Geschichten aus dem Steffiversum: Meine Hochzeit - Stefanie Gralewski

Geschichten aus dem Steffiversum: Meine Hochzeit

Ja – auch meine Hochzeit ist eine Geschichte aus dem Steffiversum… auch hier passierten Dinge, von denen niemand glaubte, dass sie möglich wären.

Machen wir also eine kleine Zeitreise. Reisen wir ins Jahr 2002. Am Nikolaustag 2002 – unser erster Sohn war gerade ein halbes Jahr alt – heirateten wir. Dies war relativ kurzfristig geplant – wir hatten nur ca. 2 Monate Vorbereitungs- und Geldsparzeit. Wir wollten in relativ kleinem Kreis heiraten – nur ca. 30 Freunde und Familienmitglieder.

Wie das eben so ist, hatte ich von einer Traumhochzeit geträumt, so lange ich denken konnte. Und da wir auch durch meinen Bräutigam in einer evangelischen Gemeinde angebunden waren, sollte es auch eine kirchliche Trauung werden. Kirchen sind einfach auch optisch schöner, als Standesämter…

Meine Geschichte beginnt am Vorabend des Nikolaustages. Martin (mein Bräutigam) und ich hatten uns für kleine Junggesellenabschiede entschieden. Er war unterwegs mit dem Freund meiner Trauzeugin und einigen Freunden, ich traf mich mit meinen besten Freundinnen (darunter meine Trauzeugin) bei uns zu Hause. Mein Friseur kam auch dazu – und so feierten wir schon am späten Nachmittag mit Sekt, Kaffee und Lockenwicklern.
Irgendwann fiel mir ein, dass ich bei einem Metzger eine Art Abendbrotplatte bestellt hatte. Da meine Freundinnen nicht genau wussten, WO genau sich das Geschäft befand (und wer sich von mir hat schon einmal einen Weg beschreiben lassen müssen, der weiß warum), musste ich mit.

Ich zwängte mich also mit einem Kopf voller Riesenlockenwickler – wir hatten ein Handtuch drum gewickelt, aber das sah auch nicht weniger peinlich aus – in ein kleines Auto. Es war das Auto meiner Trauzeugin, mein Bruder nannte es einmal „Elefantenrollschuh“ und ja, größer war es nicht. Ein grüner Seat Marbella, der auch ohne monströser Kopfbedeckung für mich schon reichlich eng war. Am Geschäft selbst weigerte ich mich, auszusteigen, sodass meine Trauzeugin das bestellte Essen allein holen musste.

Wieder zurück war es ein lustiger Abend. Was Martin an dem Abend genau gemacht hat, weiß ich nicht. Ich habe bis heute nicht ein einziges Mal danach gefragt – und habe es auch nicht vor.

Der nächste Morgen begann mit meinem Friseur, der mir die Haare hochsteckte und meinen Schleier (eine Leihgabe meiner Mutter, sie hatte ihn schon bei ihrer Hochzeit getragen) befestigte. Da erkannte ich auch die Bedeutung von „Wer schön sein will, muss leiden“. Ich dachte, ich würde mit den Steckkämmen skalpiert. Das sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass ich an diesem Tag um meine Kopfhaut bangte…

Meine Trauzeugin und ich fuhren dann zu meinen Eltern, wo ich mich dann in mein Brautkleid kleiden und danach auf meinen Bräutigam treffen sollte. Das war dann auch ziemlich hektisch, irgendwie lief die Zeit davon – meine Mama hätte beinahe im Hausanzug mitgemusst… überall und bei jedem half sie – und vergaß dabei, dass sie sich selbst ja auch noch fertig machen musste.

Als ich meinem Bräutigam dann auf dem Flur entgegenging, verdrückten wir beide auch ein obligatorisches Tränchen.
Der Weg zum Standesamt (mein Vater fuhr den Brautwagen) war unproblematisch und auch ganz nett.

Beim Standesamt wurden wir von der Standesbeamtin begrüßt – mit Schrecken stellten wir fest, dass wir zwar unsere Personalausweise dabei hatten, nicht aber die CD mit der gewünschten Traumusik. Wir hatten uns eigentlich für Jennifer Rush mit „Power of Love“ entschieden. Doch dazu kam es ja dann nicht. Die Standesbeamtin schlug uns dann die Backstreetboys aus dem Standesamtrepartoir vor.  Ich fand das nicht so passend und so fiel die Wahl auf Mozarts „Sommernachtstraum“. Warum nicht, so kurz vor Weihnachten?
Die Wartezeit wurde doch etwas länger und mein Vater schlug mir mehrere Fluchtwege vor. Ich könne ja in den Fahrstuhl steigen, unauffällig und er würde in der Zeit die Treppen runterrennen, das Auto schon anlassen und dann bräuchte ich nur noch in den Wagen springen – und weg wären wir…

Ich blieb…

Der Trauraum war ganz schick -große Fensterfront, Holzvertäfelung, samtblauer Teppich, Stufen – sodass auch bei mehr Publikum alle einen guten Blick aufs Brautpaar garantiert ist. Wir waren ja nun nicht so viele -nur der engste Familienkreis. Wir saßen also in drei Reihen – vorn das Brautpaar und die Trauzeugen, dahinter dann meine Eltern und Großeltern und der Vater und Großvater des Bräutigams. Dahinter der Rest. Die Trauung begann mit dem Musikstück. Es wurde nicht etwa nur angespielt, nein, es wurde ganz bis zum Schluss angehört. Zumindest von der Standesbeamtin. Scheinbar legte sie da großen Wert darauf.
In der zweiten Reihe flüsterte jemand.
Die Standesbeamtin schaute streng in die Runde.
Ich drehte mich leicht nach hinten und sagte: „Psst!“
Schon tönte es zurück: „Psst!“
Jemand anderes stieg mit ein: „Pssssst!“
Eine lustiges hin und her pssst begann. Unterbrochen von der Standesbeamtin die streng unterbrach mit den Worten: „Ich mach gleich mit!“
Erstaunte Ruhe bei meinen Gästen – gefolgt von einem belustigten Kichern. Sowas kannten wir eigentlich nur von den Lehrern in der Schule.

Die Trauung ansich war wirklich unspektakulär – nur unterbrochen von den Sirenen der ständig vorbeifahrenden Feuerwehrautos, die zu ständigen Unterbrechungen in der zum Glück recht kurzen Traurede führten – aber irgendwie doch berührend, denn meiner Schwester liefen die Tränen wie Wasserfälle. So konnte sie die Stufe nicht sehen und stürzte etwa zwei Stufen in meine Richtung. Ich fand das unheimlich komisch und fragte meinen Bruder, der die Glückwunschrunde filmisch festhielt, ob er das gefilmt hatte… nein hatte er nicht. Wohl aber meine mehrfache und leicht hysterische Frage danach.

Mein Bruder wurde nun zum Regisseur. Und die Idee, das Brautpaar ganz romantisch beim Gang aus dem Trauzimmer zu filmen, war super! So öffnete sich also die Doppeltür, das Brautpaar – gefolgt von der Hochzeitsgesellschaft – zog hinaus. Dieser dramaturgisch höchst anspruchsvolle Moment wurde jäh unterbrochen von einer zeternden Ehefrau. Die Trauzeugin war mir beim Hinausschreiten auf den Schleier getreten, der hinten einer Schleppe gleich auf den Boden hing. Hier fühlte ich mich erneut skalpiert, denn der Schleier war schön fest gesteckt – wahrscheinlich direkt unter die Kopfhaut! Nun bin ich eben die Steffi und handle gern impulsiv – vergaß also die Dramaturgie, drehte mich schimpfend um und faltete die Trauzeugin zusammen. Für ewige Zeiten im Video festgehalten…

Das Mittagessen war ein Geschenk meiner Eltern – sie hatten ein Hochzeitsmenü in einem traumhaften Hochzeitsschloss gebucht, mit einer Terasse, die mich sehr an die von Prinzessin Belle erinnerte. Wirklich schön. Das Essen war auch sehr sehr toll. Der Fahrstuhl ins Untergeschoss zu den Toiletten war hingegen für ein ausgesprochenes Hochzeitshotel definitiv zu klein. Meine Schwester und meine Trauzeugin mussten also die Treppe nehmen, weil vor lauter Kleid (ich hatte ein schönes Prinzessinnenkleid mit weitausladendem Reifrock) kein Platz mehr im Fahrstuhl war. Der Toilettengang war dann auch lustig – ich möchte es hier nur kurz anreißen: Der Reifrock passte nicht mit in die Kabine und musste deshalb von außen festgehalten werden (während ich ihn natürlich noch anhatte!), während ich mich rückwärts in die Kabine vortastete… Ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke!

Dann ging es zur Kirche. Ja… auch wenn Ihr es nicht glauben könnt, ich habe tatsächlich kirchlich geheiratet. Und nein, mich hat nicht der Blitz getroffen und auch der Boden tat sich nicht auf. Es gab Momente während der Predigt, in der ich mir das allerdings gewünscht hätte.

Vor der Kirche angekommen, wurden unsere Hochzeitsringe wieder eingesammelt – sie sollten ja in der Trauung getauscht werden.
Nachdem die Hochzeitsgesellschaft (nun einige Personen mehr) in der Kirche versammelt war, wurden wir vom Pastor hineingeführt. Ich hatte den Schleier vor dem Gesicht und schritt demütig hinter dem Pastor her. Die Kirche war wirklich schön, aber recht klein. Jedoch gab es keinen Mittelgang, die Bänke waren in drei Reihen gestellt – fest in den Boden eingelassen, also auch keine Chance auf Verrücken. So ging mein Mann also allein den einen schmalen Gang entlang, ich hinter dem Pastor den anderen. Der Altar war wegen der aktuellen Vorweihnachtszeitveranstaltungen von einer Art Bühne umgeben.

Wir setzten uns und lauschten der Predigt. Zusammengefasst ging es nun eine geschlagene Stunde um Sex. Das war mir schrecklich peinlich. Im Nachhinein finde ich es recht lustig. Heute kann ich auch über unseren Trauspruch lachen. Es ist ein Zitat von Martin Luther: „In der Woche zwier, schaden weder ihm noch ihr!“ Damals fand ich das überhaupt nicht lustig. Zumal es von dem etwa 80jährigen Pastor überhaupt auch nicht witzig gemeint war – sondern eher ein Denkzettel, weil unser erster Sohn zur Hochzeit schon 6 Monate alt war.

Später in der Zeremonie wurden dann noch unsere Eltern auf die Bühne gebeten, um einen Segen für das Brautpaar zu sprechen. Sicherlich nett gemeint, für meine Eltern, die mit der Kirche nichts zu tun haben und hatten, eine Qual.
Dann schloss der Pastor die Trauung und wies den Organisten an, das letzte Lied zu spielen. Panik in mir machte sich breit. Ich hatte meinen Schleier ja noch vor dem Gesicht. Er war noch gar nicht gelüftet worden und nen Hochzeitskuss wollte ich auch! Ich versuchte nun also, den Pastor, der selig der Musik lauschte (vielleicht war er mit der Standesbeamtin verwandt?) auf mich aufmerksam zu machen – ich wollte nun auch nicht mittendrin aufstehen. Immer wenn er zu mir blickte und ich mit Gesten versuchte, ihn zu mir zu bitten, lächelte er freundlich zurück. Nun begann ich, mit dem Schleier zu wedeln. Ich kam mir ziemlich dämlich dabei vor, aber wusste mir nicht anders zu helfen. Auf nun wirklich nachdrückliches Winken und Wedeln kam er endlich näher und ich erklärte die Situation.
Er reagierte mit einem „Achja“, winkte dem Organisten (dieser unterbrach sein Spiel)  und sagte: „Nun wollen wir zum Brautkuss kommen.“ Meine Mutter quittierte diese Information mit einem lauten „Na endlich!“ in der stillen Kirche. Heute lache ich auch darüber.

Dann war die Zeremonie endlich zu Ende, das Brautpaar wurde hinausgeführt. An der Tür blieben wir dann stehen, um Glückwünsche von den vorbeimarschierenden Gästen in Empfang zu nehmen. Der erste „Glückwunsch“ kam vom Pastor, der mir ins Ohr raunte: „Ich weiß, dass Du eine Hexe bist! Also verschwinde und lass meine Gemeinde in Ruh!“ Ich antwortete: „Zu spät, ich habe soeben eins Deiner Schafe geheiratet!“ Auch darüber lache ich heute.

Die Location der anschließenden Feier war nicht weit entfernt, so lief die Hochzeitsgesellschaft etwa 700 m durchs Dorf. Ich wurde von einigen Gästen, die schon vorangegangen waren, aufgeregt empfangen. In unserem Festsaal würden noch Bauarbeiter zur Mittagessen und überhaupt wäre noch gar nichts geschmückt! Fassungslos wollte ich den Raum stürmen, doch meine Mama kam mir zuvor. Man wäre bereits dabei, den Raum zu schmücken, man hätte eine andere Uhrzeit notiert… Nun gut… für einen Nachmittag im Dezember war es doch recht mild und wir vertrieben uns die Zeit vor dem Saal – also quasi draußen! – mit allerlei Hochzeitsspielen. Herzausschneiden und durchhüpfen etc. Auch die Hochzeitsbilder wurden gleich gemacht, informierte der eigens engagierte Fotograf mich bei Beginn doch überraschend, dass er nur 30 Minuten bleiben könne und nicht, wie eigentlich vereinbart, 4 Stunden.

Endlich durften wir hinein – Martins Trauzeuge eröffnete mir dann, dass er sich bei der Hochzeitstorte umentschieden hätte und es nun doch keine mehrstöckige gäbe, sondern mehrere einzelne Kuchen…    Wir konnten es ja nun nicht ändern und nahmen es mehr oder weniger gelassen hin.

Auch überraschend für uns war die Tatsache, dass viele Gäste ihre Kinder mitgebracht hatten. Zwar war ausdrücklich vereinbart, dass wir – weil bis spät in den Abend – ohne Kinder feiern möchten, aber meine Gäste scheinen irgendwie stets eigene Vorstellungen von MEINEN Feiern zu haben (das war schon zu Schulzeiten so ^^). Also waren die Leute nun statt mit dem Feiern meiner Hochzeit, mit der Betreuung der nicht unerheblich großen Kinderschar beschäftigt. Dass meine Feier auf Kinder nicht ausgelegt war, schien unwichtig.

Der Eröffnungstanz war sogar ein bisschen romantisch. Martin und ich konnten zwar nicht tanzen, aber egal. Mein Vater kann wirklich toll tanzen und ließ mich zumindest bei dem Part mit ihm nicht ganz so peinlich aussehen. Der Tanz mit meinem Schwiegervater hingegen war dann ein Highlight der ganzen Feier. Dass er mir größentechnisch nur höchstens bis zur Schulter ging – das war nun wahrlich nicht seine Schuld. Dass er mir die ganze Zeit aber in den Ausschnitt sah – das war wohl seine Schuld. Das eigentliche Highlight war jedoch der Satz: „Du bist wirklich dumm, dass Du Martin geheiratet hast, Du hättest doch mich haben können!“ Ähm… ^^

Bis auf einige weitere mittelgroße Katastrophen (keine Musik, weil der Gast, der als Art DJ vorgesehen war, weder Anlage noch CDs mitgebracht hatte – plötzlich halbleerer Raum, weil alle ihrer Kinder ins Bett brachten und erst nach 1,5 Stunden wiederkamen – Zickenkriege etc.), war der Abend noch recht lustig. Ein vorheriger Kurs zum Thema „Wie bin ich eine gute Gastgeberin“ hätte mir gut getan – aber egal… wir waren jung….

Der Nachhauseweg am späten Abend war dann noch mal sehr aufregend. Für uns überraschend fuhr mein Vater uns nicht nach Hause, wir mussten also eine Fahrgelegenheit organisieren. Für ein Taxi fehlte uns damals schlicht das Geld. Also erklärte sich eine Freundin bereit, uns nach Hause zu fahren. Auch sie hatte ein sehr kleines Auto, bestand aber darauf, den Auto-Blumenschmuck auf der Motorhaube zu befestigen. Dazu muss gesagt werden, dass diese Dame von Hause aus schon sehr sehr klein war. Vermutlich schaute sie beim Fahren erst durchs Lenkrad und dann erst durch die Frontscheibe. Wenn auf einem winzigen Auto, welches von einer winzigen Frau gefahren wird, noch ein riesiger Blumenschmuck notdürftig befestigt ist – dann darf man nicht überrascht sein, wenn beim Fahren die Blumen an die Windschutzscheibe knallen und sämtliche Sicht nehmen. Wir waren allerdings ebenso überrascht, wie der Motorradfahrer, der an einer Kreuzung auf das Ampelgrün wartete und wir ihn durch mangelnde Sicht nur knapp verfehlten.

Zu Hause angekommen erwartete uns das typische Spielchen der Trauzeugen (Türen versperrt, Bett voller Konfetti, etc.) – nachdem wir uns dadurch gekämpft hatten, fielen wir vollkommen erschöpft auf die Couch. Und ganz ehrlich: Mit romantischer Hochzeitsnacht war es nicht weit her 🙂

Zusammengefasst zeichnete diese Hochzeit schon ein sehr konkretes Bild meines Lebens: Kirchenaversion, Fahrerprobleme, Gezeter…

Ach übrigens: Wir sind noch immer glücklich miteinander verheiratet 😉

Stefanie Gralewski

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

  • steffiversum sagt:

    Eine Episode fehlt übrigens noch: Mein Mann hat seiner Schwiegermutter noch auf der Feier einen Besenstil auf den Kopf gehauen. Er beteuert bis heute, dass es ein Versehen war, weil während eines Hochzeitsspiels sein Besen gebrochen wäre… jajaja… erinnert mich stark an den alten Witz (Frage an Radio Eriwan: Kann man seine Schwiegermutter mit einem Handtuch erschlagen? Antwort: Ja, wenn man ein Bügeleisen hineinwickelt.)

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