Kinder Archive - Stefanie Gralewski

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Von Monstern in der Welt und unterm Bett

In einem früheren Blogartikel (hier) schrieb ich darüber, dass wir unsere Kinder (und auch uns selbst) eher ermutigen statt ängstigen sollten. Darauf habe ich einige Nachrichten, viel Zustimmung und auch kritische Nachfragen bekommen. Da ich mich wirklich gern mit meinen Lesern austausche, freue ich mich auch auf Feedback von Dir. Bitte fühl Dich frei, mir einen Kommentar zu hinterlassen oder eine Email an mich zu senden.

Natürlich ist mir bewusst, dass das Leben nicht immer rosarot ist. Ich selbst habe in meinem eigenen Leben schon viel gesehen. In meinen Beratungen höre ich von furchtbarem Kummer, schrecklichem Schmerz und unbegreiflichen Schicksalen. In meinem Büro fließen oft Tränen. Aber ich bin eben nicht nur Beraterin, sondern auch Mutter. Als mein damals 4jähriger Sohn mich einmal ganz unvermittelt fragte: „Mama, gibt es Monster auf der Welt?“ Tja.. da wusste ich auch keine Antwort auf Anhieb. Was soll man da sagen? Im Hintergrund lief der Fernseher, das Kinderprogramm war gerade vorbei, da begannen wie zur Antwort auf seine Frage eine Nachrichtensendung mit Berichten über Krieg, Gewalt und Hunger.

Natürlich schaltete ich den Fernseher sofort aus und auch später filterte ich sehr sorgfältig, was meine Kinder sehen durften und was nicht. Diese kurze, völlig aus dem Zusammenhang gerissene Kurzfassung des Weltgeschehens sehe ich nicht als kindergeeignet an. Doch heute ist aus dem kleinen, unbedarften Bub ein 17jähriger junger Mann geworden. Dieser junge Mann stellt Fragen, die manchmal unbequem sind. Diese Fragen dulden keinen Aufschub und keine Ausrede. Ich bemühe mich sehr, zu allen Fragen eine Antwort zu formulieren – als Gegenpol zu den vielen Antworten, die ihn im Internet überschütten. Ich versuche, meine Sicht der Dinge zu erklären und verweise aber auch darauf, dass andere Menschen vielleicht eine andere Sicht haben. Das ist mir deshalb so wichtig, weil die Monster in seiner Welt keine rosa Puschelöhrchen mehr haben.

Natürlich würde ich meine Söhne gern ganz fern halten von düsteren Themen. Beschützen vor einer Welt, in der nicht immer die Sonne scheint. Eine Welt, in der manche Dinge nicht stimmen; in der es Ungerechtigkeit und auch Kummer gibt. Ich möchte, dass meine Babys (die schon längst keine mehr sind) keinen Schaden nehmen. Ich möchte aber auch, dass sie erkennen, dass die Welt viel öfter schön als schlecht ist. Meine Kinder sollen wissen, dass das Leben kostbar ist und dass es sich lohnt, für seine Meinung einzustehen und mutig seinen Weg zu gehen. Dafür müssen sie jedoch vorbereitet und ihre Ängste ernst genommen werden.

„Man wird nicht erleuchtet, indem man sich Lichtfiguren vorstellt, sondern indem man sich die Dunkelheit bewusst macht. Das letztere Verfahren ist jedoch unangenehm und daher nicht sonderlich beliebt.“

Carl Gustav Jung

Wie steht es mir Dir? Wie gehst Du mit Situationen um, die Dir Angst machen? Ziehst Du Dich zurück, schimpfst über die Welt und hoffst, dass alles vorbeizieht? Oder nimmst Du Dein Leben mutig in die Hand und suchst nach neuen, glücklichen Wegen?

Eins, zwei, drei, vier Eckstein – alles muss versteckt sein!?

So mancher Erwachsene hält sich als Schutz vor dem Bösen der Welt die Augen zu und meint – wie im Kinderspiel -, dass nun alles verschwunden sei. Doch ist es das?

Ich habe vor nun mehr als 12 Jahren beschlossen, einen Vorschlag meines Sohnes zu befolgen. Und das kam so: Das Monsterthema war damals noch immer nicht vom Tisch. So fand ich den 5jährigen eines Abends Monster suchend unter dem Bett. Als ich nachfragte, sagte er: „Mama weißt Du, die Monster sind vielleicht nur deshalb böse, weil alle sie verjagen. Ich nehm sie einfach alle mit unter meine Kuscheldecke und hab sie lieb. Dann können sie auch mit anderen lieb sein.“

Vielleicht ist das ja der Ansatz für Frieden in der Welt? Hinsehen und alle (auch die vermeintlich Bösen) mit Liebe überschütten? Das ist Unfug, sagst Du? Im Kleinen funktioniert es jedenfalls…

„Wie oben, so unten; wie unten, so oben. Wie innen, so außen; wie außen, so innen. Wie im Großen, so im Kleinen.“

Hermes Trismegistos in den Hermetischen Schriften

Von Himmelfahrten, Kirschkernen und anderen Angstmachern

Vor einiger Zeit saß ich mit einigen lieben Kollegen und Kolleginnen zusammen. Bei einem Glas Wein erzählten wir uns lustige Anekdoten über unsere Kindheit. Eine der Kolleginnen erzählte eine Geschichte, die mich sehr nachdenklich machte – und irgendwie immer noch beschäftigt.

Sie erzählte davon, wie in ihrem Heimatdorf die Feierlichkeiten zu Christi Himmelfahrt von Statten gingen: Nahezu das ganze Dorf war mit geschmückten Kremsern und Pferdekutschen in einer Art Prozession unterwegs. Die Männer fuhren vorneweg, die Kinder und die Frauen folgten. Soweit ist das Ganze gar nicht ungewöhnlich, denn in nahezu jedem Dorf Deutschlands sind solche oder ähnliche Umzüge bekannt.

Das kleine Mädchen, das später meine liebe Kollegin werden sollte, war jedoch furchtbar besorgt: Sie hatte nämlich das Wort „Himmelfahrt“ aufgeschnappt. Nun befürchtete sie, dass die vorausfahrenden Kremser irgendwann quasi abheben und gen Himmel fahren würden. Und wer dort einmal war, kaum auch nicht wieder – das wusste das Mädchen schon. Den ganzen Tag ließ sie sich nicht beruhigen und kam erst abends zur Ruhe, als die Pferde wieder in ihren Ställen standen. Alle Erwachsenen amüsierten sich über diese Angst und befeuerten die Befürchtungen im Laufe des Jahres immer und immer wieder, um den „Gehorsam“ des Kindes zu „fördern“.

Natürlich schmunzelt man bei dieser Geschichte – so auch wir, wie wir dort nach einem langen Seminar zusammen saßen.

Angst ist immer noch das Mittel der Wahl in der Kindererziehung – traurig, oder?

Aber im Nachhinein ließ mir dieses Thema keine Ruhe. Ist es nicht auch heute so, dass Ängste einfach belächelt oder sogar willentlich geschürt werden? Gerade Kindern erzählt man doch gern Geschichten vom Monster unterm Bett, damit die Kleinen nachts nicht immer noch aufstehen.

Oder man berichtet von Karius und Baktus, die die Zähne furchtbar kaputt machen, wenn man nicht genügend putzt. Kirschbäume, die im Bauch wachsen, wenn man die Kerne verschluckt; ein Weihnachtsmann, der die Rute schwingt, wenn man nicht brav war; Daumen, die davon laufen, wenn man zu lange an ihnen nuckelt – diese zum Teil ziemlich gruseligen Geschichten werden erzählt, um Kinder in Bahnen zu lenken, oder damit Kinder „funktionieren“. Sie gelten auch in unserer Zeit als durchaus legitimes Mittel der Erziehung.
Wem wurde denn nicht schon mal gedroht, dass Gott traurig werde, wenn man nicht brav sei? Oder dass es regnen würde, wenn man nicht aufgegessen hat?

Auch Erwachsene lassen sich durch Angst sehr gut lenken!

Und das Spiel mit den Ängsten zieht sich auch durch das Erwachsenenleben: Wenn eine bestimmte Meinung bei den Menschen herrschen soll, werden gezielt Unwahrheiten verbreitet, die ängstigen. Denn das ist immer noch der einfachste und effektivste Weg der Manipulation.

Menschen, die Angst vor einer (womöglich sogar ausgedachten) Hölle (die ja niemand genau beschreiben kann, wenn es sie denn gibt) haben, laufen blindlings irgendwelchen Religionsführern hinterher, nur damit die (wenn auch kleine) Chance auf das Seelenheil das Leben leichter macht und die eigene Verantwortung für getroffene Entscheidungen abgegeben (oder mit sinnlosen religiösen Regeln zumindest gerechtfertigt) werden können.

Die Medien überschlagen sich mit furchtbaren Schlagzeilen und versuchen, sich nicht nur täglich selbst, sondern auch alle anderen Redakteure in brutaler Wortwahl und scheußlichen Vergleichen zu übertreffen. Man könnte meinen, dass sich eine Ausgabe besser verkauft, je grausiger die Schlagzeilen formuliert sind. Dabei sind verschiedenen Studien nach die Zeiten gar nicht schlimmer geworden, nur sind die Berichte dazu allgegenwärtig.

Immer schön an die eigene Nase fassen!


Und bevor wir jetzt auf die Weltpolitik oder die böse Zeitung mit den vier großen Buchstaben schimpfen, schauen wir doch mal ganz ehrlich und aufrichtig auf uns: Wann haben wir denn zum letzten Mal eine Geschichte stärker ausgeschmückt, als nötig? Wann haben wir uns selbst in eine Angst so sehr hineingesteigert, dass wir fast wie gelähmt waren? Lesen wir zum x-ten Mal einen Bericht über ein Unglück, um noch mehr Details zu erfahren?

Im spirituellen Bereich sprechen wir immer wieder davon, unsere Ängste loszulassen oder zu überwinden. Und das gelingt am besten, wenn wir sie gar nicht erst groß werden (oder noch besser gar nicht erst entstehen) lassen.

Laut Wikipedia ist Angst ein Gefühl, das sich in als bedrohlich empfundenen Situationen äußert. Auslöser seien demnach erwartete Bedrohungen. ERWARTETE! Wir fürchten, dass etwas passieren KÖNNTE! Demnach wäre Angst nur eine Fantasie…

Statt von der Mücke zum Elefanten, lieber vom Elefanten zur Mücke

Ängste kann man schon im Anfangsstadium bekämpfen, wenn man sich einmal konkret bewusst macht, wovor genau man sich eigentlich fürchtet. Ist die Angst denn realistisch begründet (Z. B. bei heftigem Gewitter auf einem freien Feld zu stehen könnte gefährlich sein), der Grund faktisch nachweisbar (Ja, das rote Auto fährt wirklich schnell.)? Dann kann man sich auf Lösungssuche begeben (z. B. einen sicheren Unterschlupf im Unwetter zu suchen oder das Auto erst vorbeifahren zu lassen, bevor man die Straße betritt). Oder ist die Angst eher von anderen eingeimpft und dient der Manipulation oder Meinungsmache? Dann dürfen wir diese nämlich einfach ignorieren und uns positiven Gedanken zuwenden.

Statt eines „Pass auf, dass Du nicht hinfällst!“ könnten wir unseren Kindern ein „Hast Du gesehen, dass die Steine nass sind?“ mitgeben. Statt eines „Fall nicht runter!“ eher ein „Halt Dich gut fest!“.

Wir könnten der verschleierten Nachbarin einfach einen „Guten Tag!“ wünschen (und ignorieren, dass eine große Zeitung vor weiblichen, muslimischen Terroristen „warnt“).

Wir könnten uns einfach auf einen großartigen Tag freuen, wenn wir morgens aufstehen – dankbar, dass die allermeisten unserer Ängste völlig unbegründet sind.


„Die einzigen wirklich Feinde eines Menschen sind seine eigenen negativen Gedanken.“

Albert Einstein

Über das Paarungsverhalten der Spatzen…

Kinder sind wirklich etwas wundervolles… also meistens…

Mein älterer Sohn – damals ca. 4-5 Jahre alt – und ich gönnten uns nach einem kleinen Shoppingbummel ein Eis. Wir setzten uns auf eine Bank in der Nähe des Einkaufszentrums und genossen den lauen Frühlingstag und die ersten wirklich warmen Sonnenstrahlen. Gedankenverloren beobachtete mein Sohn die Spatzen, die sich ganz in der Nähe um ein paar Brotkrumen stritten.

Es entspann sich folgendes Gespräch zwischen uns:

Sohn: „Du Mama… Warum tschiepen die Vögel?“
Mama: „Naja… vielleicht streiten sie sich darum, wer die Krümel fressen darf.“
Pause
Sohn: „Du Mama… Und warum tschiepen Vögel noch so?“
Mama: „Vielleicht um sich zu unterhalten?“
Pause
Sohn: „Du Mama… tschiepen Vögel vielleicht auch, wenn sie sich paaren wollen?“
Kleine Anmerkung: Mein Sohn ging sehr lange davon aus, dass „sich paaren“ soviel bedeute wie „heiraten“ bzw. „ein Paar werden“. Ich konnte also ganz unbefangen antworten.
Mama: „Klar.. wieso nicht?“
etwas längere Pause
Sohn: „Du Mama… hat Papa auch getschiept, als Ihr Euch gepaart habt?“

Es versteht sich von selbst, dass ich mein Lachen mit einem großen Löffel voll Eis erstickt habe…

Und eine nette Nebengeschichte: ich erzählte einer Klientin von dieser Begebenheit und erntete – wie immer – großes Gelächter. Einige Tage später rief diese Klientin mich an und erzählte mir, dass ich ihr – zu ihrer Empörung – einen romantischen Abend mit ihrem Mann vermiest hätte. „Wie das?“ wollte ich wissen. Die Antwort: Die Klientin war nach einem romantischen Essen mit ihrem Mann im Begriff, den Nachtisch im Schlafzimmer zu genießen. Bis zu dem Moment, wo draußen vor dem Fenster ein paar Spatzen in Streit gerieten und laut zu tschiepen begannen. Vor lauter Lachen war dann wohl der Abend gelaufen.

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