Von Schalttagen, Glück und Unglück - Stefanie Gralewski

Von Schalttagen, Glück und Unglück

In diesem Jahr ist es wieder einmal soweit: Wir haben einen 29. Februar. Da das nur alle 4 Jahre vorkommt, ist es durchaus etwas besonderes. Und wie immer, wenn etwas außergewöhnliches passiert, überschlagen sich die Medien mit Schlagzeilen wie „Steht uns ein Katastrophenjahr bevor?“. Doch was da wirklich dran ist, hab ich Dir hier einmal zusammengefasst.

Schalttage oder -jahre sind so alt wie die Menschheit selbst. Sie werden immer dann eingeschoben, wenn der Kalender nicht mit dem Sonnenjahr übereinstimmt und eine Verschiebung der Jahreszeiten droht. In der Geschichte ist das manchmal recht willkürlich passiert, aber schon seit den alten Römern gab es einen Schalttag im 4-Jahres-Rhythmus.

Die Römer allerdings waren grundsätzlich auch recht großzügig darin, einen Tag als Unglückstag zu bezeichnen. So sind die berühmten Schwendtage (dies atri) oft nach einer verlorenen Schlacht der Römer als solche deklariert worden. Wenn die glorreichen Römer eine Schlacht verlieren, dann MUSS der Tag als solches (und die Götter natürlich) Schuld sein und selbstverständlich nicht die Römer selbst – so das Denken. Dass die Schwendtage dann tatsächlich bis in unsere Zeit eine gewisse Unglücksenergie aufweisen, zeigt die Schöpferkraft des Menschen. Wenn viele Menschen einen bestimmten Gedanken an einem bestimmten Tag haben, erschafft dies eine bestimmte Energie. Der Glaube versetzt Berge.

Mit der Unglücksenergie an Schalttagen ist das ähnlich. Dazu kommt eben noch, dass eine Abweichung per se schon als „komisch“ wahrgenommen wird. Der Religionswissenschaftler Horst Juninger erklärte in einem Interview mit dem mdr: „Wie man von der Kognitionsforschung weiß, ist es vor allem das Bizarre und Absonderliche, das überproportional memoriert wird und das sich dadurch intensiver als anderes im individuellen wie kulturellen Gedächtnis festsetzt“.

Es gibt also für den 29. Februar besonders viel Aberglauben. Zum Beispiel sagt man, dass alle, die am 29.2. geboren sind, Geister sehen können. Rituale, Orakel und andere magische Tätigkeiten sollten vermieden werden. Daran halte ich mich persönlich nicht. Zu sehr freue ich mich über einen Tag mehr im Jahr, an dem ich Dinge erledigen kann, für die sonst zu wenig Zeit bleiben.

Wie könntest Du diesen Extra-Tag nutzen? Schreib doch mal eine Liste mit all den Dingen, die Du schon lange mal machen wolltest. Dann streiche alles weg, was Du nicht voller Freude machen würdest. Das, was übrig bleibt, ist Deine Aufgabe für den 29. Februar. Uups – bei Dir ist nun gar nichts mehr übrig geblieben? Dann ist dieser Samstag für Dich ein Tag für Muße und Nichtstun.

„Müßiggang, du heiliges Kleinod, einziges Fragment der Gottähnlichkeit, das uns noch aus dem Paradiese blieb!“

Friedrich Schlegel
Stefanie Gralewski

Ich bin Stefanie Gralewski und das hier ist mein Blog. Es ist kein Anleitungsblog, nicht gefüllt mit Weisheiten oder weltbewegenden Themen. Ich teile hier meine Gedanken, Ansichten und Ideen mit dem, der es lesen möchte. Mein Alltag ist zuweilen anstrengend, magisch, nachdenklich, lustig – aber immer voller Neugier auf das Leben.

>