Allgemein Archive - Stefanie Gralewski

Category Archives for Allgemein

Von Himmelfahrten, Kirschkernen und anderen Angstmachern

Vor einiger Zeit saß ich mit einigen lieben Kollegen und Kolleginnen zusammen. Bei einem Glas Wein erzählten wir uns lustige Anekdoten über unsere Kindheit. Eine der Kolleginnen erzählte eine Geschichte, die mich sehr nachdenklich machte – und irgendwie immer noch beschäftigt.

Sie erzählte davon, wie in ihrem Heimatdorf die Feierlichkeiten zu Christi Himmelfahrt von Statten gingen: Nahezu das ganze Dorf war mit geschmückten Kremsern und Pferdekutschen in einer Art Prozession unterwegs. Die Männer fuhren vorneweg, die Kinder und die Frauen folgten. Soweit ist das Ganze gar nicht ungewöhnlich, denn in nahezu jedem Dorf Deutschlands sind solche oder ähnliche Umzüge bekannt.

Das kleine Mädchen, das später meine liebe Kollegin werden sollte, war jedoch furchtbar besorgt: Sie hatte nämlich das Wort „Himmelfahrt“ aufgeschnappt. Nun befürchtete sie, dass die vorausfahrenden Kremser irgendwann quasi abheben und gen Himmel fahren würden. Und wer dort einmal war, kaum auch nicht wieder – das wusste das Mädchen schon. Den ganzen Tag ließ sie sich nicht beruhigen und kam erst abends zur Ruhe, als die Pferde wieder in ihren Ställen standen. Alle Erwachsenen amüsierten sich über diese Angst und befeuerten die Befürchtungen im Laufe des Jahres immer und immer wieder, um den „Gehorsam“ des Kindes zu „fördern“.

Natürlich schmunzelt man bei dieser Geschichte – so auch wir, wie wir dort nach einem langen Seminar zusammen saßen.

Angst ist immer noch das Mittel der Wahl in der Kindererziehung – traurig, oder?

Aber im Nachhinein ließ mir dieses Thema keine Ruhe. Ist es nicht auch heute so, dass Ängste einfach belächelt oder sogar willentlich geschürt werden? Gerade Kindern erzählt man doch gern Geschichten vom Monster unterm Bett, damit die Kleinen nachts nicht immer noch aufstehen.

Oder man berichtet von Karius und Baktus, die die Zähne furchtbar kaputt machen, wenn man nicht genügend putzt. Kirschbäume, die im Bauch wachsen, wenn man die Kerne verschluckt; ein Weihnachtsmann, der die Rute schwingt, wenn man nicht brav war; Daumen, die davon laufen, wenn man zu lange an ihnen nuckelt – diese zum Teil ziemlich gruseligen Geschichten werden erzählt, um Kinder in Bahnen zu lenken, oder damit Kinder „funktionieren“. Sie gelten auch in unserer Zeit als durchaus legitimes Mittel der Erziehung.
Wem wurde denn nicht schon mal gedroht, dass Gott traurig werde, wenn man nicht brav sei? Oder dass es regnen würde, wenn man nicht aufgegessen hat?

Auch Erwachsene lassen sich durch Angst sehr gut lenken!

Und das Spiel mit den Ängsten zieht sich auch durch das Erwachsenenleben: Wenn eine bestimmte Meinung bei den Menschen herrschen soll, werden gezielt Unwahrheiten verbreitet, die ängstigen. Denn das ist immer noch der einfachste und effektivste Weg der Manipulation.

Menschen, die Angst vor einer (womöglich sogar ausgedachten) Hölle (die ja niemand genau beschreiben kann, wenn es sie denn gibt) haben, laufen blindlings irgendwelchen Religionsführern hinterher, nur damit die (wenn auch kleine) Chance auf das Seelenheil das Leben leichter macht und die eigene Verantwortung für getroffene Entscheidungen abgegeben (oder mit sinnlosen religiösen Regeln zumindest gerechtfertigt) werden können.

Die Medien überschlagen sich mit furchtbaren Schlagzeilen und versuchen, sich nicht nur täglich selbst, sondern auch alle anderen Redakteure in brutaler Wortwahl und scheußlichen Vergleichen zu übertreffen. Man könnte meinen, dass sich eine Ausgabe besser verkauft, je grausiger die Schlagzeilen formuliert sind. Dabei sind verschiedenen Studien nach die Zeiten gar nicht schlimmer geworden, nur sind die Berichte dazu allgegenwärtig.

Immer schön an die eigene Nase fassen!


Und bevor wir jetzt auf die Weltpolitik oder die böse Zeitung mit den vier großen Buchstaben schimpfen, schauen wir doch mal ganz ehrlich und aufrichtig auf uns: Wann haben wir denn zum letzten Mal eine Geschichte stärker ausgeschmückt, als nötig? Wann haben wir uns selbst in eine Angst so sehr hineingesteigert, dass wir fast wie gelähmt waren? Lesen wir zum x-ten Mal einen Bericht über ein Unglück, um noch mehr Details zu erfahren?

Im spirituellen Bereich sprechen wir immer wieder davon, unsere Ängste loszulassen oder zu überwinden. Und das gelingt am besten, wenn wir sie gar nicht erst groß werden (oder noch besser gar nicht erst entstehen) lassen.

Laut Wikipedia ist Angst ein Gefühl, das sich in als bedrohlich empfundenen Situationen äußert. Auslöser seien demnach erwartete Bedrohungen. ERWARTETE! Wir fürchten, dass etwas passieren KÖNNTE! Demnach wäre Angst nur eine Fantasie…

Statt von der Mücke zum Elefanten, lieber vom Elefanten zur Mücke

Ängste kann man schon im Anfangsstadium bekämpfen, wenn man sich einmal konkret bewusst macht, wovor genau man sich eigentlich fürchtet. Ist die Angst denn realistisch begründet (Z. B. bei heftigem Gewitter auf einem freien Feld zu stehen könnte gefährlich sein), der Grund faktisch nachweisbar (Ja, das rote Auto fährt wirklich schnell.)? Dann kann man sich auf Lösungssuche begeben (z. B. einen sicheren Unterschlupf im Unwetter zu suchen oder das Auto erst vorbeifahren zu lassen, bevor man die Straße betritt). Oder ist die Angst eher von anderen eingeimpft und dient der Manipulation oder Meinungsmache? Dann dürfen wir diese nämlich einfach ignorieren und uns positiven Gedanken zuwenden.

Statt eines „Pass auf, dass Du nicht hinfällst!“ könnten wir unseren Kindern ein „Hast Du gesehen, dass die Steine nass sind?“ mitgeben. Statt eines „Fall nicht runter!“ eher ein „Halt Dich gut fest!“.

Wir könnten der verschleierten Nachbarin einfach einen „Guten Tag!“ wünschen (und ignorieren, dass eine große Zeitung vor weiblichen, muslimischen Terroristen „warnt“).

Wir könnten uns einfach auf einen großartigen Tag freuen, wenn wir morgens aufstehen – dankbar, dass die allermeisten unserer Ängste völlig unbegründet sind.


„Die einzigen wirklich Feinde eines Menschen sind seine eigenen negativen Gedanken.“

Albert Einstein

Du bist zu weiblich, um …

Dass ich überhaupt wieder einen Blog schreibe, nachdem meine bisherigen Versuche immer elendig zugrunde gingen (weil ich zwischendurch irgendwie vergesse, dass ich überhaupt einen Blog habe oder aber irgendwie immer glaube, dass es doch keinen so recht interessiert, was ich zu sagen habe), finde ich nun doch ziemlich verwunderlich.
Aber die liebe Sara Menzel-Berger (die mir in den letzten 1,5 Jahren gemeinsamer Arbeit total ans Herz gewachsen ist) hat auf ihrem Blog eine Blogparade gestartet und das Thema hat mich so angepiekst, dass ich unbedingt meinen Senf dazugeben MUSSTE.
Also gab es ja keinen anderen Weg, als meine beiden alten „Blögge“ (wie ist eigentlich die Mehrzahl von Blog? Blogs?) hier auf meine Webseite umziehen zu lassen und den alten, staubigen Artikeln Leben einzuhauchen.

Als ich in den teilnehmenden Blogs die verschiedenen Artikel las, fiel mir auf, dass es immer nur um blonde Frauen zu gehen scheint. Von blonden Männern, die sich aufgrund ihrer Haarfarbe unbeholfen im technischen Sektor verhielten, hab ich nirgends gelesen. Also ist blond in dieser Frage gleichbedeutend mit weiblich? Geht der Satz dann nicht in die Richtung: „Ich bin dazu nicht fähig, weil ich eine Frau bin!“? Und geht es dann nicht grundsätzlich um eine naturgegebene Talentaufteilung zwischen Mann und Frau?

Ich erinnere mich an eine Episode, die mir eine Bekannte mal erzählte:

Sohn, ca. 8 Jahre, 2. Klasse. Im Unterricht sollen die Familien der Kinder gemalt werden. Der Junge malt hochkonzentriert und mit roten Wangen vor lauter Eifer vor sich hin. Als die Lehrerin hinter ihm stehen bleibt und sein Bild ansieht, möchte sie ihm ein wenig helfen und fragt: „Woran kann man denn erkennen, wer Mann und wer Frau ist? Welche Unterschiede gibt es? Was könntest Du noch malen, damit man das besser erkennt?“ Er überlegt höchst andächtig, schlägt sich dann vor die Stirn und ruft:
„Ach die Handtasche!“

Woran erkennt man denn nun, ob ein Mann oder eine Frau ein Technikproblem hat?

Eine Frau stellt sich selbst in Frage. Sie ist der Meinung, dass etwas mit ihr nicht stimmt, dass sie etwas übersehen hat. Sie fragt sich, ob sie nicht talentiert genug ist, um mit diesem oder jenem Programm umzugehen.

Ein Mann hingegen stellt das Programm in Frage. Er ist der Meinung, dass mit dem Programm etwas falsch läuft, dass irgendjemand irgendwo einen Fehler gemacht hat. An ihm selbst kann das ja nicht liegen – schließlich hat er in seinem Leben schon so viele Programme benutzt und die haben am Ende alle funktioniert (manche erst nach zig Neuinstallationen – aber egal).

Klar, denn Jungs sind ja schon in der Schule in Physik und Mathe echt clever und Mädchen können total gut Gedichte vortragen.

Wenn Du bis hier hin gelesen hast und Dich aufregst, dass ich längst überholte Klischees aufgreife und dass es viele technisch versierte Frauen gibt und ebenso viele männliche Technik-Legastheniker, dann hast Du vollkommen Recht. Obwohl ich schon glaube, dass es Unterschiede (auch in der Herangehensweise an Probleme) zwischen Mann und Frau gibt und ich die Beispiele hier nicht ganz verkehrt finde, lehne ich derartige pauschale Aufteilungen ab. Ich bin unendlich genervt davon, dass bestimmte Dinge eben so typisch Frau oder so typisch Mann sind. Ich bin genervt davon, dass alle nach Gleichberechtigung schreien, es im Baumarkt aber rosa-farbene Bohrmaschinen gibt. Warum zum Geier? Leichtere Geräte oder für Menschen mit kleinen Händen – ok. Aber ernsthaft – rosa? Ich bin genervt von durch die Medien tippelnden Berufs-Blondinen (eher Berufs-Idiotinnen), die sich daran erfreuen, nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein und trotzdem im Geld zu schwimmen.

Und obwohl ich mir doch sehr emanzipiert vorkomme (und so überhaupt nicht blond bin), erfahre ich manchmal eine sehr merkwürdige Art von Diskriminierung. Mir wurde vor einigen Tagen gesagt, ein bestimmter Gin wäre eher nichts für Frauen, sondern nur für Männer. Als ich fragte, warum, gab es keine konkrete Antwort. Ehrlich gesagt habe ich auch nicht beobachten können, dass der „Männer-Gin“ durch den Penis getrunken wurde… Ich wüsste daher nicht, warum das Geschlecht des Trinkers eine Rolle spielen sollte…

Und so geht es tagein tagaus:

  • Du kannst das nicht, weil Du ein Mädchen bist…
  • Jungs machen so etwas aber nicht…
  • Du kannst doch nicht wirklich glücklich sein, wenn Du so dick bist…
  • Als Mutter kann ich doch nicht jedes Wochenende tanzen gehen…
  • Du bist schon in der Schule faul gewesen, darum solltest Du Dich lieber nicht selbständig machen…
  • Sorry, aber irgendwie bin ich zu blond für die Technik…

Im Buddhismus gibt es eine sehr schöne Herangehensweise an Probleme. Buddha sagt nämlich, dass das Leben kein Problem ist, welches es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt. Unter diesem Gesichtspunkt könnte auch ein Technikthema eine Erfahrung darstellen, anstatt eines Problems. Du könntest also anstelle von „Dazu bin ich irgendwie zu blond“ so etwas sagen wie: „Das hab ich bisher noch nicht gemacht, aber ich probiere es einfach mal aus.“
Oder aber: „Darauf habe ich keine Lust. Ich suche jemanden, der das für mich übernimmt.“ Das wäre dann wenigstens ehrlich und Dein Gegenüber wüsste, dass er nicht den Erklärbären spielen muss, sondern einfach eine Dienstleistung erbringen soll.

Wir könnten nämlich auch die Limitierungen, die uns von außen aufgedrückt werden, ablehnen und uns selbst die Freiheit zugestehen, alles zu sein und zu tun, was wir wollen. Zwischen einer doofen Ausrede und einem glücklichen Leben steht nämlich oft nur eins: Unsere Entscheidung.

Geschichten aus dem Steffiversum: Meine Hochzeit

Ja – auch meine Hochzeit ist eine Geschichte aus dem Steffiversum… auch hier passierten Dinge, von denen niemand glaubte, dass sie möglich wären.

Machen wir also eine kleine Zeitreise. Reisen wir ins Jahr 2002. Am Nikolaustag 2002 – unser erster Sohn war gerade ein halbes Jahr alt – heirateten wir. Dies war relativ kurzfristig geplant – wir hatten nur ca. 2 Monate Vorbereitungs- und Geldsparzeit. Wir wollten in relativ kleinem Kreis heiraten – nur ca. 30 Freunde und Familienmitglieder.

Wie das eben so ist, hatte ich von einer Traumhochzeit geträumt, so lange ich denken konnte. Und da wir auch durch meinen Bräutigam in einer evangelischen Gemeinde angebunden waren, sollte es auch eine kirchliche Trauung werden. Kirchen sind einfach auch optisch schöner, als Standesämter…

Meine Geschichte beginnt am Vorabend des Nikolaustages. Martin (mein Bräutigam) und ich hatten uns für kleine Junggesellenabschiede entschieden. Er war unterwegs mit dem Freund meiner Trauzeugin und einigen Freunden, ich traf mich mit meinen besten Freundinnen (darunter meine Trauzeugin) bei uns zu Hause. Mein Friseur kam auch dazu – und so feierten wir schon am späten Nachmittag mit Sekt, Kaffee und Lockenwicklern.
Irgendwann fiel mir ein, dass ich bei einem Metzger eine Art Abendbrotplatte bestellt hatte. Da meine Freundinnen nicht genau wussten, WO genau sich das Geschäft befand (und wer sich von mir hat schon einmal einen Weg beschreiben lassen müssen, der weiß warum), musste ich mit.

Ich zwängte mich also mit einem Kopf voller Riesenlockenwickler – wir hatten ein Handtuch drum gewickelt, aber das sah auch nicht weniger peinlich aus – in ein kleines Auto. Es war das Auto meiner Trauzeugin, mein Bruder nannte es einmal „Elefantenrollschuh“ und ja, größer war es nicht. Ein grüner Seat Marbella, der auch ohne monströser Kopfbedeckung für mich schon reichlich eng war. Am Geschäft selbst weigerte ich mich, auszusteigen, sodass meine Trauzeugin das bestellte Essen allein holen musste.

Wieder zurück war es ein lustiger Abend. Was Martin an dem Abend genau gemacht hat, weiß ich nicht. Ich habe bis heute nicht ein einziges Mal danach gefragt – und habe es auch nicht vor.

Der nächste Morgen begann mit meinem Friseur, der mir die Haare hochsteckte und meinen Schleier (eine Leihgabe meiner Mutter, sie hatte ihn schon bei ihrer Hochzeit getragen) befestigte. Da erkannte ich auch die Bedeutung von „Wer schön sein will, muss leiden“. Ich dachte, ich würde mit den Steckkämmen skalpiert. Das sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass ich an diesem Tag um meine Kopfhaut bangte…

Meine Trauzeugin und ich fuhren dann zu meinen Eltern, wo ich mich dann in mein Brautkleid kleiden und danach auf meinen Bräutigam treffen sollte. Das war dann auch ziemlich hektisch, irgendwie lief die Zeit davon – meine Mama hätte beinahe im Hausanzug mitgemusst… überall und bei jedem half sie – und vergaß dabei, dass sie sich selbst ja auch noch fertig machen musste.

Als ich meinem Bräutigam dann auf dem Flur entgegenging, verdrückten wir beide auch ein obligatorisches Tränchen.
Der Weg zum Standesamt (mein Vater fuhr den Brautwagen) war unproblematisch und auch ganz nett.

Beim Standesamt wurden wir von der Standesbeamtin begrüßt – mit Schrecken stellten wir fest, dass wir zwar unsere Personalausweise dabei hatten, nicht aber die CD mit der gewünschten Traumusik. Wir hatten uns eigentlich für Jennifer Rush mit „Power of Love“ entschieden. Doch dazu kam es ja dann nicht. Die Standesbeamtin schlug uns dann die Backstreetboys aus dem Standesamtrepartoir vor.  Ich fand das nicht so passend und so fiel die Wahl auf Mozarts „Sommernachtstraum“. Warum nicht, so kurz vor Weihnachten?
Die Wartezeit wurde doch etwas länger und mein Vater schlug mir mehrere Fluchtwege vor. Ich könne ja in den Fahrstuhl steigen, unauffällig und er würde in der Zeit die Treppen runterrennen, das Auto schon anlassen und dann bräuchte ich nur noch in den Wagen springen – und weg wären wir…

Ich blieb…

Der Trauraum war ganz schick -große Fensterfront, Holzvertäfelung, samtblauer Teppich, Stufen – sodass auch bei mehr Publikum alle einen guten Blick aufs Brautpaar garantiert ist. Wir waren ja nun nicht so viele -nur der engste Familienkreis. Wir saßen also in drei Reihen – vorn das Brautpaar und die Trauzeugen, dahinter dann meine Eltern und Großeltern und der Vater und Großvater des Bräutigams. Dahinter der Rest. Die Trauung begann mit dem Musikstück. Es wurde nicht etwa nur angespielt, nein, es wurde ganz bis zum Schluss angehört. Zumindest von der Standesbeamtin. Scheinbar legte sie da großen Wert darauf.
In der zweiten Reihe flüsterte jemand.
Die Standesbeamtin schaute streng in die Runde.
Ich drehte mich leicht nach hinten und sagte: „Psst!“
Schon tönte es zurück: „Psst!“
Jemand anderes stieg mit ein: „Pssssst!“
Eine lustiges hin und her pssst begann. Unterbrochen von der Standesbeamtin die streng unterbrach mit den Worten: „Ich mach gleich mit!“
Erstaunte Ruhe bei meinen Gästen – gefolgt von einem belustigten Kichern. Sowas kannten wir eigentlich nur von den Lehrern in der Schule.

Die Trauung ansich war wirklich unspektakulär – nur unterbrochen von den Sirenen der ständig vorbeifahrenden Feuerwehrautos, die zu ständigen Unterbrechungen in der zum Glück recht kurzen Traurede führten – aber irgendwie doch berührend, denn meiner Schwester liefen die Tränen wie Wasserfälle. So konnte sie die Stufe nicht sehen und stürzte etwa zwei Stufen in meine Richtung. Ich fand das unheimlich komisch und fragte meinen Bruder, der die Glückwunschrunde filmisch festhielt, ob er das gefilmt hatte… nein hatte er nicht. Wohl aber meine mehrfache und leicht hysterische Frage danach.

Mein Bruder wurde nun zum Regisseur. Und die Idee, das Brautpaar ganz romantisch beim Gang aus dem Trauzimmer zu filmen, war super! So öffnete sich also die Doppeltür, das Brautpaar – gefolgt von der Hochzeitsgesellschaft – zog hinaus. Dieser dramaturgisch höchst anspruchsvolle Moment wurde jäh unterbrochen von einer zeternden Ehefrau. Die Trauzeugin war mir beim Hinausschreiten auf den Schleier getreten, der hinten einer Schleppe gleich auf den Boden hing. Hier fühlte ich mich erneut skalpiert, denn der Schleier war schön fest gesteckt – wahrscheinlich direkt unter die Kopfhaut! Nun bin ich eben die Steffi und handle gern impulsiv – vergaß also die Dramaturgie, drehte mich schimpfend um und faltete die Trauzeugin zusammen. Für ewige Zeiten im Video festgehalten…

Das Mittagessen war ein Geschenk meiner Eltern – sie hatten ein Hochzeitsmenü in einem traumhaften Hochzeitsschloss gebucht, mit einer Terasse, die mich sehr an die von Prinzessin Belle erinnerte. Wirklich schön. Das Essen war auch sehr sehr toll. Der Fahrstuhl ins Untergeschoss zu den Toiletten war hingegen für ein ausgesprochenes Hochzeitshotel definitiv zu klein. Meine Schwester und meine Trauzeugin mussten also die Treppe nehmen, weil vor lauter Kleid (ich hatte ein schönes Prinzessinnenkleid mit weitausladendem Reifrock) kein Platz mehr im Fahrstuhl war. Der Toilettengang war dann auch lustig – ich möchte es hier nur kurz anreißen: Der Reifrock passte nicht mit in die Kabine und musste deshalb von außen festgehalten werden (während ich ihn natürlich noch anhatte!), während ich mich rückwärts in die Kabine vortastete… Ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke!

Dann ging es zur Kirche. Ja… auch wenn Ihr es nicht glauben könnt, ich habe tatsächlich kirchlich geheiratet. Und nein, mich hat nicht der Blitz getroffen und auch der Boden tat sich nicht auf. Es gab Momente während der Predigt, in der ich mir das allerdings gewünscht hätte.

Vor der Kirche angekommen, wurden unsere Hochzeitsringe wieder eingesammelt – sie sollten ja in der Trauung getauscht werden.
Nachdem die Hochzeitsgesellschaft (nun einige Personen mehr) in der Kirche versammelt war, wurden wir vom Pastor hineingeführt. Ich hatte den Schleier vor dem Gesicht und schritt demütig hinter dem Pastor her. Die Kirche war wirklich schön, aber recht klein. Jedoch gab es keinen Mittelgang, die Bänke waren in drei Reihen gestellt – fest in den Boden eingelassen, also auch keine Chance auf Verrücken. So ging mein Mann also allein den einen schmalen Gang entlang, ich hinter dem Pastor den anderen. Der Altar war wegen der aktuellen Vorweihnachtszeitveranstaltungen von einer Art Bühne umgeben.

Wir setzten uns und lauschten der Predigt. Zusammengefasst ging es nun eine geschlagene Stunde um Sex. Das war mir schrecklich peinlich. Im Nachhinein finde ich es recht lustig. Heute kann ich auch über unseren Trauspruch lachen. Es ist ein Zitat von Martin Luther: „In der Woche zwier, schaden weder ihm noch ihr!“ Damals fand ich das überhaupt nicht lustig. Zumal es von dem etwa 80jährigen Pastor überhaupt auch nicht witzig gemeint war – sondern eher ein Denkzettel, weil unser erster Sohn zur Hochzeit schon 6 Monate alt war.

Später in der Zeremonie wurden dann noch unsere Eltern auf die Bühne gebeten, um einen Segen für das Brautpaar zu sprechen. Sicherlich nett gemeint, für meine Eltern, die mit der Kirche nichts zu tun haben und hatten, eine Qual.
Dann schloss der Pastor die Trauung und wies den Organisten an, das letzte Lied zu spielen. Panik in mir machte sich breit. Ich hatte meinen Schleier ja noch vor dem Gesicht. Er war noch gar nicht gelüftet worden und nen Hochzeitskuss wollte ich auch! Ich versuchte nun also, den Pastor, der selig der Musik lauschte (vielleicht war er mit der Standesbeamtin verwandt?) auf mich aufmerksam zu machen – ich wollte nun auch nicht mittendrin aufstehen. Immer wenn er zu mir blickte und ich mit Gesten versuchte, ihn zu mir zu bitten, lächelte er freundlich zurück. Nun begann ich, mit dem Schleier zu wedeln. Ich kam mir ziemlich dämlich dabei vor, aber wusste mir nicht anders zu helfen. Auf nun wirklich nachdrückliches Winken und Wedeln kam er endlich näher und ich erklärte die Situation.
Er reagierte mit einem „Achja“, winkte dem Organisten (dieser unterbrach sein Spiel)  und sagte: „Nun wollen wir zum Brautkuss kommen.“ Meine Mutter quittierte diese Information mit einem lauten „Na endlich!“ in der stillen Kirche. Heute lache ich auch darüber.

Dann war die Zeremonie endlich zu Ende, das Brautpaar wurde hinausgeführt. An der Tür blieben wir dann stehen, um Glückwünsche von den vorbeimarschierenden Gästen in Empfang zu nehmen. Der erste „Glückwunsch“ kam vom Pastor, der mir ins Ohr raunte: „Ich weiß, dass Du eine Hexe bist! Also verschwinde und lass meine Gemeinde in Ruh!“ Ich antwortete: „Zu spät, ich habe soeben eins Deiner Schafe geheiratet!“ Auch darüber lache ich heute.

Die Location der anschließenden Feier war nicht weit entfernt, so lief die Hochzeitsgesellschaft etwa 700 m durchs Dorf. Ich wurde von einigen Gästen, die schon vorangegangen waren, aufgeregt empfangen. In unserem Festsaal würden noch Bauarbeiter zur Mittagessen und überhaupt wäre noch gar nichts geschmückt! Fassungslos wollte ich den Raum stürmen, doch meine Mama kam mir zuvor. Man wäre bereits dabei, den Raum zu schmücken, man hätte eine andere Uhrzeit notiert… Nun gut… für einen Nachmittag im Dezember war es doch recht mild und wir vertrieben uns die Zeit vor dem Saal – also quasi draußen! – mit allerlei Hochzeitsspielen. Herzausschneiden und durchhüpfen etc. Auch die Hochzeitsbilder wurden gleich gemacht, informierte der eigens engagierte Fotograf mich bei Beginn doch überraschend, dass er nur 30 Minuten bleiben könne und nicht, wie eigentlich vereinbart, 4 Stunden.

Endlich durften wir hinein – Martins Trauzeuge eröffnete mir dann, dass er sich bei der Hochzeitstorte umentschieden hätte und es nun doch keine mehrstöckige gäbe, sondern mehrere einzelne Kuchen…    Wir konnten es ja nun nicht ändern und nahmen es mehr oder weniger gelassen hin.

Auch überraschend für uns war die Tatsache, dass viele Gäste ihre Kinder mitgebracht hatten. Zwar war ausdrücklich vereinbart, dass wir – weil bis spät in den Abend – ohne Kinder feiern möchten, aber meine Gäste scheinen irgendwie stets eigene Vorstellungen von MEINEN Feiern zu haben (das war schon zu Schulzeiten so ^^). Also waren die Leute nun statt mit dem Feiern meiner Hochzeit, mit der Betreuung der nicht unerheblich großen Kinderschar beschäftigt. Dass meine Feier auf Kinder nicht ausgelegt war, schien unwichtig.

Der Eröffnungstanz war sogar ein bisschen romantisch. Martin und ich konnten zwar nicht tanzen, aber egal. Mein Vater kann wirklich toll tanzen und ließ mich zumindest bei dem Part mit ihm nicht ganz so peinlich aussehen. Der Tanz mit meinem Schwiegervater hingegen war dann ein Highlight der ganzen Feier. Dass er mir größentechnisch nur höchstens bis zur Schulter ging – das war nun wahrlich nicht seine Schuld. Dass er mir die ganze Zeit aber in den Ausschnitt sah – das war wohl seine Schuld. Das eigentliche Highlight war jedoch der Satz: „Du bist wirklich dumm, dass Du Martin geheiratet hast, Du hättest doch mich haben können!“ Ähm… ^^

Bis auf einige weitere mittelgroße Katastrophen (keine Musik, weil der Gast, der als Art DJ vorgesehen war, weder Anlage noch CDs mitgebracht hatte – plötzlich halbleerer Raum, weil alle ihrer Kinder ins Bett brachten und erst nach 1,5 Stunden wiederkamen – Zickenkriege etc.), war der Abend noch recht lustig. Ein vorheriger Kurs zum Thema „Wie bin ich eine gute Gastgeberin“ hätte mir gut getan – aber egal… wir waren jung….

Der Nachhauseweg am späten Abend war dann noch mal sehr aufregend. Für uns überraschend fuhr mein Vater uns nicht nach Hause, wir mussten also eine Fahrgelegenheit organisieren. Für ein Taxi fehlte uns damals schlicht das Geld. Also erklärte sich eine Freundin bereit, uns nach Hause zu fahren. Auch sie hatte ein sehr kleines Auto, bestand aber darauf, den Auto-Blumenschmuck auf der Motorhaube zu befestigen. Dazu muss gesagt werden, dass diese Dame von Hause aus schon sehr sehr klein war. Vermutlich schaute sie beim Fahren erst durchs Lenkrad und dann erst durch die Frontscheibe. Wenn auf einem winzigen Auto, welches von einer winzigen Frau gefahren wird, noch ein riesiger Blumenschmuck notdürftig befestigt ist – dann darf man nicht überrascht sein, wenn beim Fahren die Blumen an die Windschutzscheibe knallen und sämtliche Sicht nehmen. Wir waren allerdings ebenso überrascht, wie der Motorradfahrer, der an einer Kreuzung auf das Ampelgrün wartete und wir ihn durch mangelnde Sicht nur knapp verfehlten.

Zu Hause angekommen erwartete uns das typische Spielchen der Trauzeugen (Türen versperrt, Bett voller Konfetti, etc.) – nachdem wir uns dadurch gekämpft hatten, fielen wir vollkommen erschöpft auf die Couch. Und ganz ehrlich: Mit romantischer Hochzeitsnacht war es nicht weit her 🙂

Zusammengefasst zeichnete diese Hochzeit schon ein sehr konkretes Bild meines Lebens: Kirchenaversion, Fahrerprobleme, Gezeter…

Ach übrigens: Wir sind noch immer glücklich miteinander verheiratet 😉

Weimar im April 2014

Willkommen im Steffiversum…

… mal wieder ist mir etwas passiert, was sonst wohl keinem so passiert.

Abgesehen davon, dass die Anreise nach Weimar zwar nicht sonderlich weit, dafür von der Deutschen Bahn aber besonders lustig gestaltet wurde (toll, wenn man in wenigen Minuten zwar nicht den Bahnsteig, sondern nur das Gleis wechseln muss – dafür dann aber von einem Ende des Bahnsteiges bis ans andere Ende hasten muss, um den richtigen Wagen zu erwischen… übrigens ein Thema was mir regelmäßig begegnet, mich aber deshalb nicht weniger ärgert) – abgesehen davon, war die Fahrt kurz und nett. Ein netter Taxifahrer spielte gleich noch Touristeninformation und gab tolle Tipps für die abendliche Restaurantsuche. Außerdem ist Weimar ein hübsches Städtchen und es macht wirklich Freude bei tollem Frühlingswetter herum zu fahren.

Im Hotel angekommen wurde ich an der Rezeption freundlich begrüßt. Ja gut – das erwarte ich bei einem 4 Sterne Superior Hotel auch. Nachdem ich endlich das mir zugewiesene Zimmer gefunden hatte (nach gefühlten 25 km Flurlabyrinth) und die Tür öffnete, folgte eine Überraschung.

Zur kurzen Erklärung: ich buche immer große Hotelzimmer oder Suiten, weil ich meist beruflich unterwegs bin und auf dem Zimmer Klienten für Coachings empfange. Erfahrungsgemäß kann es schnell unprofessionell wirken, wenn man sich auf dem Bett gegenübersitzen muss…

Dieses Zimmer jedoch war ein normales Doppelzimmer – nett eingerichtet, sicherlich. Aber viel zu klein und vor allem ohne Tisch und Stühle …

Irritiert rief ich also meine Assistentin an und fragte nach, was für ein Zimmer wir gebucht hatten – schickte ihr rasch ein Foto und erhielt die Bestätigung: So war das aber nicht geplant.

Nachdem auf dem Zimmertelefon weder eine Direktwahl zur Rezeption eingerichtet bzw. markiert war und auch kein Buch mit Hotelinfos zu finden war – machte ich mich also auf den langen Weg zurück in die Lobby. Dort teilte man mir folgendes mit (sollte dies übrigens jemand nachvollziehen können, so bitte ich um eine Nachricht – offensichtlich fehlt mir zum Verständnis wohl der dazugehörige Verstand): Ich sei zu früh angereist ( 14 Uhr – laut Buchungsbestätigung könne man ab 13 Uhr anreisen) und daher hätte man mich statt ins geplante Zimmer, in ein anderes verlegen müssen. Dieses eigentlich geplante Zimmer wäre bereits fertig gewesen – aber weil ich ja früher angereist bin, eben doch noch nicht. Darum wäre das Alternativzimmer nun nicht fertig. (Kommt Ihr gedanklich noch mit? Ich nicht, ich schau mir derweil die Blumen draußen an ^^) Man würde mir aber jemanden hochschicken, der einen Tisch bringt.

Ich eilte nun also wieder hoch aufs Zimmer, setzte mich aufs Bett (nach etwa 75 km Flurweg muss man sich mal ausruhen) um mit meiner Assistentin zu telefonieren. Währenddessen klopfte es einmal ganz kurz und eine ältere, recht forsche Frau mit lila Hosenanzug öffnete die Tür und stand ebenso schnell mitten im Zimmer (gut, keine Kunst, das Zimmer war ja nicht sooo groß). Ich fühlte mich kurz in die Teenagerzeit zurückversetzt, als mein Vater quasi schon mit dem Klopfen im Zimmer stand, wenn ich Jungsbesuch hatte.

Die Dame ließ sich von mir nun noch einmal das Problem schildern, sagte, sie würde sich kümmern und verschwand wieder. Ich hatte meine Assistentin ja immer noch am Telefon, die sich nun das Lachen ob der merkwürdigen Situation kaum verkneifen konnte. Ich telefonierte nun weiter mit ihr und mit einem Male stand die Dame (die beim Herausgehen beiläufig erwähnte, dass sie die Hausdame wäre – interessantes Detail) wieder im Zimmer – auf das Klopfen hatte sie nun gleich ganz verzichtet. Sie legte mir eine Tischdecke auf den Schrank und kündigte mir den Besuch der Haustechniker an, die Tisch und Stühle bringen würden – und für den nötigen Platz sorgen würden. Dann ging sie mit den Worten „Dann muss man eben ein größeres Zimmer buchen!“

Nachdem zwei sehr nette Haustechniker zum Möbelrücken kamen (die haben sogar angeklopft… ahnt man ja in diesem Hotel nicht ^^) und sogar einen Tisch mit zwei Stühlen brachten, war dann ca. 10 Minuten vor dem ersten Meeting auch das Zimmer fertig.

Der Rest der Reise war dann überraschenderweise ganz ruhig. Und Weimar mit Sicherheit eine Reise wert!

Bericht von der Esoterikmesse Herbst 2010 in Berlin

Und dann war da noch die Esoterikmesse vom 17.-19.9.2010 im AVZ-Logenhaus in Berlin.

Es war schon die dritte Teilnahme an dieser messe und so hielt sich auch die Aufregung in Grenzen. Ich hatte mal wieder viele liebe Helfer, die diese doch anstrengenden Tage zu einem Vergnügen werden ließen. Vielen Dank an die Heinzelmännchen und Heinzelfrauchen 🙂

Ich habe natürlich auch wieder Vorträge gehalten – diesmal zum Thema Räuchern und zum Thema Kerzenzauber.

Mit auf dem Foto ist unser sehr netter Standnachbar ( eigentlich eher Stand-Gegenüber) Werner Gießing, ein toller Handleser und Buchautor. Wir hatten wirklich viel Spaß miteinander.

Die nächste Esoterikmesse in Berlin findet im Februar statt. Unseren Stand habe ich bereits reserviert!

>