März 4

Von Kindern, Fasten und schmerzender Begeisterung

Das Jahresrad dreht sich unaufhaltsam weiter. Der Frühling naht und so befinden wir uns mitten im christlichen Fasten. Auch wenn ich keiner religiös vorgeschriebenen Fastenzeit folge (im Asatru gibt es so etwas nicht), so ist diese Zeit für mich dennoch eine wichtige Zeit der Erdung und des bewussten Verzichts. Das möchte ich auch meinen eigenen Kindern mitgeben und erklärte meinem damals ca. 8jährigen Sohn, dass man manchmal auf etwas verzichten sollte, damit man es später mehr zu schätzen weiß. So beschlossen wir für die Fastenzeit auf Süßigkeiten verzichten. Doch mein Junior hatte eine andere Idee: „Ich glaube, ich verzichte lieber mal auf Gemüse!“ Wir einigten uns auf einen Kompromiss. An einem Tag gab es keine Süßigkeiten, am anderen kein Gemüse. Tatsächlich freute er sich nach einem gemüsefreien Tag auf die Gurken-, Möhren- und Paprikastreifen. An den Süßigkeiten-Tagen wurde wenig, aber mit Bedacht genascht. Am Ende ein guter Kompromiss für alle.

Wenn Du mit Deinen Kindern fasten möchtest oder die Osterzeit aus christlicher Sicht näher bringen möchtest, empfehle ich einen Osterleuchter. Auf dieser Seite wird dieser wunderbar erklärt: Familien feiern Feste

Für viele ist die Zeit vor Ostern aber generell eine Zeit der religiösen Besinnung, ähnlich der Vorweihnachtszeit. Und so kann es sehr spannend sein, die verschiedenen Gotteshäuser zu besuchen. Ich möchte den Blick meiner Kinder für die ganze Bandbreite der religiösen Möglichkeiten aufzeigen und gehe mit ihnen in Synagogen und Kirchen, wir besuchen Tempel und Moscheen. Auch meine Freundinnen handhaben das so. Bei einem Besuch in einer koptischen Kirche wurde meine Freundin Zeuge eines aufschlussreichen Gesprächs: Zwei Jungs (ca. 6 Jahre alt) schauten sich mit einer Frau, die wohl ihre Mutter war, die Kirche an und blieben vor einem großen Kreuz stehen. Die Kinder wollten wissen, was es damit auf sich hatte und die Mutter setzte sich mit ihnen in eine Kirchenbank, nahm sich viel Zeit und erzählte geduldig die Jesus-Geschichte und den Zusammenhang mit Ostern. Nach dem „aufgefahren gen Himmel“ sprangen die Jungs vor Begeisterung auf und jubelten: „Boah, hatten die früher schon so’ne Raketen!?“

In meinem Blog hab ich ja schon öfter erzählt, dass ich nicht christlich-religiös erzogen wurde. Das Lernen und Verstehen spiritueller Zusammenhänge war stets im Alltag integriert und es war für meine Familie selbstverständlich, auch andere Religionen kennen zu lernen. So war ich einmal als kleines Mädchen bei einer befreundeten Familie des Pfarrers zum Ostergottesdienst und anschließendem Essen eingeladen. Damals war ich ca. 6 Jahre alt und beim gemeinsamen Essen mit dem Pfarrer schwer beeindruckt: „Da schau her! Jesus isst Kartoffelsalat!“ Ich weiß nicht genau wieso, aber irgendwie ging ich davon aus, dass der Pfarrer der Gottessohn selbst sei.

Später, als Erwachsene, setzte ich diese Familientradition fort und baute einen kulturell bunten Freundeskreis auf. Natürlich habe ich meine Freunde nicht nach ihrer Religion gewählt, aber es ergab sich einfach so. Wir besuchten uns gegenseitig, bewirteten die Gäste mit Kuchen, Kaffee und Tee und die Kinder spielten zusammen. Ich war mit meinem damals 2 jährigen Sohn mal wieder bei Freunden zu Besuch. Ich schaute mir mit ihm das wunderschön gestaltete Meditationszimmer mit bunten Wandbehängen und Teppichen an. Noch ganz gefangen mit diesen Eindrücken ging ich mit dem Kind auf dem Arm die Treppe hinunter, rutschte aus und kam erst nach einigen Stufen zum Stop. Junior reagierte vor Begeisterung jubelnd: „Nommaaaal!“ Ich lehnte mit Tränen in den Augen (mehr vor Lachen als vor Schmerz) dankend ab.

Ich kann solche Besuche übrigens absolut empfehlen! Besuche mit Deinen Kindern muslimische Familien. Lerne den Alltag buddhistischer Menschen kennen. Hör zu, was Heiden über ihre Religion zu erzählen haben – ohne, dass Du das mit Deinem Glauben vergleichst und möglicherweise bewertest. Unternimm doch mal einen Familienausflug in eine jüdische Synagoge oder wohne russisch-orthodoxen Gottesdiensten bei. Ich versprechen Dir, dass dies ungemein spannend und für den eigenen Alltag sehr bereichernd sein kann! Außerdem gibst Du Deinen Kindern, Enkeln und Dir selbst die Chance auf eine Welt der Verständigung, des Verständnisses und der Liebe.

Ich will Menschen bilden, die mit ihren Füßen in Gottes Erde, in die Natur eingewurzelt stehen;
deren Haupt bis in den Himmel ragt und in dem selben schauend liest; deren Herz beide, Erde und
Himmel, das gestaltenreiche Leben der Erde und Natur und die Klarheit und den Frieden des
Himmels, Gottes Erde und Gottes Himmel eint.“

Friedrich W. A. Fröbel, 1782-1852, deutscher Pädagoge

Stefanie Gralewski

Über die Autorin

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

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