Reisen Archive - Stefanie Gralewski

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Hannover im Januar 2016

Da hat es nun doch ein paar Wochen gebraucht, bis ich wieder hier für Euch schreibe. Ich habe Euch natürlich nicht vergessen. Aktuell bin ich allerdings öfter an meinem Schreibtisch als unterwegs und zu Hause läuft alles in geregelten Bahnen – und nach meinen Regeln 🙂

Und wenn ich dann mal unterwegs war, gab es gar nicht sooo viel außergewöhnliches. In der letzten Woche war dann mal wieder ein Trip nach Hannover angesagt (und bei aller Toleranz: Ich habe selten so unhübsche Städte gesehen!) – mein letzter Aufenthalt dort ist 16 Jahre her. Das Hotel nahe des Bahnhofs ist wirklich ein Träumchen und ich werde dorthin mit Sicherheit noch öfter fahren. Das Personal dort ist unglaublich freundlich und nur selten etwas… nun, nennen wir es verpeilt.

So wurde ich eines Abends vom Roomservice mit einem fröhlichen „Guten Morgen!“ begrüßt. Ich antwortete leicht irritiert: „Gerade erst aufgestanden?“ Der verständnislose Blick der servierenden Dame brachte mich zu zwei möglichen Schlüssen: Entweder sie war wirklich gerade aufgestanden und hielt sich bis vor wenigen Minuten halbkomatös an der Kaffeetasse fest – oder aber sie war jetzt nicht so ganz die hellste Kerze auf der Torte…

Eins muss ich aber noch berichten: In manchen Häusern – so auch dort – bekommt man auf Wunsch auch einen Turn-down-Service. Zur gewünschten Uhrzeit kommt dann jemand vom Housekeeping ins Zimmer, räumt noch mal auf, lüftet einmal durch, schließt die Vorhänge und schlägt das Bett auf. Nun gut, das ist auch für mich noch im Bereich des Möglichen. Allerdings ist die aufgedrehte Heizung im Bad mit den darauf bereit gelegten Handtüchern ein von mir gern angenommener Luxus. Nur die Bettvorleger (kleine Mini-Baumwoll-Laken) erinnerten mich zu sehr an die Stoffservietten vom Abendessen – es versteht sich von selbst, dass ich diesen Vergleich gedanklich nicht mehr losgeworden bin und mir lieber Papierservietten organisiert habe… 😉

Chemnitz im April 2014

Na das geht ja schon gut los hier… gerade in den ICE nach Leipzig (dort Umstieg in RE nach Chemnitz) eingestiegen und schon musste ich den ersten Lachanfall verstecken.

Ich gestehe, der sächsische Dialekt und ich sind nicht unbedingt Freunde. Zwar habe ich dort eine sehr liebe Stammkundin, mit der ich mich stundenlang unterhalten kann und bei der mich dieses sächseln nicht stört… Aber wenn die Zugbegleiterin von einem  englischsprachigen (britischen?) älteren Paar angesprochen wird und sich folgender Dialog entspinnt, dann ists bei mir aus mit der Zurückhaltung…

Fahrgast (er): „Excuse me please. Is this First Class?“

Zugbegleiterin (wirkt etwas irritiert, vermutlich, weil wir eben in der 1. Klasse stehen…) guckt, lächelt: „Nu gloar“.

Irritierte Blicke nun auch bei dem Paar. Nun versucht der weibliche Fahrgast sein Glück: „Firts Class? Erst Klazssss?“ Beide heben den Daumen, um der Zugbegleiterein etwas auf die Sprünge zu helfen, fragende Gesichter dazu…

Die wirklich sehr gut gelaunte (das darf man bei der Bahn ruhig auch mal betonen!) Zugbegleiterin: „Tuh Klass hindor the Gloasscheeeibe“ Dann hebt sie den Daumen und sagt: „Senk ju“ dreht sich um und geht… sie hinterlässt ratlose Gesichter und nen Lachflash bei mir.

Willkommen im Steffiversum…

ach nein, zunächst einmal willkommen in Chemnitz. Ein riesengroßer Bahnhof, der noch genau so aussieht wie früher (also so ganz ganz früher – nicht eben mehr Kutschen, aber kurz danach) empfängt mich. Gut, er ist auch der einzige, denn außer mir ist der Bahnhof menschenleer. Lustig – eben ist doch ein Zug eingefahren… nun gut. Ich laufe durch die Bahnhofspassage. Außer einem Fastfood-Restaurant und einer KIK-Filiale gibts hier nichts – ach doch. Ein riesengroßer Zeitungsladen ist in der Bahnhofspassage auch noch zu finden. Aber auch dieser – menschenleer.

Wenn ich in einer mehr oder weniger fremden Stadt ankomme, folge ich immer konsequent der Taxi-Ausschilderung. Niemals fahre ich mit dem ÖPNV. In Chemnitz fährt die Straßenbahn praktischerweise direkt IM Bahnhof. Dennoch entscheide ich mich gegen ein kleines Abenteuer und suche ein Taxi. Vor dem Bahnhof angekommen – erspähe ich ein einziges Taxi – allerdings herrenlos, kein Fahrer in Sicht. Etwas ratlos stehe ich in der Gegend herum, weit und breit keine Alternative… nach etwa 10 Minuten – während ich bereits über eine ortsansässige Klientin mein Taxiglück suche – kommt eine ältere Frau mit einem kleinem Koffer aus dem Bahnhof (ach, kam schon wieder ein Zug??), stellt sich neben das verlassene Objekt meiner Begierde und brüllt aus Leibeskräften: „TAAXII!“ Und siehe da – aus einer kleinen Bahnhofskneipe kommt der vermisste Taxifahrer. So ruft man hier also ein Taxi!

Nachdem ich dann mit einem anderen Taxi doch noch zum Hotel kam und der Checkin relativ problemlos überstanden war, begutachtete ich mein Zimmer. Diesmal war die Suite über zwei Etagen in einer Art Maisonette eingeteilt, unten Sitzecke, oben Bett und Bad – und eine Terrasse mit Blick auf das mehr oder weniger malerische Chemnitz. Das hätte sogar nett sein können, wenn nicht der Küchenkamin direkt vor meinem Zimmer dicke Wolken gepustet hätte. Ein größeres Problem für mein Kopfkino war die ganze Tatsache, dass die Terrasse von allen Gästen der Etage betreten werden konnte – jedes Zimmer hinter einem kleinen Sichtschutz. Ich konnte mich abends nicht richtig entscheiden: Vorhänge auf (um evtl. Einbrecher rechtzeitig zu sehen und mit dem Schuh in die Flucht zu schlagen) oder aber die Vorhänge zuziehen (um nicht beim Schlafen beobachtet zu werden). Ich hab abends bestimmt 10 x die Vorhänge auf und zugezogen -.-

Etwas irritierend war auch die Tatsache, dass die Minibar zwar generell vorhanden, jedoch gänzlich leer war. Die in Tüten eingeschweißten Plastikzahnbecher fand ich dann einfach nur stillos – wir erinnern uns … ich fahre immer nur 4 Sterne-Hotels an …

Nach tollen Kundenterminen war ich abends noch mit einer Stammkundin aus zum Essen. Sie hatte einen Tisch reserviert im „besten Haus am Platze“ – mit „Chemnitz‘ idyllischstem Biergarten“. Joa – da an diesem Abend eben in diesem Biergarten das erste Gruppenspiel der Deutschen der WM auf Großleinwand gezeigt wurde und lauter besoffene Männer sächsisch gröhlten – ja, da war das dort ganz besonders idyllisch. Das Essen war sehr gut, der Wein auch 😉

Die Rückfahrt ist bisher auch recht entspannt – aktuell sitze ich im ICE ab Leipzig (auch der ist überraschend leer – ist heute irgendwas?) und das einzige was ich noch loswerden möchte: Du lieber Fahrgast, der mir auf dem Leipziger Hauptbahnhof mit einem Becher Kaffee und einer Jeans mit sehr gewagten, modisch scheinbar gewollten Rissen entgegen kam – scheinbar haben es die Götter gut mit Dir gemeint und Dir eine beachtliche Männlichkeit geschenkt. Eine gewisse Frische dort erzielt man jedoch eher mit Wasser und Seife, anstatt mit Leipziger Stadt- bzw. Bahnhofsluft. Vielleicht solltest Du mit einem Blick in das Schaufenster nicht den Sitz Deiner Frisur prüfen, sondern den Sitz der Hosenrisse!

🙂

Fragen über Fragen…

Warum …

Warum eigentlich sitzen mir Männer im ICE gegenüber, die plötzlich ihre Schuhe ausziehen und auf den Sitz neben mir legen? Muss ich froh sein, dass sie mir ihre Füße nicht auf den Schoß gelegt und um eine Massage gebeten haben?

Warum eigentlich sitzen kübelnde Kinder eigentlich immer bei mir im Abteil? Und warum halten Väter der kübelnden Kinder ihren Nachwuchs so, dass sie ihnen zwar nicht auf die eigenen Schuhe reiern, wohl aber aufs Gepäck der Mitreisenden?

Warum werde ich gefragt, ob ich ausziehe, wenn ich ein Auto für einen Mittelaltermarkt packe? Und warum braucht man für einen Mittelaltermarkt soviel Zeugs?

Warum ist mir früher eigentlich mein Hausschlüssel immer genau IN den Gulli gefallen, wenn der Kaugummi, den ich hineinspucken wollte, immer daneben flog?

Warum eigentlich muss ich beim Stricken niesen und steche mir dabei mit einer Stricknadel fast ein Auge aus?

Warum eigentlich komme ich dauernd mit den Wochentagen durcheinander? Regelmäßig beschleicht mich dieses dumpfe Gefühl, zur falschen Zeit (also nicht Uhrzeit! Sondern eher am falschen Tag) am Ort des Termins zu sein. Nun muss man aber nicht glaube, dass ein Blick in meinen Kalender mich beruhigen würde… ich hab dann Angst, dass ich mich verschrieben haben könnte…

Warum eigentlich erwische ich das einzige Hotel auf der ganzen weiten Welt, wo man einen Termin für den Hotelpool vereinbaren muss? Kann ein Hotelpool bereits in einem Termin mit einem anderen Gast sein? Oder ist der Pool evtl. gerade zu Tisch?

Warum eigentlich werde ich 5 Minuten nachdem ich das Haus zur Gassirunde mit meinem Hund verlassen habe von Passanten angesprochen, ich solle dem armen Tier doch mal was zu trinken geben. Man sehe dem Hund ja an, dass ich schon lange in der Hitze (ok, 30 °C ist warm, mir auch^^) unterwegs wäre… -.-

Hamburg im Mai 2014

Wirklich, ich sollte ein Buch schreiben… über mein Reisen… es würde sich bestimmt lohnen…

Ein Beispiel?

Die Deutsche Bahn war eben der Meinung, Ihre Fahrgäste hätten wohl zu wenig Bewegung… da hat sie (die DB) mal eben (2 Minuten, bevor der ICE in den Bahnhof einfährt) die Wagenreihung komplett geändert. Aus DB-Sicht war es bestimmt lustig anzusehen, wie alle nun verwirrt von einem Ende des Bahnsteigs zum anderen liefen (und sich an denen vor bei drängten, die in anderer Richtung unterwegs waren. Besonders lustig ist dieses Spiel aber nur, wenn der Zug sich unterwegs teilt und der Fahrgast den RICHTIGEN Wagen erwischen muss, um nicht anstatt in Erfurt, in München zu landen. 

Einen Trost gibt es allerdings: vor der DB sind scheinbar alle Menschen gleich… denn die Herren der (Hamburger) FDP, mit denen ich im Wagen Sitze, sahen genau so verirrt aus, wie ich 

Und nein, Herr G., Sie wirken – anders als Sie eben vermuteten und Ihrem Kollegen zuraunten (zu laut) – neben der Dame in schwarz (also neben mir) nicht etwa „plötzlich rank und schlank“, sondern – mit Verlaub – einfach nur blöde -.-

Brno im November 2013

Eine Zugreise durch Osteuropa im November 2013 führte mich von Dresden auch Richtung Brno. Abgesehen von Heimatgefühlen, die ich beim Anblick einer Kaufland-Filiale entwickelte, war Brno eine wirklich niedliche Stadt. Sie sah aus wie eine Mischung aus einem DDR-Ort in den 80ern und einer altenglischen Arbeiterstadt.

Ich saß in einem 8er Abteil meist allein und genoss die Fahrt. Ich fahre wirklich gern mit dem Zug. Aber ich habe irgendwie kein Glück mit meinen Mitfahrern. Also die fremden Menschen, die vom Universum gesandt wurden, mit mir eine Strecke des Weges gemeinsam zurückzulegen – und mir dabei fürchterlich auf den Zünder zu gehen. Der Chinese mir gegenüber, der von Prag bis Brno mitfuhr, störte mich abgesehen von seiner lauten asiatischen Musik vom IPod nicht so sehr. In Brno stieg eben dieser Herr aus und ich dachte schon, ich würde wieder ein Stück allein fahren – doch ich irrte. Ein Mann riss die Tür des Abteils auf und fragte (in einem sehr freundlichen Ton, der nicht zur Art des Türöffnens passen wollte) irgendetwas. Keine Ahnung, was er sagte… ich nickte freundlich. Er warf seinen riesigen Rucksack auf die Gepäckablage und ließ sich schnaufend in den Sitz fallen. In diesem Moment traf mich eine Knoblauchwolke ohne Gleichen! Wirklich! Ich kenne einige Griechen! Ich WEISS, was es bedeutet, Knoblauch zu atmen. Aber das hätte selbst meiner liebsten Beinahe-Griechin (Ich glaube, sie kann Gerichte nur aus Knoblauch kochen!) den Boden unter den Füßen weggezogen.

Der auf der Kofferablage hin und herrutschende Rucksack des Herren, der mir so förmlich den Atem nahm, startete bei mir ein tolles Kopfkino: In der Hauptrolle: Ein von Knoblauchsalamiringen erschlagener Tscheche. Ob ich dann sein Mac-Book als Entschädigung behalten dürfte? Vielleicht tue ich dem armen Mann auch Unrecht… vielleicht war er kein Tscheche, sondern Slowake oder Ungar? In Bratislava stieg der Knoblauch-Europäer endlich aus, der Knoblauchgeruch blieb.

In Tschechien ist man bei der Zugabfertigung eher traditionell eingestellt. Nichts mit bunten Lämpchen, die die Schaffner hier in Deutschland lustig schwenken. In Tschechien gibt der Schaffner dem Lokführer mit einer kleinen Pappscheibe ein Signal. In Brno ist Schaffnerwechsel. Der neue Schaffner ist etwas kurz geraten – sein Wedeln wird vom Lokführer wohl nicht gesehen. Er wedelt und wedelt, läuft hin und her – hopst von einem Bein aufs andere, fuchtelt mit den Armen – doch nichts geschieht. All seine Bemühungen sind vergebens. Doch dann hat er eine Idee! Der Schaffner klettert auf eine nahe Bank, zeigt das Signal, der Zug tutet, der Schaffner steigt ein – fertig… So geht das hier also . Ich stellte fest, dass man sich langsam an den Knoblauchgeruch gewöhnte, hatte allerdings etwas Angst um den Schaffner, wenn er das Abteil öffnete, um die Fahrkarte zu stempeln. In 10 Stunden Fahrt durch Osteuropa wurde mein Ticket übrigens sage und schreibe 23 (!!!) mal gestempelt!

Doch der Napoleon-Schaffner wollte mein Ticket gar nicht stempeln. Als er durch die Wagen ging, stand ich gerade auf dem Gang (ich hatte mich doch nicht an den Knoblauch gewöhnt). Er war quasi nur halb so groß wie ich und machte – als er mich sah – postwendend kehrt. Ich weiß nicht genau, warum…

Dresden im November 2013

Die Fahrt nach Dresden im November 2013 mit dem ICE war ziemlich unspektakulär. Nur der Steward (heißt das bei der Bahn so?) brachte den ganzen Wagen mit seinem sächsischen Dialekt zum gemeisamen Lachen. Auch eine Art von Morgensport… lachen soll ja gesund sein 😉

Im Hotel (direkt am Bahnhof) hatte ich dann aber allerhand Spaß! Das fing schon damit an, dass ich in diesem 4 Sterne Hotel den gesamten Übernachtungspreis (für 2 Nächte) im Voraus zahlen musste – ohne zuvor mein Zimmer zu sehen. Auch das ich meine Kreditkarte bei Buchung hinterlegt hatte, genügte nicht. Das ist mir noch nie vorher und auch nachher nie wieder passiert. Das Zimmer war wirklich eine Unverschämtheit, aber aufgrund der Verspätung des ICEs und des Hin und Hers am Check In des Hotels, war keine Zeit mehr zum ersten Meeting-Termin und ich nahm mir vor, darüber hinwegzusehen.

Ich hatte ein Arrangement im Hotel gebucht, dass unter anderem auch das Abendessen im Hotel vorsah. Ich ging also zum vereinbarten Zeitpunkt hinunter ins Restaurant des Hotels. Dass ich dort allein war – kein weiterer Gast – störte mich nicht. Das kommt öfter vor – zumal ich gern früh zu Abend esse. Der Kellner war ausgesprochen höflich, fast ein wenig zu vornehm. Fast! Er kündigte das Menü an. „Heute servieren wir: Schweineschnitzel auf Salatbett mit Pommes Frites – dazu Tomatensoße.“ Das ganze mit einer derartig vornehmen Miene – ich war wirklich sprachlos. Und das kommt wirklich selten vor. Das Essen wäre wohl an jedem Imbiss besser gewesen… Zum Dessert gab es Tiefkühl Apfelstrudel mit Sprühsahne und einer halben Physalis ( Wer hat eigentlich die andere Hälfte bekommen? Ich war ja der einzige Gast ^^- die Lösung erhielt ich am nächsten Tag, als ich einen „Gebäckteller“ auf das Zimmer gestellt bekam: 2 Butterkekse und… eine halbe Physalis!)

Übrigens: Solltet Ihr mal in diesem Hotel nächtigen und zufällig eine Stehlampe nicht gehen… bitte ruft NICHT an der Rezeption an! Denn hier wird nicht etwa ein Haustechniker geschickt, sondern man wird telefonisch zu kleineren Reparaturen angeleitet!

Der zweite Tag war unspektakulär, beim Frühstück wunderte ich mich nur über ein kleines Schild am Toaster auf dem Buffettisch: „Bitte bleiben Sie am Toaster während Sie auf das Brot warten -> Brandgefahr“.

Am Tag meiner Abreise erlebte ich den krönenden Abschluss beim Frühstück: Während ich meinen Morgenkaffee trank, nahm ich aus dem Augenwinkel einen Gast wahr, der zu einer Servicekraft schlenderte und zu ihr sagte: „Entschuldigen Sie bitte, der Toaster brennt“

Rödermark im April 2013

Heute möchte ich Euch mal erzählen, warum ich nie wieder ein Hotel mit weniger als 4 Sterne buche. Das hat weniger mit Arroganz, Eitelkeit oder Luxussucht zu tun, als vielmehr rein praktische Gründe.

Eine meiner ersten, durch eine sehr liebe Stammkundin initiierte Reisen mit Klientenmeetings im Hotel führte mich in einen kleinen Ort bei Frankfurt/ Main. Die Termine waren gut gebucht und ich entschied mich für eine hübsche Villa, ein familiengeführtes Hotel ohne Sterne. Die Fotos sahen sehr nett aus und so reiste ich guter Dinge an. Meine Kundin holte mich vom Bahnhof ab und wir fuhren mit dem Auto zum Hotel. Während der Fahrt bereits ahnte ich böses… abgelegen, am Rande eines Gewerbegebietes versprach das Hotel „stille Romantik“. Empfangen wurden wir – gar nicht. Die kleine Rezeption war gegen 14 Uhr nicht besetzt, auf die Glocke hörte niemand.

Meine Kundin entdeckte einen kleinen Zettel, man solle eine Nummer anrufen, dann käme jemand. Nach einem wirklich sehr kurzen Telefonat („Komme“) erschien ein alter Mann und nahm, nachdem ich meinen Namen genannt hatte, wortlos meinen Koffer und stieg die Treppen hinauf. Einen Fahrstuhl gab es hier scheinbar genau so wenig, wie ein Check In.

Die gebuchte Suite war wirklich toll! Sehr groß, mit tollen Möbeln – alles war offenbar frisch renoviert. Die ersten Termine verliefen gut (obgleich der auf den Pressetermin folgende Artikel im örtlichen Lokalblatt mich mehr als irritierte – aber das führt hier zu weit). Abends traf ich mich mit einer anderen lieben Stammkundin. Sie war mit ihrem Mann extra für einen Termin von weiter her angereist und um ein paar schöne Tage im „Romantikhotel“ zu verbringen. Wir hatten uns also zum Abendessen verabredet und ließen uns von der Dame an der Rezeption – die überraschenderweise täglich etwa eine Stunde lang besetzt war (die Rezeption, nicht die Dame) – ein nettes Restaurant empfehlen.

Wir fuhren also „zum besten Haus am Platze“ und standen vor einem süßen Fachwerkhaus mitten im Ort. Als wir zu dritt dann das Restaurant betraten, traf uns fast der Schlag. Wir fühlten uns zurückversetzt in die 80er Jahre. Der Gastraum war eine Mischung aus dem beliebten Gelsenkirchener Barock mit rustikaler DDR-Gemütlichkeit. Nun, der Hunger verlangte zu bleiben, also setzten wir uns an einen Tisch in einer Ecke. Die Bedienung brachte die Karte, wir bestellten und versuchten mit Hilfe ein (oder auch zwei) Radler das Beste aus der Situation zu machen. Die nächste Überraschung folgte in Form des Salates, den wir uns als Vorspeise bestellt hatten. Der „Frische Salat“ bestand aus einer Art Mixed Pickles mit einer undefinierbaren Joghurtsoße und einem Viertel Tomate. Die Kellnerin quittierte die vollen Teller beim Abräumen „Da wars doch zuviel, stimmts?“

Lag es am Radler oder an einer Form von Resignation… ich weiß es nicht mehr. Wir würgten den Hauptgang hinunter, verzichteten allerdings lieber auf ein Dessert. Für Verdauungszwecke hielten wir einen Kaffee hinterher jedoch für sinnvoll, zumal wir uns nicht vorstellen konnten, dass dabei etwas schief gehen könnte.

„Zwei Milchkaffee hätten wir dann gern noch“ bestellte ich.
„Ja gut, zwei Cappuccino.“ antwortete die Kellnerin. Irritierte Blicke.
„Nein, zwei Milchkaffee bitte“
„Ja, zwei Cappuccino.“
„Nein.“ Muss man sich hier mit der Kellnerin streiten? ^^
„Aber das ist doch das Gleiche!“ antwortete die Kellnerin. Wieder irritierte Blicke.
„Nein, das ist schon etwas anderes…“
„Ja, in Berlin bei Ihnen ist ja immer alles anders“ Aha! Gelauscht hatte sie unseren leisen Gesprächen auch! Na wunderbar… wir nahmen dann zwei Cappuccino und fuhren ins Hotel zurück. Nach einem netten Plausch zog sich jeder in sein Zimmer zurück.

Am nächsten Morgen trafen wir uns zum Frühstück. Die Nacht war nicht ganz so traumhaft, wie erhofft. Die Matratzen waren superdünn, das Lattenrost bestand scheinbar aus Zahnstochern. Meine Kundin verbrachte die ersten Stunden des neuen Tages lieber auf einem Stuhl – dem Rücken zuliebe… Wir gingen also die Treppen hinunter in den Frühstücksraum. Der erste Blick auf das Buffet war etwas ernüchternd – klein, nichts besonderes. Der Wintergarten jedoch war ein Traum. Die Sonne kämpfte sich durch den Nebel über den Feldern – hier war also die versprochene Romantik! Wir setzten uns an recht nett eingedeckte Tische, plauderten noch ein wenig. Ihr Mann erkundete das Buffet, kam mit einer Auswahl zurück, setzte sich und begann das Brötchen aufzuschneiden. Dies jedoch zerfiel dabei nahezu gänzlich in Krümel! Wir Damen lagen fast unter dem Tisch vor lauter Lachen. Das konnte nur noch von zwei Beobachtungen getoppt werden, die ich an den folgenden Tagen im Frühstücksraum machte: Das Hotelpersonal wischte die auf den Tischen liegenden Papiertischdecken mit klatschnassem Lappen ab (tolle Idee!). Und zwei Touristen am Nebentisch bestrichen ihr Schokocroissant mit reichlich Ketchup. Lecker -.-

Zwar erlebe ich auch in 4 Sterne Hotels lustige Dinge… aber wenigstens stimmt dort (meistens) das Frühstück 😉

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