Juni 24

Religionen der Welt – Teil 1 – Das Hexentum

Das Wort Religion kommt vom lateinischen Wort „relegere“ (= bedenken) und meint etwas, das man mit Sorgfalt beachten sollte. Heute meint man eine spirituelle Weltanschauung, bei der ein höheres, wie auch immer geartetes Wesen maßgeblich Einfluss auf den Gläubigen hat. Eine Definition versuchte der Theologe Gustav Mensching zu finden: „Religion ist erlebnishafte Begegnung mit dem Heiligen und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen.“ Und dieses Heilige ist – für manche Menschen überraschend – in den unterschiedlichen Mythologien und Religionen gar nicht so verschieden.

In dieser Serie möchte ich Euch die verschiedenen Religionen und Mythologien nahe bringen. Hier handelt es sich – wie immer in meinem Blog – um meine Sicht der Dinge. Ich kann hier natürlich nicht sämtliche Weltanschauungen in aller Ausführlichkeit beleuchten, gerade für die „Big Five“ (Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus und Hinduismus) gibt es schließlich ganze Studiengänge darüber. Aber ich möchte mit Dir meine Gedanken teilen. Vielleicht siehst Du dann – genau wie ich – was das „große Ganze“ im Kern zusammen hält.

Missverständnisse und Matriarchate

Starten wir heute im ersten Teil mit dem Hexentum. Gerade hier könnte ich so viel schreiben – von Missverständnissen und furchtbaren Tragödien, die sich in der Vergangenheit ereignet haben. Oder auch von blühenden Matriarchaten in längst vergangenen Zeiten. Doch ist das für uns heute wirklich noch relevant? Um diese Frage zu beantworten müsste man zunächst einmal ganz zurück zu den Wurzeln. Doch wenn man über Hexen recherchiert, stößt man recht schnell auf ein Problem: Eigentlich gibt es nämlich gar keine Hexenreligion in dem Sinne einer einheitlichen Tradition.

Das, was heute Hexentum genannt wird, ist sehr mit der Entstehung der Wicca-Bewegung verbunden. Erst in den 1950er Jahren wurden in Großbritannien die letzten Gesetze gegen Hexerei fallen gelassen. Und der Begründer von Wicca, Gerald B. Gardner, nutzte die Gelegenheit einige Bücher über Hexerei und vermeintlich alte überlieferte Rituale zu verfassen. Schon wenig später gab er zu, dass er viel aus vorchristlichen Traditionen zusammengefasst hatte. Dies tat der Faszination gerade im Rahmen der Frauenrechtsbewegungen in den USA keinen Abbruch und ein neues spirituelles Bewusstsein und Verständnis von Weiblichkeit führte zur großflächigen Verbreitung – auch durch feministische Bewegungen.

Wicca ist eigentlich eine recht streng-zermonialmagische Strömung, die Wert auf festgelegte Texte, Feste und Strukturen legt. Um eine Wicca zu werden, muss man in einem Coven aufgenommen werden. Aus den USA kommt eine Strömung (Seax Wicca), die besagt, dass man sich auch selbst in Wicca initiieren kann. Das halte ich jedoch für schwierig, denn wie will man sich in etwas einweihen, das man selbst noch gar nicht kennt?

Hexe ist nicht gleich Wicca, Wicca ist nicht gleich Hexe

Um eine Hexe zu sein, muss man jedoch keine Wicca sein. „Frei fliegende“ Hexen – also solche, die sich nicht an Gruppen oder Dogmen gebunden fühlt, sind deutlich in der Überzahl. Doch auch das kann – gerade für Anfänger – seine Tücken haben. Es gibt unzählige Möglichkeiten. Hunderte Religionen und Mythologien brachten tausende Göttinnen und Götter hervor. Ich verstehe gut, wenn man sich davon etwas überrannt fühlt. Die Auswahl ist riesig. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Bücher zu diesem Thema rasant gewachsen und die Anzahl der Blogs und Vlogs ist völlig unüberschaubar.

Mein Tipp: Konzentriere Dich auf das, was Dir gerade am meisten Spaß macht. Du findest ägyptische Götter spannend? Super! Dann lerne sie kennen. Du interessierst Dich gerade am meisten für heimische Kräuter? Toll, dann befasse Dich damit. Nichts ist in Stein gemeißelt, Du kannst Deine Richtung täglich ändern. Nur bitte bleibe nicht bei theoretischen Überlegungen. Spiritualität ist immer auch Praxis. Ich versichere Dir, dass Du bei Deinen Versuchen die Welt nicht aus den Angeln heben kannst. Also: Probiere Dich aus!

Aber bitte angstfrei!

Hab keine Angst vor Dämonen und anderen Gruseligkeiten. Die Teufelsbuhlschaft, also dass eine Hexe mit dem Teufel im Bunde wäre, gehört zu den Lügen, die zu Zeiten der Hexenverfolgung verbreitet wurden. Die allermeisten Hexen glauben nicht mal an einen Teufel – denn dieser gehört zur christlichen Mythologie. Man muss also irgendwie Christ sein, um an den Teufel zu glauben. Und wenn Du – und das wirst Du über kurz oder lang mit Sicherheit – über das Pentagramm stolperst: Lass Dich auch hier nicht verunsichern. Erst seit dem 19. Jahrhundert wird der fünfzackige Stern mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Jahrhundertelang wurden Pentagramme als Schutzsymbol verwendet, daher findet man sie auch oft an Kirchenschwellen und sehr alten Bauwerken.

Dass die Hexenverfolgung keine religiöse Idee, sondern vielmehr politischen und wirtschaftlichen Interessen der Kirchenvertreter diente, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Auch dass dieser Massenmord nicht im „finsteren“ Mittelalter, sondern in der frühen Neuzeit (ca. 1500 – 1900) stattfand. Zwar gilt die Zeit offiziell als vorüber, dennoch gibt es auch in unserer so aufgeklärten Zeit noch immer wieder Menschen, die sich berufen fühlen, teilweise unter Einsatz von brutaler Gewalt, andere Menschen „vom Teufel zu befreien“. Die katholische Kirche unterstützt dies oder nimmt es zumindest billigend in Kauf, indem sie jährlich bis zu 200 neue Exorzisten in den Dienst aufnimmt. Ich selbst erhalte übrigens durchschnittlich 10 Emails oder Briefe in der Woche, in der mir mit furchtbaren Qualen gedroht wird, die ich in der Hölle erleiden wäre. Und das könne ich nur verhindern, wenn ich mich quasi sofort zu „dem einen wahren Gott“ bekennen würde.

Ehrlich gesagt, glaube ich, dass genau DAS das größte Problem der Menschheit ist. Zu glauben, dass nur Menschen mit gleichen Ansichten ein Recht auf Glück hätten. Ich setze alles daran, meinen Kindern eine tolerantere Welt zu hinterlassen als die, in der ich aufwuchs.

Die Quintessenz: Liebe

In der „Wiccan Rede“ – einer Art Ehrenkodex der Hexen, dem sich auch viele „frei fliegende“ verpflichtet fühlen – finden sich allerhand Anweisungen. In einem Artikel habe ich vor einiger Zeit tolle Informationen gelesen. Das wichtigste ist aber (und so kann man das ganze Hexentum zusammenfassen): „Und wenn es nicht schadet, tu‘ was Du willst.“

Du kannst alles haben, tun, sein – was immer Du willst. Ich glaube, diese Worte wirken wie ein Versprechen auf unendliche Macht und Freiheit auf den, der nach dem „großen Ganzen“ sucht. Aber es bedeutet eben auch, dass man niemandem schaden darf – auch sich selbst nicht. Das Hexentum mahnt: Sei Dir der Konsequenzen Deines Tuns stets bewusst. Nicht nur, wenn Du magisch arbeitest. Auch im Alltag. Denn alles, was Du aussendest, kehrt dreimal zu Dir zurück. Als erstes wirkt es in Deinem Inneren, denn Du selbst weißt ja, was Du tust und was nicht. Als zweites wirkt es in Deinem Außen, denn wir agieren stets mit unserer Umwelt. Und drittens wirkt es im Universum, in dem wir alle miteinander verbunden sind.

Hältst Du im Supermarkt jemandem die Tür auf, freust Du Dich, dass die Person Dich freundlich anlächelt. Später wird dieser Jemand vielleicht Deinen Schlüssel aufheben, der Dir unbemerkt vor dem Supermarkt aus der Tasche gefallen ist und irgendwann wird Dir eine Segnung aus dem Universum zuteil.

Sendest Du also Liebe aus – zu Dir, zu anderen, in die Welt – kehrt diese Liebe auch zu Dir zurück. Probiere es aus, ich verspreche Dir, es klappt!

Übrigens: Praktiken wie Kartenlegen, Rituale, Magie etc. gehen zwar oft mit dem Hexentum einher, aber es ist nicht nötig, das alles zu tun um eine Hexe zu sein. Mehr dazu kannst Du hier nachlesen.

Hast Du Fragen zum Hexentum? Dann stell sie gern hier als Kommentar und ich werde gern antworten.

„Die Fee Morgana, wie würde sie erschrecken, wenn sie etwa einer deutschen Hexe begegnete, die nackt, mit Salben beschmiert, und auf einem Besenstiel, nach dem Brocken reitet.“

Heinrich Heine

Stefanie Gralewski

Über die Autorin

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

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