Du bist zu weiblich, um ... - Stefanie Gralewski

Du bist zu weiblich, um …

Dass ich überhaupt wieder einen Blog schreibe, nachdem meine bisherigen Versuche immer elendig zugrunde gingen (weil ich zwischendurch irgendwie vergesse, dass ich überhaupt einen Blog habe oder aber irgendwie immer glaube, dass es doch keinen so recht interessiert, was ich zu sagen habe), finde ich nun doch ziemlich verwunderlich.
Aber die liebe Sara Menzel-Berger (die mir in den letzten 1,5 Jahren gemeinsamer Arbeit total ans Herz gewachsen ist) hat auf ihrem Blog eine Blogparade gestartet und das Thema hat mich so angepiekst, dass ich unbedingt meinen Senf dazugeben MUSSTE.
Also gab es ja keinen anderen Weg, als meine beiden alten „Blögge“ (wie ist eigentlich die Mehrzahl von Blog? Blogs?) hier auf meine Webseite umziehen zu lassen und den alten, staubigen Artikeln Leben einzuhauchen.

Als ich in den teilnehmenden Blogs die verschiedenen Artikel las, fiel mir auf, dass es immer nur um blonde Frauen zu gehen scheint. Von blonden Männern, die sich aufgrund ihrer Haarfarbe unbeholfen im technischen Sektor verhielten, hab ich nirgends gelesen. Also ist blond in dieser Frage gleichbedeutend mit weiblich? Geht der Satz dann nicht in die Richtung: „Ich bin dazu nicht fähig, weil ich eine Frau bin!“? Und geht es dann nicht grundsätzlich um eine naturgegebene Talentaufteilung zwischen Mann und Frau?

Ich erinnere mich an eine Episode, die mir eine Bekannte mal erzählte:

Sohn, ca. 8 Jahre, 2. Klasse. Im Unterricht sollen die Familien der Kinder gemalt werden. Der Junge malt hochkonzentriert und mit roten Wangen vor lauter Eifer vor sich hin. Als die Lehrerin hinter ihm stehen bleibt und sein Bild ansieht, möchte sie ihm ein wenig helfen und fragt: „Woran kann man denn erkennen, wer Mann und wer Frau ist? Welche Unterschiede gibt es? Was könntest Du noch malen, damit man das besser erkennt?“ Er überlegt höchst andächtig, schlägt sich dann vor die Stirn und ruft:
„Ach die Handtasche!“

Woran erkennt man denn nun, ob ein Mann oder eine Frau ein Technikproblem hat?

Eine Frau stellt sich selbst in Frage. Sie ist der Meinung, dass etwas mit ihr nicht stimmt, dass sie etwas übersehen hat. Sie fragt sich, ob sie nicht talentiert genug ist, um mit diesem oder jenem Programm umzugehen.

Ein Mann hingegen stellt das Programm in Frage. Er ist der Meinung, dass mit dem Programm etwas falsch läuft, dass irgendjemand irgendwo einen Fehler gemacht hat. An ihm selbst kann das ja nicht liegen – schließlich hat er in seinem Leben schon so viele Programme benutzt und die haben am Ende alle funktioniert (manche erst nach zig Neuinstallationen – aber egal).

Klar, denn Jungs sind ja schon in der Schule in Physik und Mathe echt clever und Mädchen können total gut Gedichte vortragen.

Wenn Du bis hier hin gelesen hast und Dich aufregst, dass ich längst überholte Klischees aufgreife und dass es viele technisch versierte Frauen gibt und ebenso viele männliche Technik-Legastheniker, dann hast Du vollkommen Recht. Obwohl ich schon glaube, dass es Unterschiede (auch in der Herangehensweise an Probleme) zwischen Mann und Frau gibt und ich die Beispiele hier nicht ganz verkehrt finde, lehne ich derartige pauschale Aufteilungen ab. Ich bin unendlich genervt davon, dass bestimmte Dinge eben so typisch Frau oder so typisch Mann sind. Ich bin genervt davon, dass alle nach Gleichberechtigung schreien, es im Baumarkt aber rosa-farbene Bohrmaschinen gibt. Warum zum Geier? Leichtere Geräte oder für Menschen mit kleinen Händen – ok. Aber ernsthaft – rosa? Ich bin genervt von durch die Medien tippelnden Berufs-Blondinen (eher Berufs-Idiotinnen), die sich daran erfreuen, nicht die hellste Kerze auf der Torte zu sein und trotzdem im Geld zu schwimmen.

Und obwohl ich mir doch sehr emanzipiert vorkomme (und so überhaupt nicht blond bin), erfahre ich manchmal eine sehr merkwürdige Art von Diskriminierung. Mir wurde vor einigen Tagen gesagt, ein bestimmter Gin wäre eher nichts für Frauen, sondern nur für Männer. Als ich fragte, warum, gab es keine konkrete Antwort. Ehrlich gesagt habe ich auch nicht beobachten können, dass der „Männer-Gin“ durch den Penis getrunken wurde… Ich wüsste daher nicht, warum das Geschlecht des Trinkers eine Rolle spielen sollte…

Und so geht es tagein tagaus:

  • Du kannst das nicht, weil Du ein Mädchen bist…
  • Jungs machen so etwas aber nicht…
  • Du kannst doch nicht wirklich glücklich sein, wenn Du so dick bist…
  • Als Mutter kann ich doch nicht jedes Wochenende tanzen gehen…
  • Du bist schon in der Schule faul gewesen, darum solltest Du Dich lieber nicht selbständig machen…
  • Sorry, aber irgendwie bin ich zu blond für die Technik…

Im Buddhismus gibt es eine sehr schöne Herangehensweise an Probleme. Buddha sagt nämlich, dass das Leben kein Problem ist, welches es zu lösen, sondern eine Wirklichkeit, die es zu erfahren gilt. Unter diesem Gesichtspunkt könnte auch ein Technikthema eine Erfahrung darstellen, anstatt eines Problems. Du könntest also anstelle von „Dazu bin ich irgendwie zu blond“ so etwas sagen wie: „Das hab ich bisher noch nicht gemacht, aber ich probiere es einfach mal aus.“
Oder aber: „Darauf habe ich keine Lust. Ich suche jemanden, der das für mich übernimmt.“ Das wäre dann wenigstens ehrlich und Dein Gegenüber wüsste, dass er nicht den Erklärbären spielen muss, sondern einfach eine Dienstleistung erbringen soll.

Wir könnten nämlich auch die Limitierungen, die uns von außen aufgedrückt werden, ablehnen und uns selbst die Freiheit zugestehen, alles zu sein und zu tun, was wir wollen. Zwischen einer doofen Ausrede und einem glücklichen Leben steht nämlich oft nur eins: Unsere Entscheidung.

Stefanie Gralewski

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

  • Susanne sagt:

    Liebe Stefanie,

    danke für die schöne Zusammenfassung von so vielen manifestierten Klischees. Ich stimme Dir in vielen Dingen zu, bezeichne ich mich doch selbst auch als sehr emanzipiert. Allerdings bin ich auch wirklich mit jeder Faser meines Seins gerne Frau und lebe das auch, mit all meinen weiblichen Vorzügen. Für mich bedeutet Frau sein aber auch, sich nicht unbedingt Dinge umhängen zu müssen, die mir nicht entsprechen. Emanzipation heißt für mich nicht, mit biegen und brechen „männlich“ sein zu wollen. Ich sehe leider immer wieder Frauen, bei denen so ein Satz „zu blond dafür …“ ins Gegenteil umschlägt und partout ein Verhalten an den Tag legen, als seien sie Männer. Dein letzter Satz bringt es auf den Punkt: sich die Freiheit zugestehen, alles zu sein und zu tun, was man selbst will, unabhängig vom Geschlecht.

    Danke Dir! LG Susanne

    • Stefanie Gralewski sagt:

      Liebe Susanne,
      vielen Dank für Deine Meinung. Ich stimme Dir zu. Auch für mich bedeutet Emanzipation nicht, dass Frauen sich den Männern angleichen sollten. Warum auch? Sind wir nicht alle individuell ganz wunderbar? Ich bin Frau mit Leib und Seele und sehe es gar nicht ein, mich männlich geben zu müssen, um als stark zu gelten. Nur sollten wir das nicht an Äußerlichkeiten festmachen, finde ich. Ich brauche keine pinkfarbene Bohrmaschine, um meine Weiblichkeit auszudrücken. Sollte es aber eine in lila geben, würde ich diese vielleicht sogar kaufen – so aus Gründen der Lieblingsfarbe 😉
      Liebe Grüße, Stefanie

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