Chemnitz im April 2014 - Stefanie Gralewski

Chemnitz im April 2014

Na das geht ja schon gut los hier… gerade in den ICE nach Leipzig (dort Umstieg in RE nach Chemnitz) eingestiegen und schon musste ich den ersten Lachanfall verstecken.

Ich gestehe, der sächsische Dialekt und ich sind nicht unbedingt Freunde. Zwar habe ich dort eine sehr liebe Stammkundin, mit der ich mich stundenlang unterhalten kann und bei der mich dieses sächseln nicht stört… Aber wenn die Zugbegleiterin von einem  englischsprachigen (britischen?) älteren Paar angesprochen wird und sich folgender Dialog entspinnt, dann ists bei mir aus mit der Zurückhaltung…

Fahrgast (er): „Excuse me please. Is this First Class?“

Zugbegleiterin (wirkt etwas irritiert, vermutlich, weil wir eben in der 1. Klasse stehen…) guckt, lächelt: „Nu gloar“.

Irritierte Blicke nun auch bei dem Paar. Nun versucht der weibliche Fahrgast sein Glück: „Firts Class? Erst Klazssss?“ Beide heben den Daumen, um der Zugbegleiterein etwas auf die Sprünge zu helfen, fragende Gesichter dazu…

Die wirklich sehr gut gelaunte (das darf man bei der Bahn ruhig auch mal betonen!) Zugbegleiterin: „Tuh Klass hindor the Gloasscheeeibe“ Dann hebt sie den Daumen und sagt: „Senk ju“ dreht sich um und geht… sie hinterlässt ratlose Gesichter und nen Lachflash bei mir.

Willkommen im Steffiversum…

ach nein, zunächst einmal willkommen in Chemnitz. Ein riesengroßer Bahnhof, der noch genau so aussieht wie früher (also so ganz ganz früher – nicht eben mehr Kutschen, aber kurz danach) empfängt mich. Gut, er ist auch der einzige, denn außer mir ist der Bahnhof menschenleer. Lustig – eben ist doch ein Zug eingefahren… nun gut. Ich laufe durch die Bahnhofspassage. Außer einem Fastfood-Restaurant und einer KIK-Filiale gibts hier nichts – ach doch. Ein riesengroßer Zeitungsladen ist in der Bahnhofspassage auch noch zu finden. Aber auch dieser – menschenleer.

Wenn ich in einer mehr oder weniger fremden Stadt ankomme, folge ich immer konsequent der Taxi-Ausschilderung. Niemals fahre ich mit dem ÖPNV. In Chemnitz fährt die Straßenbahn praktischerweise direkt IM Bahnhof. Dennoch entscheide ich mich gegen ein kleines Abenteuer und suche ein Taxi. Vor dem Bahnhof angekommen – erspähe ich ein einziges Taxi – allerdings herrenlos, kein Fahrer in Sicht. Etwas ratlos stehe ich in der Gegend herum, weit und breit keine Alternative… nach etwa 10 Minuten – während ich bereits über eine ortsansässige Klientin mein Taxiglück suche – kommt eine ältere Frau mit einem kleinem Koffer aus dem Bahnhof (ach, kam schon wieder ein Zug??), stellt sich neben das verlassene Objekt meiner Begierde und brüllt aus Leibeskräften: „TAAXII!“ Und siehe da – aus einer kleinen Bahnhofskneipe kommt der vermisste Taxifahrer. So ruft man hier also ein Taxi!

Nachdem ich dann mit einem anderen Taxi doch noch zum Hotel kam und der Checkin relativ problemlos überstanden war, begutachtete ich mein Zimmer. Diesmal war die Suite über zwei Etagen in einer Art Maisonette eingeteilt, unten Sitzecke, oben Bett und Bad – und eine Terrasse mit Blick auf das mehr oder weniger malerische Chemnitz. Das hätte sogar nett sein können, wenn nicht der Küchenkamin direkt vor meinem Zimmer dicke Wolken gepustet hätte. Ein größeres Problem für mein Kopfkino war die ganze Tatsache, dass die Terrasse von allen Gästen der Etage betreten werden konnte – jedes Zimmer hinter einem kleinen Sichtschutz. Ich konnte mich abends nicht richtig entscheiden: Vorhänge auf (um evtl. Einbrecher rechtzeitig zu sehen und mit dem Schuh in die Flucht zu schlagen) oder aber die Vorhänge zuziehen (um nicht beim Schlafen beobachtet zu werden). Ich hab abends bestimmt 10 x die Vorhänge auf und zugezogen -.-

Etwas irritierend war auch die Tatsache, dass die Minibar zwar generell vorhanden, jedoch gänzlich leer war. Die in Tüten eingeschweißten Plastikzahnbecher fand ich dann einfach nur stillos – wir erinnern uns … ich fahre immer nur 4 Sterne-Hotels an …

Nach tollen Kundenterminen war ich abends noch mit einer Stammkundin aus zum Essen. Sie hatte einen Tisch reserviert im „besten Haus am Platze“ – mit „Chemnitz‘ idyllischstem Biergarten“. Joa – da an diesem Abend eben in diesem Biergarten das erste Gruppenspiel der Deutschen der WM auf Großleinwand gezeigt wurde und lauter besoffene Männer sächsisch gröhlten – ja, da war das dort ganz besonders idyllisch. Das Essen war sehr gut, der Wein auch 😉

Die Rückfahrt ist bisher auch recht entspannt – aktuell sitze ich im ICE ab Leipzig (auch der ist überraschend leer – ist heute irgendwas?) und das einzige was ich noch loswerden möchte: Du lieber Fahrgast, der mir auf dem Leipziger Hauptbahnhof mit einem Becher Kaffee und einer Jeans mit sehr gewagten, modisch scheinbar gewollten Rissen entgegen kam – scheinbar haben es die Götter gut mit Dir gemeint und Dir eine beachtliche Männlichkeit geschenkt. Eine gewisse Frische dort erzielt man jedoch eher mit Wasser und Seife, anstatt mit Leipziger Stadt- bzw. Bahnhofsluft. Vielleicht solltest Du mit einem Blick in das Schaufenster nicht den Sitz Deiner Frisur prüfen, sondern den Sitz der Hosenrisse!

🙂

Stefanie Gralewski

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

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