Von Religion, Mythologie und Spiritualität - Stefanie Gralewski

Von Religion, Mythologie und Spiritualität

Immer wieder werde ich gefragt, ob die drei Begriffe Religion, Spiritualität und Mythologie nicht einfach synonym verwendet werden können. Ich meine dazu, dass die Bedeutungen zwar ineinander übergreifen, aber dennoch zu differenzieren sind:

So ist Religion meiner Meinung nach der Glaube an und / oder Verehrung eines Gottes oder mehrerer Götter.

Mythologie definiere ich eher als eine Sammlung traditioneller Geschichten, die von den Göttern erzählen.

Spiritualität ist für mich der individuelle Weg eines jeden Menschen hin zum Göttlichen – unabhängig von der Religion.

Es ist also durchaus möglich, ein spirituelles Leben zu führen, ohne einer bestimmten Religion anzugehören. Auch kenne ich Menschen, die zwar einer Religion angehören, aber ihrem spirituellen Weg (noch) nicht folgen. Mythologie kann Religion leichter verständlich und im Alltag greifbarer machen. Das Kunstwerk und die wahre Bereicherung im Leben besteht meiner Meinung nach darin, alle drei Themen zu kombinieren.

Ich beschäftige mich auch mit anderen Religionen, die nicht meiner entsprechen. Und ich erzähle auch von anderen Religionen, fremden Mythen und verschiedenen Auffassungen von Spiritualität. Der Islam hat ebenso schöne Geschichten zu erzählen, wie zum Beispiel auch das Judentum. Die beiden Religionen sind ja generell sehr nah beieinander, zusammen mit dem Christentum.

Wenn ich Göttergeschichten erzähle oder Gebetstexte teile, geht es mir in keinem Fall um Missionierung oder darum, jemanden von einer bestimmten Religion zu überzeugen. Mir geht es vielmehr darum, die Gemeinsamkeiten der unterschiedlichsten Religionen aufzuzeigen. Ich möchten Sie neugierig machen auf anderen Glaubenssysteme, Kulturen und Menschen. Ein bestimmtes Ritual, ein besonderer Feiertag einer fremden Religion bereichert auch den eigenen Alltag. Sein Herz hier zu öffnen, bedeutet sich er nicht, den eigenen Glauben über Bord zu werfen. Ganz im Gegenteil: Oft erkennt man den Ursprung und die Liebe zum eigenen Götterhimmel ganz neu.

Das Wort Religion kommt vom lateinischen Wort relegere (=bedenken) und meint etwas, dass man mit Sorgfalt betrachten solle. Heute meint man eine spirituelle Weltanschauung, bei der ein höheres, wie auch immer geartetes Wesen maßgeblich Einfluss auf den Gläubigen hat.

Eine Definition versuchte der Theologe Gustav Mensching zu finden: „Religion ist erlebnishafte Begegnung mit dem Heiligen und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen.“ Und dieses Heilige ist – für manche Menschen überraschend – in den unterschiedlichen Mythologien und Religionen gar nicht so verschieden.

Vielleicht kennt ja keine Religion die ganze Wahrheit, sondern jede besitzt nur Bruchstücke davon, und es ist unsere Aufgabe, diese Bruchstücke zu erkennen und zusammenzusetzen. 

Christopher Paolini in Eragon
Stefanie Gralewski

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

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