Von Honig, Zeit und anderen Opfern - Stefanie Gralewski

Von Honig, Zeit und anderen Opfern

Ende März hatte ich eine Premiere: Ich traf mich mit einer lieben Freundin zu einer Meditation – online. Sie hatte es sich in Ihrer Wohnung in Österreich gemütlich gemacht. Ich hatte bei mir in Berlin einen Altar aufgebaut. Es war wirklich wunderbar und wir konnten die Verbundenheit deutlich spüren. Im Anschluss war ich noch so voller „Spirit“, dass ich noch ein Ritual für mich persönlich anhing. Wie immer hinterließ ich auf meinem Altar ein Opfer. In diesem Fall handelte es sich um 3 Mandarinen, 2 Orangen, ein kleines Glas Honig, Räucherwerk und Bargeld.

Heute sprach ich wieder mit dieser Freundin und mein Blick fiel auf meinen Altar, wo das Opfer noch stand. Ich erzählte ihr, dass das Obst wie neu aussah, obwohl es nun schon seit fast 2 Monaten dort stand. Völlig ohne Obstfliegen, nicht vertrocknet, der Honig nicht kristallisiert (obwohl das Glas ohne Deckel stand). Wir beide waren völlig fasziniert. Und dann fragte mein Freundin: „Ja und was macht man jetzt eigentlich mit so einem Opfer? Und warum opferst Du eigentlich überhaupt?“ Ehrlich gesagt höre ich diese Fragen öfter und darum möchte ich jetzt hier einmal ausführlich meine Auffassungen dazu teilen.

Was ist überhaupt ein Opfer?

Meine engste Freundin und Hexenschwester hat ihren Kindern immer gesagt: „Ein Opfer ist etwas, was Du selbst gern behalten hättest.“ Nur dann ist es ein Opfer.

Jesus blickte zum Opferkasten und sah, wie die reichen Leute ihre Gaben hineinwarfen. Er bemerkte auch eine ärmlich gekleidete Witwe, die zwei kleine Kupfermünzen hineinwarf. Da sagte er: »Ich versichere euch, diese arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen. Sie alle haben ihre Gaben aus ihrem Überfluss gegeben; diese Frau aber, so arm sie ist, hat alles gegeben, was sie besaß.«

Die Bibel – Lukas 21, 21

Für mich persönlich ist ein Opfer ein Dank an die Götter für die Erfüllung eines Wunsches oder eins allgemeinen guten Zustandes. Ich versuche damit ein Stück weit eine Balance herzustellen zwischen dem, was ich empfange und dem, was ich gebe – nach dem do ut des – Prinzip („Ich gebe, damit Du gibst“). Entweder opfere ich als allgemeinen Dank dafür, dass es mir und meinen liebsten gut geht oder speziell für eine besondere Situation.

Zu Silvester vergieße ich zum Beispiel von unserem Sekt stets etwas auf die Erde im Garten als Dank für das vergangene Jahr. Wenn ich mich mit einigen Hexenschwestern zum gemeinsamen Ritual treffe, dann gehören die ersten Stücke des Buffets (Brot, Salate, Wein) den Göttern.

Wenn ich mich in einem Ritual an die Götter (oder einen speziellen Gott) wende und um Wunscherfüllung bitte, dann biete ich im Gegenzug ein Opfer an, das meiner Meinung nach dem Gott (oder der Göttin) gefallen könnte und einen energetischen Ausgleich zum (persönlichen) Wert meines Wunsches darstellt. Wenn mein Wunsch sich erfüllt, weiß ich, dass das Opfer angenommen wurde und es ist selbstverständlich für mich, dass ich mich an mein Versprechen halte.

Was ich opfere:

  • Obst, Gemüse, Blüten – Hier achte ich auf besonders makellose, schöne Stücke.
  • Räucherwerk – entweder ganz besonderes oder etwas, dass zum Wunsch passt. Das Räucherwerk kann entweder als Ganzes geopfert oder auch verbrannt werden.
  • Geld – Bedenke den Grundsatz: Ein Opfer ist etwas, das Du selbst gern behalten hättest. So sollte der Betrag immer dem Wunsch und Deinen Möglichkeiten entsprechend sein. Das Geld kann ganz klassisch vergraben werden oder aber – und das bevorzuge ich – einem guten Zweck gespendet werden.
  • Zeit – Meine Zeit ist äußerst knapp und streng durchgeplant – und naturgemäß limitiert. Daher ist das mein wertvollstes Opfer. Meine geopferte Zeit schenke ich zum Beispiel Ehrenämtern.

Wie opfere ich „richtig“?

Wie immer im Leben: Es kommt drauf an. Gehörst Du einer konkreten Religionsgruppe an, hast Du vermutlich spezielle Vorgaben. Du kennst dann spezielle Opferzeiten und Gebete – oder ganze Rituale.

Ich bin ja eher „freifliegend“ unterwegs – also mache ich mir meine eigenen Regeln und vermische das mit traditionellen Bräuchen, die sich für mich als nützlich und funktionierend erwiesen haben.

Angenommen, ich möchte mich für eine Wunscherfüllung bedanken und habe nichts vorher versprochen. Dann nehme ich mir Zeit für ein kleines Dankritual. Ich zünde eine gelbe oder goldene Kerze an und richte auf einem schönen Teller oder einer speziellen Opferschale das Opfer aus Obst, Räucherwerk und Blüten (manchmal auch mit Münzen) an. Das stelle ich dann auf meinen Altar neben die Kerze. Ich danke den Göttern (dem Gott oder der Göttin) für die Unterstützung. Wichtig ist mir, hier nicht neue Wünsche zu formulieren, sondern es beim Dank zu belassen. Das Opfer bleibt mindestens 24 Stunden auf dem Altar stehen. Dann bringe ich das Opfer in den Garten. Dort habe ich eine spezielle Opferstelle angelegt. Ich habe einen großen Tontopf im Boden versenkt und etwas Erde hinein gegeben. Den Platz habe ich mit schönen Blumen und einigen Figuren und Steinen verziert. Den Inhalt schütze ich mit einem Deckel, damit sich kein Tier verletzt (beim hineinfallen oder weil es vielleicht das Räucherwerk anknabbert).

Wenn Du keinen Garten hast, kannst Du Opfer wie Obst, Gemüse und Blüten auch in einem Park vergraben. Blüten kannst Du auch in einen Fluss werfen und davon treiben lassen.

Aber bitte sei achtsam mit Deiner Umwelt. Mit Deinem Opfer sollst Du niemandem schaden. Bitte opfere kein Plastik oder Glas.

Ganz traditionell gilt Mehl, Honig und Milch als Opfer. Eine Handvoll Mehl soll man zum Beispiel in den Sturm werfen, um ihn zu beruhigen. Honig soll Naturgeister beglücken und Milch besänftigt einem alten Glauben nach die Hausgeister, damit sie nicht allzu viel Zeug von uns verstecken.

Wenn Dir das alles zu kompliziert vorkommt, dann überlege bitte eins: Wie wichtig ist Dir die Erfüllung Deines Wunsches? Was bist Du bereit, dafür zu tun? Wenn Du Dich nicht mit dem Dank beschäftigen möchtest, ist der Wunsch vielleicht nicht wichtig genug.

Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.

Sprichwort aus Asien
Stefanie Gralewski

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

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