Rödermark im April 2013 - Stefanie Gralewski

Rödermark im April 2013

Heute möchte ich Euch mal erzählen, warum ich nie wieder ein Hotel mit weniger als 4 Sterne buche. Das hat weniger mit Arroganz, Eitelkeit oder Luxussucht zu tun, als vielmehr rein praktische Gründe.

Eine meiner ersten, durch eine sehr liebe Stammkundin initiierte Reisen mit Klientenmeetings im Hotel führte mich in einen kleinen Ort bei Frankfurt/ Main. Die Termine waren gut gebucht und ich entschied mich für eine hübsche Villa, ein familiengeführtes Hotel ohne Sterne. Die Fotos sahen sehr nett aus und so reiste ich guter Dinge an. Meine Kundin holte mich vom Bahnhof ab und wir fuhren mit dem Auto zum Hotel. Während der Fahrt bereits ahnte ich böses… abgelegen, am Rande eines Gewerbegebietes versprach das Hotel „stille Romantik“. Empfangen wurden wir – gar nicht. Die kleine Rezeption war gegen 14 Uhr nicht besetzt, auf die Glocke hörte niemand.

Meine Kundin entdeckte einen kleinen Zettel, man solle eine Nummer anrufen, dann käme jemand. Nach einem wirklich sehr kurzen Telefonat („Komme“) erschien ein alter Mann und nahm, nachdem ich meinen Namen genannt hatte, wortlos meinen Koffer und stieg die Treppen hinauf. Einen Fahrstuhl gab es hier scheinbar genau so wenig, wie ein Check In.

Die gebuchte Suite war wirklich toll! Sehr groß, mit tollen Möbeln – alles war offenbar frisch renoviert. Die ersten Termine verliefen gut (obgleich der auf den Pressetermin folgende Artikel im örtlichen Lokalblatt mich mehr als irritierte – aber das führt hier zu weit). Abends traf ich mich mit einer anderen lieben Stammkundin. Sie war mit ihrem Mann extra für einen Termin von weiter her angereist und um ein paar schöne Tage im „Romantikhotel“ zu verbringen. Wir hatten uns also zum Abendessen verabredet und ließen uns von der Dame an der Rezeption – die überraschenderweise täglich etwa eine Stunde lang besetzt war (die Rezeption, nicht die Dame) – ein nettes Restaurant empfehlen.

Wir fuhren also „zum besten Haus am Platze“ und standen vor einem süßen Fachwerkhaus mitten im Ort. Als wir zu dritt dann das Restaurant betraten, traf uns fast der Schlag. Wir fühlten uns zurückversetzt in die 80er Jahre. Der Gastraum war eine Mischung aus dem beliebten Gelsenkirchener Barock mit rustikaler DDR-Gemütlichkeit. Nun, der Hunger verlangte zu bleiben, also setzten wir uns an einen Tisch in einer Ecke. Die Bedienung brachte die Karte, wir bestellten und versuchten mit Hilfe ein (oder auch zwei) Radler das Beste aus der Situation zu machen. Die nächste Überraschung folgte in Form des Salates, den wir uns als Vorspeise bestellt hatten. Der „Frische Salat“ bestand aus einer Art Mixed Pickles mit einer undefinierbaren Joghurtsoße und einem Viertel Tomate. Die Kellnerin quittierte die vollen Teller beim Abräumen „Da wars doch zuviel, stimmts?“

Lag es am Radler oder an einer Form von Resignation… ich weiß es nicht mehr. Wir würgten den Hauptgang hinunter, verzichteten allerdings lieber auf ein Dessert. Für Verdauungszwecke hielten wir einen Kaffee hinterher jedoch für sinnvoll, zumal wir uns nicht vorstellen konnten, dass dabei etwas schief gehen könnte.

„Zwei Milchkaffee hätten wir dann gern noch“ bestellte ich.
„Ja gut, zwei Cappuccino.“ antwortete die Kellnerin. Irritierte Blicke.
„Nein, zwei Milchkaffee bitte“
„Ja, zwei Cappuccino.“
„Nein.“ Muss man sich hier mit der Kellnerin streiten? ^^
„Aber das ist doch das Gleiche!“ antwortete die Kellnerin. Wieder irritierte Blicke.
„Nein, das ist schon etwas anderes…“
„Ja, in Berlin bei Ihnen ist ja immer alles anders“ Aha! Gelauscht hatte sie unseren leisen Gesprächen auch! Na wunderbar… wir nahmen dann zwei Cappuccino und fuhren ins Hotel zurück. Nach einem netten Plausch zog sich jeder in sein Zimmer zurück.

Am nächsten Morgen trafen wir uns zum Frühstück. Die Nacht war nicht ganz so traumhaft, wie erhofft. Die Matratzen waren superdünn, das Lattenrost bestand scheinbar aus Zahnstochern. Meine Kundin verbrachte die ersten Stunden des neuen Tages lieber auf einem Stuhl – dem Rücken zuliebe… Wir gingen also die Treppen hinunter in den Frühstücksraum. Der erste Blick auf das Buffet war etwas ernüchternd – klein, nichts besonderes. Der Wintergarten jedoch war ein Traum. Die Sonne kämpfte sich durch den Nebel über den Feldern – hier war also die versprochene Romantik! Wir setzten uns an recht nett eingedeckte Tische, plauderten noch ein wenig. Ihr Mann erkundete das Buffet, kam mit einer Auswahl zurück, setzte sich und begann das Brötchen aufzuschneiden. Dies jedoch zerfiel dabei nahezu gänzlich in Krümel! Wir Damen lagen fast unter dem Tisch vor lauter Lachen. Das konnte nur noch von zwei Beobachtungen getoppt werden, die ich an den folgenden Tagen im Frühstücksraum machte: Das Hotelpersonal wischte die auf den Tischen liegenden Papiertischdecken mit klatschnassem Lappen ab (tolle Idee!). Und zwei Touristen am Nebentisch bestrichen ihr Schokocroissant mit reichlich Ketchup. Lecker -.-

Zwar erlebe ich auch in 4 Sterne Hotels lustige Dinge… aber wenigstens stimmt dort (meistens) das Frühstück 😉

Stefanie Gralewski

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

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