Marktleben Archive - Stefanie Gralewski

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Mittelaltermärkte sind auch Teil des Steffiversums

Heute möchte ich auch mal etwas von meiner Zeit auf Mittelaltermärkten erzählen…

Ich bin seit Sommer 2009 auf Mittelaltermärkte gefahren. Zunächst auf Einladung einer Bekannten eines Freundes (wie das eben so ist… „Kennst Du jemanden, der jemanden kennt? Vielleicht kennt der jemanden?“). Der Markt fand auf einem Privatgelände statt, also in sehr geschütztem Rahmen. Das war ziemlich entspannt. Ein Verkaufsstand wurde gestellt, also musste man nur seinen Kram zusammenpacken und ins Auto laden und hinfahren… Moment! Ins Auto laden? Tja… spätestens hier beginnen die Probleme – so ziemlich bei all meinen Projekten! Ich habe aus verschiedenen Gründen weder eine Fahrerlaubnis, noch ein Auto. Bei einer Betrachtung im Nachhinein war das schon eine wirklich blöde Idee, das Martkthema auszuweiten. Denn da ich nicht auf nem Eselkarren zeitgemäß zum Mittelaltermarkt reisen wollte, war ich also immer darauf angewiesen, dass mich jemand fährt. Zu Beginn war das auch recht unproblematisch. Und es ließ sich alles organisieren – es war ja eher selten.

Wie das bei mir immer so ist: Dinge ergeben sich „so irgendwie“ – ich weiß gar nicht genau, WAS und WIE sich bestimmte Situationen ergeben, aber manche Dinge entwickeln „irgendwie“ ein Eigenleben und dann … ja dann hab ich den Salat ^^

Doch dann wurde das IRGENDWIE mehr, ich bin in Hochzeiten nahezu jede Woche von Ostern bis Oktober auf Märkten gewesen. Immer mit Fahrer – entweder privat organisiert oder aber Firmen beauftragt. Man muss aber nun nicht glauben, dass das immer reibungslos geklappt hätte – nein, ganz im Gegenteil! Sogar Firmen, die ich für viel Geld gebucht hatte (und mit denen auch schon gefahren war!) , sagten kurz vorher die Touren ab. Und ich stand dumm da… Und man muss nicht denken, dass Bekannte, mit denen man das privat organisierte, sonderlich zuverlässiger wären… Ja… sowas passiert nur im Steffiversum.

Ehrlich gesagt war nicht nur das Autothema ein Grund, der deutlich gegen (Mittelalter-)Markttouren sprach.

Ich bin nämlich ein klitzekleines bisschen pingelig in manchen Dingen. Ich höre beim Schreiben schon förmlich, wie eine meiner besten Freundinnen (Claudi), die ich zum Beginn meiner Marktzeit kennengelernt habe (eben auf diesen Märkten), vor Lachen vom Stuhl fällt. Jaaaa, nur ein bisschen pingelig. Fremde Toiletten zu benutzen ist kaum für mich zu ertragen, ein Dixiklo brachte mich an den Rand einer Ohnmacht. Ich mag mir einfach nicht mit anderen Leuten Geschirr und/ oder Besteck teilen. Ich mag nicht mit anderen Duschen gehen. Ich möchte nicht ungeschminkt gesehen werden und es macht mich wahnsinnig, anderen beim Zähneputzen zu zusehen. Und wer schon mal über Nacht auf einem Mittelaltermarkt war (Camping ist das Gleiche und zählt!), der weiß, dass all das nur schwer bis gar nicht zu umgehen ist.

Ich hasse es zu frieren – und ich habe Märkte gehabt, wo es auf das Zelt schneite und das Wasser in den Kanistern gefror…
Aber da ich auch bei 18 Grad nachts friere wie ein Schneider (und wenn es nachts wärmer als 18 Grad ist, dann kann man sich vorstellen, wie heiß es tagsüber ist – und DAS ist auch nicht so schön) ist auch die Zeit der Märkte für mich inzwischen vorbei … Die tapferen Kelten (bei denen ich 2 Jahre Gast im Lager war) fanden es natürlich wahnsinnig lustig, zu sehen, wie ich abends schlafen ging: langer Jogginganzug + Rollkragenpullover+T-Shirt+Dicke Socken … Dazu ein dicker Schlafsack, eine Wolldecke und eine Steppdecke… und Heizlüfter… und ich hab trotzdem gefroren…

Und womit ich noch für Unterhaltung sorgen konnte?
… mit der unverschämten Erdanziehungskraft, die mich regelmäßig zu Boden riss… mit einem schönen, dumpfen Plumpsgeräusch…
… wenn ich Wassermelone mit Messer und Gabel aß…
… meine Kunden von meiner Bank plumpsten…
… wenn ich mal wieder fror…
… wenn ich mit Desinfektionsmittel und Feuchttüchern bewaffnet zur Toilette zog…
… und natürlich mein Metkonsum (höchstens mal nen Becherchen) – denn ich vertrage so rein gar nichts! Und ich erinnere mich an einen Markt 2013 (den Ort möchte ich zum Schutz der Beteiligten lieber nicht nennen ^^), auf dem wir spätsabends wie die Pennäler kichernd zum Klo getorkelt sind. Ganz zu schweigen von lustigen Ideen zum Löschen einer Kerze (gell, Schmuschi?)…

Ja, doch, ich vermisse es irgendwie…

Fragen über Fragen…

Warum …

Warum eigentlich sitzen mir Männer im ICE gegenüber, die plötzlich ihre Schuhe ausziehen und auf den Sitz neben mir legen? Muss ich froh sein, dass sie mir ihre Füße nicht auf den Schoß gelegt und um eine Massage gebeten haben?

Warum eigentlich sitzen kübelnde Kinder eigentlich immer bei mir im Abteil? Und warum halten Väter der kübelnden Kinder ihren Nachwuchs so, dass sie ihnen zwar nicht auf die eigenen Schuhe reiern, wohl aber aufs Gepäck der Mitreisenden?

Warum werde ich gefragt, ob ich ausziehe, wenn ich ein Auto für einen Mittelaltermarkt packe? Und warum braucht man für einen Mittelaltermarkt soviel Zeugs?

Warum ist mir früher eigentlich mein Hausschlüssel immer genau IN den Gulli gefallen, wenn der Kaugummi, den ich hineinspucken wollte, immer daneben flog?

Warum eigentlich muss ich beim Stricken niesen und steche mir dabei mit einer Stricknadel fast ein Auge aus?

Warum eigentlich komme ich dauernd mit den Wochentagen durcheinander? Regelmäßig beschleicht mich dieses dumpfe Gefühl, zur falschen Zeit (also nicht Uhrzeit! Sondern eher am falschen Tag) am Ort des Termins zu sein. Nun muss man aber nicht glaube, dass ein Blick in meinen Kalender mich beruhigen würde… ich hab dann Angst, dass ich mich verschrieben haben könnte…

Warum eigentlich erwische ich das einzige Hotel auf der ganzen weiten Welt, wo man einen Termin für den Hotelpool vereinbaren muss? Kann ein Hotelpool bereits in einem Termin mit einem anderen Gast sein? Oder ist der Pool evtl. gerade zu Tisch?

Warum eigentlich werde ich 5 Minuten nachdem ich das Haus zur Gassirunde mit meinem Hund verlassen habe von Passanten angesprochen, ich solle dem armen Tier doch mal was zu trinken geben. Man sehe dem Hund ja an, dass ich schon lange in der Hitze (ok, 30 °C ist warm, mir auch^^) unterwegs wäre… -.-

JA JA JA – ICH HABE GESCHLUST!

Ich gebs ja zu – ich war faul! Ich habe hier in den letzten Wochen nicht geschrieben, aber das hol ich jetzt alles nach! Eigentlich war ich auch gar nicht richtig faul, es ist nur so viel passiert.

Zum Beispiel war ich mit einem zauberhaften kleinen Marktstand auf der Zitadelle Spandau beim Ritterfest geladen.

Zum allerersten Mal bin ich Schausteller auf einem Mittelaltermarkt gewesen. Und dann auch noch gleich bei Spilwut – eine wahre Größe mit Promi-Status gerade im Brandenburger Raum.

Freitag, 10.9.10
Abends war schon der Aufbau des Standes – wir haben uns einen Stand von Wiebke (Kräuterey Rüdersdorf ) geborgt und diesen mit Stoffen von meinem Messestand (weinroter Pannesamt) verkleidet.

Samstag, 11.9.10
Schon früh fuhren wir im gemieteten Transporter von Hellersdorf nach Spandau. Denn das Auto musste bis spätestens 9 Uhr vom Marktgelände verschwunden sein. Noch während des Aufbaus versorgte meine Mama uns mit Frühstück und so begann frisch gestärkt um 10 Uhr das Burgfest mit Mittelaltermarkt. Nach dem Feuerwerk  saßen wir alle noch nett bei einem oder zwei (oder mehr) Bechern Met zusammen – eine wirklich tolle Stimmung. Gegen 2 Uhr morgens fiel ich totmüde ins Bett.

Sonntag, 12.9.10
Auch am Sonntag fing der Markt wieder um 10 Uhr an. Ich durfte viele tolle Menschen kennenlernen – sei es als Mitaussteller  oder als Kunden. Natürlich hatte ich zusätzlich zu den tollen Angeboten an Büchern, Karten auch Schmuck und Schnickschnack dabei.

Der Holzstand war geliehen, mein Hexenlädchen hatte eine Menge im Angebot und ich war super aufgeregt. Liebe Freunde standen mir am ganzen Wochenende tapfer zur Seite um den Besucherstrom zu bewältigen. Alles in allem kann ich wirklich von erfolgreichen Tagen sprechen. Und dieser Markt wird mit Sicherheit nicht der letzte dieser Art gewesen sein – denn Roman (der Organisator) hat mich zum größten, mittelalterlichen Ostermarkt der Region eingeladen. Ich habe also in den nächsten Monaten ordentlich zu tun, um allen Anforderungen an einen authentischen Stand auf einem tollen Mittelaltermarkt zu erfüllen.

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