Brno im November 2013 - Stefanie Gralewski

Brno im November 2013

Eine Zugreise durch Osteuropa im November 2013 führte mich von Dresden auch Richtung Brno. Abgesehen von Heimatgefühlen, die ich beim Anblick einer Kaufland-Filiale entwickelte, war Brno eine wirklich niedliche Stadt. Sie sah aus wie eine Mischung aus einem DDR-Ort in den 80ern und einer altenglischen Arbeiterstadt.

Ich saß in einem 8er Abteil meist allein und genoss die Fahrt. Ich fahre wirklich gern mit dem Zug. Aber ich habe irgendwie kein Glück mit meinen Mitfahrern. Also die fremden Menschen, die vom Universum gesandt wurden, mit mir eine Strecke des Weges gemeinsam zurückzulegen – und mir dabei fürchterlich auf den Zünder zu gehen. Der Chinese mir gegenüber, der von Prag bis Brno mitfuhr, störte mich abgesehen von seiner lauten asiatischen Musik vom IPod nicht so sehr. In Brno stieg eben dieser Herr aus und ich dachte schon, ich würde wieder ein Stück allein fahren – doch ich irrte. Ein Mann riss die Tür des Abteils auf und fragte (in einem sehr freundlichen Ton, der nicht zur Art des Türöffnens passen wollte) irgendetwas. Keine Ahnung, was er sagte… ich nickte freundlich. Er warf seinen riesigen Rucksack auf die Gepäckablage und ließ sich schnaufend in den Sitz fallen. In diesem Moment traf mich eine Knoblauchwolke ohne Gleichen! Wirklich! Ich kenne einige Griechen! Ich WEISS, was es bedeutet, Knoblauch zu atmen. Aber das hätte selbst meiner liebsten Beinahe-Griechin (Ich glaube, sie kann Gerichte nur aus Knoblauch kochen!) den Boden unter den Füßen weggezogen.

Der auf der Kofferablage hin und herrutschende Rucksack des Herren, der mir so förmlich den Atem nahm, startete bei mir ein tolles Kopfkino: In der Hauptrolle: Ein von Knoblauchsalamiringen erschlagener Tscheche. Ob ich dann sein Mac-Book als Entschädigung behalten dürfte? Vielleicht tue ich dem armen Mann auch Unrecht… vielleicht war er kein Tscheche, sondern Slowake oder Ungar? In Bratislava stieg der Knoblauch-Europäer endlich aus, der Knoblauchgeruch blieb.

In Tschechien ist man bei der Zugabfertigung eher traditionell eingestellt. Nichts mit bunten Lämpchen, die die Schaffner hier in Deutschland lustig schwenken. In Tschechien gibt der Schaffner dem Lokführer mit einer kleinen Pappscheibe ein Signal. In Brno ist Schaffnerwechsel. Der neue Schaffner ist etwas kurz geraten – sein Wedeln wird vom Lokführer wohl nicht gesehen. Er wedelt und wedelt, läuft hin und her – hopst von einem Bein aufs andere, fuchtelt mit den Armen – doch nichts geschieht. All seine Bemühungen sind vergebens. Doch dann hat er eine Idee! Der Schaffner klettert auf eine nahe Bank, zeigt das Signal, der Zug tutet, der Schaffner steigt ein – fertig… So geht das hier also . Ich stellte fest, dass man sich langsam an den Knoblauchgeruch gewöhnte, hatte allerdings etwas Angst um den Schaffner, wenn er das Abteil öffnete, um die Fahrkarte zu stempeln. In 10 Stunden Fahrt durch Osteuropa wurde mein Ticket übrigens sage und schreibe 23 (!!!) mal gestempelt!

Doch der Napoleon-Schaffner wollte mein Ticket gar nicht stempeln. Als er durch die Wagen ging, stand ich gerade auf dem Gang (ich hatte mich doch nicht an den Knoblauch gewöhnt). Er war quasi nur halb so groß wie ich und machte – als er mich sah – postwendend kehrt. Ich weiß nicht genau, warum…

Stefanie Gralewski

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

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