinung teile ich nicht. Es kann jedoch durchaus dabei helfen, sich das Gebet leichter zu merken und dann aus dem Kopf immer wieder frei sprechen zu können. Kurze Reime können dann wie ein Mantra gesprochen werden und führen natürlich auch zum Erfolg. Trau Dich, ein wenig rumzuprobieren, was für Dich am besten passt.

Eine Anleitung für Deine Anrufung

Vielleicht möchtest Du ausprobieren, ein Gebet frei zu formulieren? Dann lass Dein Herz sprechen. Vielleicht hilft Dir aber auch folgendes Grundgerüst:

  1. Überlege Dir, an wen Du Dich wenden möchtest und warum. Also an einen bestimmten Gott, eine bestimmte Göttin, einen Engel oder Naturgeist oder an die göttliche Energie ganz allgemein. (Ein Beispiel: zur aktuellen Erntezeit möchte ich die Göttin Demeter anrufen, damit mein neuestes Projekt erfolgreich wird.)
  2. Atme tief durch. Nimm Dir Zeit. Wenn jemand etwas wichtiges mit Dir zu besprechen hat, möchtest Du ja auch nicht, dass er es Dir zwischen Einkaufstüten und Briefkasten zuruft.
  3. Finde eine Ansprache. Verwende den Namen des angesprochenen Wesens. Wenn Du magst, kannst Du auch besondere Attribute hinzufügen. (In meinem Beispiel: Große Göttin Demeter; Göttin der Ernte, die die Fülle über die Menschen ausschüttet; Göttin der Fruchtbarkeit, die alle wachsen und gedeihen lässt.)
  4. Nenne Deinen Namen. Manche nennen die Namen der Eltern dazu. Das war in alten Zeiten üblich, fast schon unabdingbar. Ich selbst mache das aber nicht, sondern sehe mich selbst als Tochter der Götter.(In meinem Fall nun: Hier spricht Stefanie. Ich grüße Dich.)
  5. Worum geht es Dir? Hast Du Kummer oder einen Wunsch? Hier kannst Du nun Dein Anliegen formulieren. Ausführlich oder eher knapp – wie auch immer Du magst. (In meinem Beispiel: Demeter, ich habe ein Projekt begonnen und ich bitte Dich um Deinen Segen dafür. Ich bitte Dich, dass ich alle Hindernisse auf dem Weg zum Abschluss überwinden kann, dass das Projekt dem Wohle aller dienen mag und dass ich eine gute Ernte Heim bringen kann.)
  6. Optional kannst du ein Opfer anbieten. Du kannst zum Beispiel anbieten, etwas zu spenden oder etwas zu tun, wenn Dein Wunsch erfüllt wird. Aber bitte: Das soll kein Kuhhandel werden! Biete etwas an, was dem Wunsch angemessen ist. Du wirst spüren, ob dieses Opfer akzeptiert wird. Auch eine Räucherung oder eine Kerze in einer Kapelle kann ein Opfer sein. (In meinem Beispiel: Ich habe eine ganz besondere Räucherung aus meinem Urlaub in Deiner griechischen Heimat mitgebracht. Ich bitte Dich, dieses Geschenk als Opfergabe anzunehmen.)
  7. Bedanke Dich. (In meinem Beispiel: Ich danke Dir Demeter, dass Du mich hörst. Danke, dass Du mich in meinem Leben schon so reich beschenkt hast. Hab Dank, dass ich mich immer an Dich wenden darf.)

Und sonst so?

Kurz noch ein paar Worte zum Drumherum: Klar, bist Du in einem Ritual, gibt dieses den Rahmen für das Gebet. Gehörst Du einer bestimmten Religion an, dann gibt diese oftmals Zeit oder auch die Gebetshaltung vor. Gehörst Du keiner speziellen Religion an und bist gänzlich frei in Deinem Tun, kann es passieren, dass Du viel seltener betest, als Du eigentlich möchtest. Daher habe ich das Gebet in meine Morgenroutine übernommen. Wenn ich mal keine Zeit für Rituale habe, haben die Götter dennoch einen festen Platz in meinem Leben. Du kannst zum Beispiel direkt nach dem Aufstehen ein paar Minuten für die Götter reservieren oder auch abends vor dem Zubettgehen. Mit solchen Verknüpfungen ist es leichter, Gebete im Alltag zu integrieren.

In manchen Religionen ist es üblich, zum Gebet auf die Knie zu gehen oder sich flach auf den Boden zu legen, um Demut zu zeigen. Vor allen in vorchristlichen oder neuheidnischen Religionen ist das jedoch nicht der Fall. Hier wird davon ausgegangen, dass man den Göttern mutig und dennoch respektvoll entgegentreten darf. Nur wenige Götter in polytheistischen (- viele Götter, im Gegensatz dazu monotheistisch – ein Gott) Religionen verlangen Unterwerfung.

Auch die Kleidung ist in einigen Religionen vorgegeben. Manchmal gibt es spezielle Kopfbedeckungen oder Kleider. In einigen Hexengruppen werden Rituale skyclad (im Himmelskleid – nackt) zelebriert.

Letztlich geht es auch bei der Frage zum Gebet immer auch darum, welcher Gruppe Du Dich zugehörig fühlst. Gehörst Du keiner an, darfst Du Deinen eigenen Rahmen stecken. Ich bin sicher, dass Deine Anrufungen – so sie aus dem Herzen kommen – genauso wirkungsvoll sind, wie jahrhundertealte Gebetstexte.

Mich interessiert nun, wie Du betest? Betest Du überhaupt? Zu wem spricht Du dann? Hast Du eine feste Zeit? Verrate es mir gern in den Kommentaren. Ich freue mich darauf, von Dir zu hören!

Von Monstern in der Welt und unterm Bett

In einem früheren Blogartikel (hier) schrieb ich darüber, dass wir unsere Kinder (und auch uns selbst) eher ermutigen statt ängstigen sollten. Darauf habe ich einige Nachrichten, viel Zustimmung und auch kritische Nachfragen bekommen. Da ich mich wirklich gern mit meinen Lesern austausche, freue ich mich auch auf Feedback von Dir. Bitte fühl Dich frei, mir einen Kommentar zu hinterlassen oder eine Email an mich zu senden.

Natürlich ist mir bewusst, dass das Leben nicht immer rosarot ist. Ich selbst habe in meinem eigenen Leben schon viel gesehen. In meinen Beratungen höre ich von furchtbarem Kummer, schrecklichem Schmerz und unbegreiflichen Schicksalen. In meinem Büro fließen oft Tränen. Aber ich bin eben nicht nur Beraterin, sondern auch Mutter. Als mein damals 4jähriger Sohn mich einmal ganz unvermittelt fragte: „Mama, gibt es Monster auf der Welt?“ Tja.. da wusste ich auch keine Antwort auf Anhieb. Was soll man da sagen? Im Hintergrund lief der Fernseher, das Kinderprogramm war gerade vorbei, da begannen wie zur Antwort auf seine Frage eine Nachrichtensendung mit Berichten über Krieg, Gewalt und Hunger.

Natürlich schaltete ich den Fernseher sofort aus und auch später filterte ich sehr sorgfältig, was meine Kinder sehen durften und was nicht. Diese kurze, völlig aus dem Zusammenhang gerissene Kurzfassung des Weltgeschehens sehe ich nicht als kindergeeignet an. Doch heute ist aus dem kleinen, unbedarften Bub ein 17jähriger junger Mann geworden. Dieser junge Mann stellt Fragen, die manchmal unbequem sind. Diese Fragen dulden keinen Aufschub und keine Ausrede. Ich bemühe mich sehr, zu allen Fragen eine Antwort zu formulieren – als Gegenpol zu den vielen Antworten, die ihn im Internet überschütten. Ich versuche, meine Sicht der Dinge zu erklären und verweise aber auch darauf, dass andere Menschen vielleicht eine andere Sicht haben. Das ist mir deshalb so wichtig, weil die Monster in seiner Welt keine rosa Puschelöhrchen mehr haben.

Natürlich würde ich meine Söhne gern ganz fern halten von düsteren Themen. Beschützen vor einer Welt, in der nicht immer die Sonne scheint. Eine Welt, in der manche Dinge nicht stimmen; in der es Ungerechtigkeit und auch Kummer gibt. Ich möchte, dass meine Babys (die schon längst keine mehr sind) keinen Schaden nehmen. Ich möchte aber auch, dass sie erkennen, dass die Welt viel öfter schön als schlecht ist. Meine Kinder sollen wissen, dass das Leben kostbar ist und dass es sich lohnt, für seine Meinung einzustehen und mutig seinen Weg zu gehen. Dafür müssen sie jedoch vorbereitet und ihre Ängste ernst genommen werden.

„Man wird nicht erleuchtet, indem man sich Lichtfiguren vorstellt, sondern indem man sich die Dunkelheit bewusst macht. Das letztere Verfahren ist jedoch unangenehm und daher nicht sonderlich beliebt.“

Carl Gustav Jung

Wie steht es mir Dir? Wie gehst Du mit Situationen um, die Dir Angst machen? Ziehst Du Dich zurück, schimpfst über die Welt und hoffst, dass alles vorbeizieht? Oder nimmst Du Dein Leben mutig in die Hand und suchst nach neuen, glücklichen Wegen?

Eins, zwei, drei, vier Eckstein – alles muss versteckt sein!?

So mancher Erwachsene hält sich als Schutz vor dem Bösen der Welt die Augen zu und meint – wie im Kinderspiel -, dass nun alles verschwunden sei. Doch ist es das?

Ich habe vor nun mehr als 12 Jahren beschlossen, einen Vorschlag meines Sohnes zu befolgen. Und das kam so: Das Monsterthema war damals noch immer nicht vom Tisch. So fand ich den 5jährigen eines Abends Monster suchend unter dem Bett. Als ich nachfragte, sagte er: „Mama weißt Du, die Monster sind vielleicht nur deshalb böse, weil alle sie verjagen. Ich nehm sie einfach alle mit unter meine Kuscheldecke und hab sie lieb. Dann können sie auch mit anderen lieb sein.“

Vielleicht ist das ja der Ansatz für Frieden in der Welt? Hinsehen und alle (auch die vermeintlich Bösen) mit Liebe überschütten? Das ist Unfug, sagst Du? Im Kleinen funktioniert es jedenfalls…

„Wie oben, so unten; wie unten, so oben. Wie innen, so außen; wie außen, so innen. Wie im Großen, so im Kleinen.“

Hermes Trismegistos in den Hermetischen Schriften

Von Lasagne und der allumfassenden Wahrheit

Meine liebe Freundin Susanne Lindenthal (Ernährungswissenschaftlerin und TCM-Expertin), hat zur Blogparade gerufen. Ihr Thema: Das Lasagne-Konzept. Hier könnt Ihr es nachlesen:

Das Lasagne – Konzept

Als Susanne davon erzählte, war mir klar, dass ich dazu auch einen Blogartikel schreiben muss. Eine Lasagne kann nämlich etwas durchaus spirituelles haben. Zum einen ist Kochen sehr meditativ. Entweder, weil man höchst konzentriert bei der Sache ist und keine weiteren Gedanken den Fokus aufs Rezept stören. Oder aber, weil alles wie aus dem Ärmel geschüttelt läuft und man nebenbei seine Gedanken ordnen kann. In jedem Fall bin ich selbst schon zwischen Schnittlauch, Kartoffeln und Brokkoli zu höchst wegweisenden Entscheidungen gelangt. Inzwischen muss ich auch nicht mehr mit teigigen Händen nach einem Stift suchen um meine Gedanken zu notieren. Ich habe eine dieser kleinen, runden Damen (deren Name mit A beginnt und auf lexa endet) auch in meiner Küche stehen, die auf Zuruf meine Ideen speichert.

Wer schon mal eine Lasagne zum Partybuffet bei Freunden mitgebracht hat, könnte meinen, dass es sich bei der Schichtspeise um den Heiligen Gral handelt. Bei manchen ist das Familien-Lasagne-Rezept direkt heilig. Diese Leute glauben, dass nur sie das einzig wahre Rezept kennen. Alle anderen sind per se schon einmal falsch. Und nichts und niemand darf an diesem Rezept etwas ändern. Wer die Lasagne nicht so zubereitet wie sie, gehört nicht dazu und ist vielleicht auch ein bisschen doof. Auf jeden Fall aber ist ein Mensch mit einem anderen Rezept komisch und seine Lasagne – wenn überhaupt – nur mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht ist ja nicht nur die Lasagne gefährlich, sondern auch der Mensch? Wer weiß, zu was dieser Mensch fähig ist, wenn er seine Lasagne mit Käse macht!!! Oder gar fleischlos? Das eigene Rezept ist die Wahrheit. Punkt.

Was dem einen seine Lasagne, ist dem anderen sein Kartoffelsalat. Oder sein Müsli.

Vielleicht schmunzelst Du nun und findest das doch sehr weit hergeholt. Dann gibt es in Deiner Familie vielleicht kein supergeheimes Lasagnerezept? Das verstehe ich gut, denn in meiner Familie gibt es keine Pasta-Religion. Aber bei uns gibt es den heiligen Kartoffelsalat meiner Mutter, der seit Jahren nur auf eine bestimmte Art und Weise zubereitet werden darf. Dieser darf auf gar keinen Fall auf Familienfeiern fehlen und wehe, es werden auch nur andere Gürkchen verwendet!

Klar – jeder darf sein Lieblingsrezept haben und Jahr um Jahr das Essen genau so zubereiten. Das hier ist auch kein Plädoyer für ständig wechselnde Zubereitungsarten, sondern vielmehr für Toleranz. Kannst Du aushalten, dass jemand anderes sein Essen anders zubereitet, als Du? Klar, wirst Du denken. Wenn es nicht schmeckt, musst Du es ja nicht essen. Aber bleibt nicht doch ein kleines Gefühl dabei, dass das Ungewöhnliche irgendwie „falsch“ sein könnte?

Und während ich das hier schreibe, erinnere ich mich an einen Tweet, den ich Ende 2018 las:

Ich nehme mich dabei auch gar nicht aus. Denn ich selbst beäuge im Hotel meinen Tischnachbarn mit Schaudern, wenn er Marmelade auf die Leberwurst streicht oder genüsslich in ein Ketchup-Schoko-Brötchen beißt. Dafür fand ich es als Teenager famos, meine Pommes in den Erdbeershake zu tunken. Wer also im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen… Sei ehrlich: Welche komischen Essgewohnheiten hast Du?

Egal, ob Lasagne, Kartoffelsalat, Pommes oder Müsli: Immer dreht es sich darum, dass jemand glaubt, er allein kennt die einzig wahre Wahrheit. Und alle, die sich dieser Wahrheit nicht anschließen wollen, sind minderbemittelt oder gefährlich – im Zweifel beides. Doch es gibt diese eine Wahrheit nicht.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Das ist vermutlich die einzige Wahrheit.

Wird mir meine Lebensgrundlage genommen, wenn mein Nachbar seine Lasagne vegan zubereitet? Warum kann ich nicht tolerieren (=erdulden), dass jemand andere Angewohnheiten oder einen anderen Geschmack hat? Ich erinnere mich, dass mein Vater einmal eine Kartoffelsuppe gekocht hat. Da war ich etwa im Teenageralter, glaube ich. Wir alle wunderten uns über den komischen Geschmack, bis mein Vater uns erklärte, er hätte die Würstchen in Honig angebraten, damit sie knuspriger würden… Kann man machen. Ich brauche das jedenfalls nicht noch einmal.

Meine Mutter mag weiße Bohnen, damit könnte man mich jagen. Dafür liebe ich Brokkoli und sie nicht. Dennoch bleibt sie meine Mama. Wir streiten nicht wegen des Essens. Ganz im Gegenteil: Wir tauschen Rezepte oder gefüllte Tupper-Dosen und geben uns selbst die Möglichkeit einmal über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen – nicht nur sprichwörtlich.

Und manchmal kann man auch einfach den Mund halten.

„Wenn du nichts Nettes über jemanden zu sagen hast, sag lieber gar nichts.“

Klopfer in Disney’s Bambi

Manchmal hab ich selbst auch keine Lust darauf, Neues auszuprobieren. Und manche Sachen sind irgendwie auch nach zigmal probieren nichts für mich. Koriander zum Beispiel oder Tofu. Ich weiß das, ich mag nichts kosten, wo das drin ist. Meine Entscheidung. Die muss ich aber nicht dauernd in die Welt posaunen. Muss man als Vegetarier oder Veganer wirklich unter jedes Bratwurst-Rezept, das man im Internet findet, posten, dass man Fleischesser scheiße findet? Ist es zu viel verlangt, an einem Tofu-Rezept einfach vorbei zu scrollen, wenn man es nicht so ansprechend findet, anstatt einen blöden Schnitzel-Witz darunter zu setzen? Die persönlichen Vorlieben des Gegenübers zu akzeptieren, ist gelebte Toleranz.

Toleranz bedeutet auch, anzuerkennen, dass es nicht nur ein einziges korrektes Lasagne-Rezept gibt. Und Toleranz würde uns nicht nur in Sachen Ernährung gut tun. Es würde unser Leben leichter machen, wenn wir die Lebenseinstellungen anderer einfach hinnehmen würden, ohne ständig unsere Meinung dazu loszuwerden. Warum sollte mich die sexuelle Ausrichtung meines Nachbarn interessieren, wenn ich daran nicht teilhaben will? Warum sollte mich etwas angehen, dass mein Kollege 5 Mal täglich gen Mekka betet, wenn ich sowieso nur ein paar Minuten am Tag mit ihm spreche? Und warum sollte ich ungefragt mein Lasagnerezept herausposaunen, wenn ich sowieso niemanden zum Essen einladen will?

Lasagne für alle!

Lade Deine Nachbarn doch mal zu einer Lasagneparty ein. Jeder bringt eine Portion seiner Lieblingslasagne mit und dann wird reihum probiert. Ich verspreche Dir, das wird ein lustiger Abend! Und wenn Du Deine Nachbarn lieber nicht einladen möchtest, lade Deine Freunde ein – das zählt auch.

Übrigens: Da schon von den alten Römern das Wort „lasanum“ aus dem griechischen übernommen wurde (dort hieß es ursprünglich eigentlich Topf), gibt es von mir auch ein Lasagne-Rezept aus dem Topf.

Lasagne-Suppe

Zutaten:
1 große oder 2 kleine Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
etwas Olivenöl
500g gemischtes Hackfleisch (oder Soja für Bolognese, dann ists sogar veggie)
1 l Brühe
500g gewürfelte Tomaten
1/2 Tube Tomatenmark
Lasagneplatten (nach Geschmack – ca. 100-200 g)
1 Becher Creme Fraiche oder Schmand
Reibekäse, Salz und Pfeffer, Kräuter (z. B. Oregano) nach Belieben

Zubereitung:
Zwiebeln und Knoblauch schälen und hacken, in Olivenöl andünsten. Hackfleisch dazugeben. Dann Salz, Pfeffer, Gewürze, Tomaten und Tomatenmark dazugeben, mit Brühe aufgießen. Aufkochen lassen. Dann die Lasagne-Platten in Stücke brechen und in die Suppe geben. Weiterköcheln lassen, bis die Platten gar sind. Final abschmecken, mit geriebenem Käse und Creme Fraiche servieren.

Und jetzt ran an die Töpfe!

Von Apfelbäumen und anderen Wundern

Es gibt kein Wunder für den, der sich nicht wundern kann.“

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Oft klingt es überheblich, wenn man Kindern (oder Erwachsenen) unterstellt, sie würden noch an Wunder glauben. Doch frage ich mich manchmal, wer dann wirklich naiv ist: Der, der daran glaubt oder der, der dies vehement verneint? Für die meisten Menschen ist es ganz normal, dass ein 8jähriges Kind selbständig aus einer Tasse trinkt. Als unser geistig und körperlich schwer behinderter Sohn das tat, war das ein Wunder für uns. Und wer in den letzten Jahren versucht hat, eine Wohnung in einer deutschen Großstadt zu finden, der weiß, dass auch unser Umzug in unser neues Zuhause im vergangenen Jahr durchaus als Wunder betrachtet werden darf.

Was ist ein Wunder eigentlich für Dich?

Irgendwie ist es ja auch eine Frage der Definition. Was ist ein Wunder für Dich? Deine Partnerschaft, weil Ihr vielleicht auf Umwegen doch noch zueinander gefunden habt? Deine Kinder, weil das schwanger werden nicht so schnell ging? Dein Job, weil Du endlich den Traumarbeitsplatz gefunden hast?

Ja, so in etwa dachte ich auch. Ich dachte, Wunder müssen immer riesig sein und quasi mit einem Feuerwerk daherkommen. Alles große, was wir Menschen nicht ohne göttliche Unterstützung schaffen; alles seltsame, was wir irgendwie nicht begreifen können – ja – das müssen wohl Wunder sein. Dann las ich vor kurzem etwas sehr spannendes von Phil Bosmans, einem belgischen Schriftsteller:

„Ich dachte, ich würde sie kennen, den Apfelbaum und den Birnbaum, bis ich eines Tages das Wunder sah. Sie standen mit ihren Füßen auf demselben Boden, erhoben ihren Kopf in dieselbe Luft, dieselbe Sonne, denselben Regen. Und der Apfelbaum machte Äpfel, und der Birnbaum, zehn Meter weiter, machte Birnen. Ganz normal, sagten die Menschen. Aber ich traute meinen Augen nicht. Was sie aus demselben Boden holten, derselben Luft, derselben Sonne und demselben Regen, daraus machte der eine Baum Birnen und der andere, zehn Meter weiter, Äpfel. Und die sind ganz verschieden in Form, Farbe, Geruch, Geschmack. So ein Wunder hatte ich noch nie gesehen.“ (Phil Bosmans)

Und als ich das las, wurde mir klar, dass jeder neue Tag ein Wunder ist. Dass jeder Mensch, jedes Tier und auch jedes andere Lebewesen ein Wunder ist. Nicht nur die großen Meilensteine, die riesigen Erfolge und die überwundenen Hindernisse – nein! Auch dass ich inmitten dieser aktuellen Hitzewelle (während ich das schreibe, sind es vor meinem Fenster lauschige 35°C) einfach meinen Ventilator einschalten und kaltes, sauberes Trinkwasser aus der Leitung zapfen kann – auch das sind doch genau genommen Wunder.

Ist Dankbarkeit der Schlüssel zum Glück?

Bei mir löste dieser Gedanke eine riesige Welle der Dankbarkeit aus. Eine Dankbarkeit an dieses Etwas – ob wir es nun Gott nennen oder nicht, ob wir viele Götter dafür verantwortlich machen wollen oder ganz allgemein eine geistige Welt. Dankbarkeit für die Fülle und Leichtigkeit, die ich trotz aller Stolpersteine im Leben erfahren darf. Diese Dankbarkeit werde ich heute meinen Kindern ins Herz setzen. Ja, natürlich habe ich das schon öfter getan. Aber wir sollten es jeden Tag tun – säen wir den Samen der Dankbarkeit in uns, in unsere Kinder und Enkelkinder, in unsere Freunde, Kollegen und Bekanntschaften. Und mit der Dankbarkeit kehrt automatisch Frieden in unsere Herzen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es eben genau dieser Frieden ist, nach dem wir uns sehnen und der uns richtig glücklich werden lässt. Und Frieden im Herzen ist immer auch der Frieden im außen – vielleicht sogar in der ganzen Welt.

Ich wünsche Dir ein kühles Plätzchen und einen schönen Start ins Wochenende.

Von Himmelfahrten, Kirschkernen und anderen Angstmachern

Vor einiger Zeit saß ich mit einigen lieben Kollegen und Kolleginnen zusammen. Bei einem Glas Wein erzählten wir uns lustige Anekdoten über unsere Kindheit. Eine der Kolleginnen erzählte eine Geschichte, die mich sehr nachdenklich machte – und irgendwie immer noch beschäftigt.

Sie erzählte davon, wie in ihrem Heimatdorf die Feierlichkeiten zu Christi Himmelfahrt von Statten gingen: Nahezu das ganze Dorf war mit geschmückten Kremsern und Pferdekutschen in einer Art Prozession unterwegs. Die Männer fuhren vorneweg, die Kinder und die Frauen folgten. Soweit ist das Ganze gar nicht ungewöhnlich, denn in nahezu jedem Dorf Deutschlands sind solche oder ähnliche Umzüge bekannt.

Das kleine Mädchen, das später meine liebe Kollegin werden sollte, war jedoch furchtbar besorgt: Sie hatte nämlich das Wort „Himmelfahrt“ aufgeschnappt. Nun befürchtete sie, dass die vorausfahrenden Kremser irgendwann quasi abheben und gen Himmel fahren würden. Und wer dort einmal war, kaum auch nicht wieder – das wusste das Mädchen schon. Den ganzen Tag ließ sie sich nicht beruhigen und kam erst abends zur Ruhe, als die Pferde wieder in ihren Ställen standen. Alle Erwachsenen amüsierten sich über diese Angst und befeuerten die Befürchtungen im Laufe des Jahres immer und immer wieder, um den „Gehorsam“ des Kindes zu „fördern“.

Natürlich schmunzelt man bei dieser Geschichte – so auch wir, wie wir dort nach einem langen Seminar zusammen saßen.

Angst ist immer noch das Mittel der Wahl in der Kindererziehung – traurig, oder?

Aber im Nachhinein ließ mir dieses Thema keine Ruhe. Ist es nicht auch heute so, dass Ängste einfach belächelt oder sogar willentlich geschürt werden? Gerade Kindern erzählt man doch gern Geschichten vom Monster unterm Bett, damit die Kleinen nachts nicht immer noch aufstehen.

Oder man berichtet von Karius und Baktus, die die Zähne furchtbar kaputt machen, wenn man nicht genügend putzt. Kirschbäume, die im Bauch wachsen, wenn man die Kerne verschluckt; ein Weihnachtsmann, der die Rute schwingt, wenn man nicht brav war; Daumen, die davon laufen, wenn man zu lange an ihnen nuckelt – diese zum Teil ziemlich gruseligen Geschichten werden erzählt, um Kinder in Bahnen zu lenken, oder damit Kinder „funktionieren“. Sie gelten auch in unserer Zeit als durchaus legitimes Mittel der Erziehung.
Wem wurde denn nicht schon mal gedroht, dass Gott traurig werde, wenn man nicht brav sei? Oder dass es regnen würde, wenn man nicht aufgegessen hat?

Auch Erwachsene lassen sich durch Angst sehr gut lenken!

Und das Spiel mit den Ängsten zieht sich auch durch das Erwachsenenleben: Wenn eine bestimmte Meinung bei den Menschen herrschen soll, werden gezielt Unwahrheiten verbreitet, die ängstigen. Denn das ist immer noch der einfachste und effektivste Weg der Manipulation.

Menschen, die Angst vor einer (womöglich sogar ausgedachten) Hölle (die ja niemand genau beschreiben kann, wenn es sie denn gibt) haben, laufen blindlings irgendwelchen Religionsführern hinterher, nur damit die (wenn auch kleine) Chance auf das Seelenheil das Leben leichter macht und die eigene Verantwortung für getroffene Entscheidungen abgegeben (oder mit sinnlosen religiösen Regeln zumindest gerechtfertigt) werden können.

Die Medien überschlagen sich mit furchtbaren Schlagzeilen und versuchen, sich nicht nur täglich selbst, sondern auch alle anderen Redakteure in brutaler Wortwahl und scheußlichen Vergleichen zu übertreffen. Man könnte meinen, dass sich eine Ausgabe besser verkauft, je grausiger die Schlagzeilen formuliert sind. Dabei sind verschiedenen Studien nach die Zeiten gar nicht schlimmer geworden, nur sind die Berichte dazu allgegenwärtig.

Immer schön an die eigene Nase fassen!


Und bevor wir jetzt auf die Weltpolitik oder die böse Zeitung mit den vier großen Buchstaben schimpfen, schauen wir doch mal ganz ehrlich und aufrichtig auf uns: Wann haben wir denn zum letzten Mal eine Geschichte stärker ausgeschmückt, als nötig? Wann haben wir uns selbst in eine Angst so sehr hineingesteigert, dass wir fast wie gelähmt waren? Lesen wir zum x-ten Mal einen Bericht über ein Unglück, um noch mehr Details zu erfahren?

Im spirituellen Bereich sprechen wir immer wieder davon, unsere Ängste loszulassen oder zu überwinden. Und das gelingt am besten, wenn wir sie gar nicht erst groß werden (oder noch besser gar nicht erst entstehen) lassen.

Laut Wikipedia ist Angst ein Gefühl, das sich in als bedrohlich empfundenen Situationen äußert. Auslöser seien demnach erwartete Bedrohungen. ERWARTETE! Wir fürchten, dass etwas passieren KÖNNTE! Demnach wäre Angst nur eine Fantasie…

Statt von der Mücke zum Elefanten, lieber vom Elefanten zur Mücke

Ängste kann man schon im Anfangsstadium bekämpfen, wenn man sich einmal konkret bewusst macht, wovor genau man sich eigentlich fürchtet. Ist die Angst denn realistisch begründet (Z. B. bei heftigem Gewitter auf einem freien Feld zu stehen könnte gefährlich sein), der Grund faktisch nachweisbar (Ja, das rote Auto fährt wirklich schnell.)? Dann kann man sich auf Lösungssuche begeben (z. B. einen sicheren Unterschlupf im Unwetter zu suchen oder das Auto erst vorbeifahren zu lassen, bevor man die Straße betritt). Oder ist die Angst eher von anderen eingeimpft und dient der Manipulation oder Meinungsmache? Dann dürfen wir diese nämlich einfach ignorieren und uns positiven Gedanken zuwenden.

Statt eines „Pass auf, dass Du nicht hinfällst!“ könnten wir unseren Kindern ein „Hast Du gesehen, dass die Steine nass sind?“ mitgeben. Statt eines „Fall nicht runter!“ eher ein „Halt Dich gut fest!“.

Wir könnten der verschleierten Nachbarin einfach einen „Guten Tag!“ wünschen (und ignorieren, dass eine große Zeitung vor weiblichen, muslimischen Terroristen „warnt“).

Wir könnten uns einfach auf einen großartigen Tag freuen, wenn wir morgens aufstehen – dankbar, dass die allermeisten unserer Ängste völlig unbegründet sind.


„Die einzigen wirklich Feinde eines Menschen sind seine eigenen negativen Gedanken.“

Albert Einstein

Du bist zu weiblich, um …

Dass ich überhaupt wieder einen Blog schreibe, nachdem meine bisherigen Versuche immer elendig zugrunde gingen (weil ich zwischendurch irgendwie vergesse, dass ich überhaupt einen Blog habe oder aber irgendwie immer glaube, dass es doch keinen so recht interessiert, was ich zu sagen habe), finde ich nun doch ziemlich verwunderlich.
Aber die liebe Sara Menzel-Berger (die mir in den letzten 1,5 Jahren gemeinsamer Arbeit total ans Herz gewachsen ist) hat auf ihrem Blog eine Blogparade gestartet und das Thema hat mich so angepiekst, dass ich unbedingt meinen Senf dazugeben MUSSTE.
Also gab es ja keinen anderen Weg, als meine beiden alten „Blögge“ (wie ist eigentlich die Mehrzahl von Blog? Blogs?) hier auf meine Webseite umziehen zu lassen und den alten, staubigen Artikeln Leben einzuhauchen.

Als ich in den teilnehmenden Blogs die verschiedenen Artikel las, fiel mir auf, dass es immer nur um blonde Frauen zu gehen scheint. Von blonden Männern, die sich aufgrund ihrer Haarfarbe unbeholfen im technischen Sektor verhielten, hab ich nirgends gelesen. Also ist blond in dieser Frage gleichbedeutend mit weiblich? Geht der Satz dann nicht in die Richtung: „Ich bin dazu nicht fähig, weil ich eine Frau bin!“? Und geht es dann nicht grundsätzlich um eine naturgegebene Talentaufteilung zwischen Mann und Frau?

Ich erinnere mich an eine Episode, die mir eine Bekannte mal erzählte:

Sohn, ca. 8 Jahre, 2. Klasse. Im Unterricht sollen die Familien der Kinder gemalt werden. Der Junge malt hochkonzentriert und mit roten Wangen vor lauter Eifer vor sich hin. Als die Lehrerin hinter ihm stehen bleibt und sein Bild ansieht, möchte sie ihm ein wenig helfen und fragt: „Woran kann man denn erkennen, wer Mann und wer Frau ist? Welche Unterschiede gibt es? Was könntest Du noch malen, damit man das besser erkennt?“ Er überlegt höchst andächtig, schlägt sich dann vor die Stirn und ruft:
„Ach die Handtasche!“

Woran erkennt man denn nun, ob ein Mann oder eine Frau ein Technikproblem hat?

Eine Frau stellt sich selbst in Frage. Sie ist der Meinung, dass etwas mit ihr nicht stimmt, dass sie etwas übersehen hat. Sie fragt sich, ob sie nicht talentiert genug ist, um mit diesem oder jenem Programm umzugehen.

Ein Mann hingegen stellt das Programm in Frage. Er ist der Meinung, dass mit dem Programm etwas falsch läuft, dass irgendjemand irgendwo einen Fehler gemacht hat. An ihm selbst kann das ja nicht liegen – schließlich hat er in seinem Leben schon so viele Programme benutzt und die haben am Ende alle funktioniert (manche erst nach zig Neuinstallationen – aber egal).

Klar, denn Jungs sind ja schon in der Schule in Physik und Mathe echt clever und Mädchen können total gut Gedichte vortragen.

Wenn Du bis hier hin gelesen hast und Dich aufregst, dass ich längst überholte Klischees aufgreife und dass es viele technisch versierte Frauen gibt und ebenso viele männliche Technik-Legastheniker, dann hast Du vollkommen Recht. Obwohl ich schon glaube, dass es Unterschiede (auch in der Herangehensweise an Probleme) zwischen Mann und Frau gibt und ich die Beispiele hier nicht ganz verkehrt finde, lehne ich derartige pauschale Aufteilungen ab. Ich bin unendlich genervt davon, dass bestimmte Dinge eben so typisch Frau oder so typisch Mann sind. Ich bin genervt davon, dass alle nach Gleichberechtigung schreien, es im Baumarkt aber rosa-farbene Bohrmaschinen gibt. Warum zum Geier? Leichtere Geräte oder für Menschen mit kleinen Händen – ok. Aber ernsthaft – rosa? Ich bin genervt von durch die Medien tippelnden Berufs-Blondinen (eher Berufs-Idiotinnen), die sich daran erfreuen, nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein und trotzdem im Geld zu schwimmen.

Und obwohl ich mir doch sehr emanzipiert vorkomme (und so überhaupt nicht blond bin), erfahre ich manchmal eine sehr merkwürdige Art von Diskriminierung. Mir wurde vor einigen Tagen gesagt, ein bestimmter Gin wäre eher nichts für Frauen, sondern nur für Männer. Als ich fragte, warum, gab es keine konkrete Antwort. Ehrlich gesagt habe ich auch nicht beobachten können, dass der „Männer-Gin“ durch den Penis getrunken wurde… Ich wüsste daher nicht, warum das Geschlecht des Trinkers eine Rolle spielen sollte…

Und so geht es tagein tagaus:

  • Du kannst das nicht, weil Du ein Mädchen bist…
  • Jungs machen so etwas aber nicht…
  • Du kannst doch nicht wirklich glücklich sein, wenn Du so dick bist…
  • Als Mutter kann ich doch nicht jedes Wochenende tanzen gehen…
  • Du bist schon in der Schule faul gewesen, darum solltest Du Dich lieber nicht selbständig machen…
  • Sorry, aber irgendwie bin ich zu blond für die Technik…

Im Buddhismus gibt es eine sehr schöne Herangehensweise an Probleme. Buddha sagt nämlich, dass das Leben kein Problem ist, welches es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt. Unter diesem Gesichtspunkt könnte auch ein Technikthema eine Erfahrung darstellen, anstatt eines Problems. Du könntest also anstelle von „Dazu bin ich irgendwie zu blond“ so etwas sagen wie: „Das hab ich bisher noch nicht gemacht, aber ich probiere es einfach mal aus.“
Oder aber: „Darauf habe ich keine Lust. Ich suche jemanden, der das für mich übernimmt.“ Das wäre dann wenigstens ehrlich und Dein Gegenüber wüsste, dass er nicht den Erklärbären spielen muss, sondern einfach eine Dienstleistung erbringen soll.

Wir könnten nämlich auch die Limitierungen, die uns von außen aufgedrückt werden, ablehnen und uns selbst die Freiheit zugestehen, alles zu sein und zu tun, was wir wollen. Zwischen einer doofen Ausrede und einem glücklichen Leben steht nämlich oft nur eins: Unsere Entscheidung.

>