Mai 27

Vom Internet, Familien und ganz viel Vertrauen

In meinen Beratungen geht es auch immer wieder um Kindererziehung. Viele Mütter suchen meinen Rat, weil sie unsicher sind. Und es scheint, als benötigten Eltern heutzutage mehr Unterstützung, Rat und Anleitung als früher. Doch das liegt nicht etwa an unwissenden oder desinteressierten Eltern. Es liegt daran, dass es keine vernetzten Familienbande mehr gibt. Früher wurde die Tante gefragt, warum das Baby schon wieder weinte. Oder eine Cousine wusste, was bei einem wunden Babypo zu tun ist. Und auch praktische Hilfe konnte abgerufen werden. Das Netz der Herkunftsfamilie war groß und stark genug, um für alle Sorgen und Problem einen guten Rat und zupackende Hände zu haben. Aufgrund der starken Veränderungen in den familiären Strukturen in den letzten Jahrzehnten fehlt dieses Netz nun und es scheint, als hätte ein anderes Netz diese Aufgaben übernommen: das Internet. Und tatsächlich gibt es dort für jedes Problem unendlich viele Lösungsmöglichkeiten und Ratgeber. Doch diese Flut an Informationen macht es Eltern schwer, herauszufiltern, was wirklich wichtig und passend ist. Und das Internet schafft – trotz aller Vorteile – einfach nicht das, was Familien konnten und können: Vertrauen wachsen lassen.

Und nichts ist wichtiger in der Kindererziehung als Vertrauen. Vertrauen in sich selbst, Vertrauen in das Leben und Vertrauen in die Kinder. Eltern sind von der Natur nämlich grundsätzlich perfekt dafür geeignet, Kinder groß zu ziehen. Das ist der Lauf des Lebens und die Menschheit wäre nicht so weit gekommen, würden die Eltern das nicht großartig tun. Eltern dürfen sich auf diesen Instinkt verlassen. Unabhängig von verschiedenen Erziehungs- und Pädagogikmethoden ist die Basis Vertrauen und Liebe. Ob man nun das Familienbett oder eigene Zimmer bevorzugt, ob man nun das Kind im Tragetuch oder im Kinderwagen transportiert oder bis wann man Babys stillen sollte – das alles ist völlig irrelevant. Alle Methoden haben gute Ansätze und es gibt kein richtig oder falsch.

Dass man seinen Kindern auch vertrauen darf, wenn sie schon größer sind, durfte ich vor einigen Jahren hautnah miterleben. Mein damals 14jähriger Sohn war auf dem Gymnasium zum Schulhalbjahr versetzungsgefährdet und viele Außenstehende waren der Meinung, dass man dem „pubertären Schlendrian“ nur mit Disziplin und Strenge entgegenwirken könne. Doch ich vertraute mir, meinem Instinkt und – meinem Sohn. Ich nahm mich für ein Halbjahr lang zurück, fragte nicht ständig nach seinen Noten und begnügte mich mit einem launigen „Nichts!“ als Antwort auf die Frage, was es denn neues in der Schule gäbe. Zwar bot ich natürlich auch Nachhilfestunden oder Unterstützung an, akzeptierte aber auch, wenn mein Sohn das ablehnte. Und tatsächlich war genau das der richtige Weg. Mein Junge schaffte die Klassenstufe mit Leichtigkeit und hatte seine Noten deutlich verbessert. Natürlich bedeutet das nicht, dass man seine Kinder einfach immer machen lassen sollte. Kinder benötigen durchaus einen Rahmen, in dem sie sich in der großen, rauen Welt zurechtfinden können. Aber es ist ein gutes Beispiel dafür, dass Eltern eben doch dieses besondere Bauchgefühl haben und nach diesem ihre Erziehungsmethoden wählen sollten – in Liebe und Vertrauen.

Ich bin überzeugt davon, dass dieses Vertrauen der Nährboden für starke, mutige und liebevolle Kinder ist, die zu tollen Erwachsenen werden.

„Nichts kann den Menschen mehr stärken, als das Vertrauen das man ihm entgegenbringt.“ (Paul Claudel)

Paul Claudel

Stefanie Gralewski

Über die Autorin

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

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